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Seit 1996 im Amt: Hermann Weinbuch.

Ski nordisch

Wie Guardiola und Klopp

Hermann Weinbuch hat die DSV-Kombinierer schon zu 50 Medaillen geführt. Auch mit 58 Jahren hat der Bundestrainer noch nicht ausgelernt.

Wenn Hermann Weinbuch sich selbst im Fernsehen sieht, kommt er manchmal ins Grübeln. Wie er an der Strecke vor Aufregung auf und ab rennt, wie er mitfiebert und oft genug am Ende vor Freude weint, das alles lässt den „Goldschmied“ der deutschen Kombinierer nicht kalt. „Dann frage ich mich, ob ich cooler werden muss“, sagt Weinbuch und gibt sich die Antwort gleich selbst: „Und dann sehe ich die großen Fußballtrainer wie Jürgen Klopp. Die lieben auch alle ihren Sport, die haben Herzblut, die flippen aus.“ Also bleibt er, wie er ist.

Kein Zweifel: Auch Hermann Weinbuch (58) liebt seinen Sport. Seit 1996 bekleidet er das Amt des Bundestrainers, eine halbe Ewigkeit schon. Bei der WM in Seefeld hat er die unfassbare Marke von 50 Medaillen bei Großereignissen geknackt. „Das ist eine schöne Zahl, die einen stolz macht. Aber ich sage jetzt nicht, dass ich noch die 60 schaffen muss. Oder die 55“, sagt Weinbuch. Immerhin: In Tirol könnten schon am Donnerstag im Einzel von der Normalschanze die nächsten Medaillen dazukommen.

Weinbuch hat immer eine Vision

Als Weinbuch 1992 das erste Mal Bundestrainer wurde, war er erst 32 Jahre alt. „Zu jung“, wie er heute sagt. Ende 1996 begann dann seine zweite Amtszeit, in der es zuletzt Medaillen regnete. Weinbuch sieht in seiner Emotionalität einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren. „Man muss man schon eine innerliche Liebe für den Sport spüren. Sonst erreicht man die Athleten nicht“, sagt er.

Weinbuchs Goldjungs bestätigen das nur zu gerne. „Hermann hatte immer eine Vision und wusste, wie er sie umzusetzen hat. Dabei ist er immer Mensch geblieben“, sagt Eric Frenzel, der in Seefeld seine WM-Titel Nummer sechs und sieben sammelte. Fabian Rießle, an Frenzels Seite Weltmeister im Teamsprint, ergänzt: „Hermann zeichnet aus, dass er sehr ruhig ist. Aber wenn es sein muss, haut er wirklich mal auf den Tisch.“

Vor allem aber bleibt Weinbuch nicht stehen, auch nach 23 Jahren als Bundestrainer nicht. „Ich lerne viel von anderen Sportarten, auch vom Fußball. Pep Guardiola etwa hat eine Mannschaft, in der es große Stars gibt. Da kann ich mir Gedanken machen, wie man ein Team führt“, sagt Weinbuch. Auch von Golfprofis, die „über vier Tage mental stark sein müssen“, schaue er sich viel ab.

Und wie lange macht Weinbuch das alles noch? Das hängt vor allem von Ronny Ackermann ab, seinem designierten Nachfolger. „Wenn Ronny sagt: Du, ich will jetzt mal der Chef sein, dann ist es auch genug. Aber derzeit möchte er unbedingt, dass ich noch weitermache“, sagt Weinbuch.

Und sollte doch irgendwann der Tag kommen, an dem Weinbuch ins zweite Glied tritt, hat er vorgesorgt und sich einen Verbleib im Verband zusichern lassen. „Mir war wichtig, dass ich nicht von 100 auf null runterfalle, auch finanziell. Ich habe ja eine Familie“, sagt er. Und was genau schwebt ihm da vor? „Das weiß ich noch nicht“, sagt Weinbuch: „Aber die werden schon irgendwas finden, wofür sie mich gebrauchen können.“ (sid)

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