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Eventuell bald getrennt: Klaus Allofs (v.) und Thomas Schaaf.
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Eventuell bald getrennt: Klaus Allofs (v.) und Thomas Schaaf.

SV Werder Bremen

Heile Welt war einmal

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Ob Klaus Allofs Vorstandsboss in Bremen bleibt, ist ungewiss. Doch die Zeit drängt Denn Allofs Vertrag und der von Thomas Schaaf sowie die Verträge von 13 weiteren Profis laufen im Sommer 2012 aus.

Schlagartig verfinsterte sich die Miene von Klaus Allofs. Und die Laune verschlechterte sich. Es ist ja liebgewonnenes Ritual nach Heimspielen des SV Werder Bremen, dass sich ein mehr oder minder großer Pulk um den Tisch in der ersten Reihe des neuen Mediensaals versammelt, wo der Vorstandsvorsitzende die Pressekonferenz zu verfolgen pflegt. Nach dem offiziellen Teil gibt der 54-Jährige bereitwillig Auskunft, und diese Pflicht erfüllte der gebürtige Rheinländer auch am vergangenen Sonntag nach dem 2:0 gegen den VfB Stuttgart professionell. Bis die Rede auf die Pausenplauderei seines Präsidenten Klaus-Dieter Fischer kam, der in einem Interview mit Sky davon gesprochen hatte, dass das auslaufende Arbeitspapier mit Allofs gewiss in nächster Zeit verlängert werden könnte. Fischer wörtlich: „Ich bin sehr optimistisch, dass das bald über die Bühne geht.“

"Ich bin die handelnde Person"

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Zumindest Allofs reagierte angefressen auf Fischers Vorstoß, der die interne Vereinbarung gebrochen hatte, in der Angelegenheit um die schleppenden Vertragsgespräche mit ihm und Trainer Thomas Schaaf keine Wasserstandsmeldungen abzugeben. „Das wundert mich, dass das von anderer Seite kommentiert wird“, zürnte Allofs, um dann seinen Geschäftsführerkollegen zu rüffeln: „Ich weiß nicht, ob er nah genug dran ist. Er war bei den Verhandlungen nicht dabei. Ich bin die handelnde Person.“

Mittlerweile gilt längst nicht mehr als sicher, dass der immerhin seit Oktober 1999 an der Weser tätige Allofs zur weiteren Zusammenarbeit bereit ist. Dabei ist seine Zukunft eng mit der von Schaaf verknüpft, zumal Allofs mit dem Cheftrainer die Einigung über einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag erzielen muss. Über Allofs wiederum entscheidet allein der sechsköpfige Aufsichtsrat, in dem sein Vorgänger und der heutige UN-Sonderbotschafter Willi Lemke, 65, die prägende Figur darstellt. Dass der frühere SPD-Politiker Lemke und der ehemalige Nationalspieler Allofs nicht auf einer Wellenlänge funken, ist ein offenes Geheimnis. Fischer nimmt eine Schlüsselrolle in dem Ränkespiel ein, der 70-Jährige ist gerade als Vereinspräsident und für die nächsten zwei Jahre auch wieder als bezahltes Mitglied der Geschäftsführung bestätigt worden. Ihm wird nachgesagt, eine Koalition mit Lemke gebildet zu haben. Dazu passt, dass der Choleriker Fischer bei der Mitgliederversammlung Anfang des Monats einen Zeitungsartikel zerknüllte, der die Behauptung enthielt, Lemke habe bereits bei Dietmar Beiersdorfer vorgefühlt, um ihn als Sportdirektor zu gewinnen.

Weniger Macht, weniger Geld

Allofs wird das Gefühl nicht los, dass seine Macht beschnitten werden soll – ihm werden Transferflops wie Carlos Alberto, überteuerte Einkäufe wie Wesley oder Marko Arnautovic vorgehalten. Das erste Vertragsangebot konnte ihm kaum gefallen: Seine Kompetenzen sollen begrenzt und das Fixgehalt zurückgefahren werden. Allofs erklärte kürzlich vielsagend: „Die Chemie muss stimmen. Nur aus Gewohnheit bleibt man nicht ein zwölftes oder 13. Jahr da.“ Erst am Freitag hatten Lemke und Allofs erneut gesprochen und sich angeblich angenähert – bis Fischer vorpreschte.

Immerhin sind sich alle einig, dass die Hanseaten „unabhängiger vom sportlichen Erfolg werden müssen“ (Allofs). Das grün-weiße Gebilde in seiner heutigen Form ist nur durch seine sechs Champions-League-Teilnahmen binnen sieben Jahren entstanden, und auch die jüngste vorgelegte Bilanz (119,9 Millionen Euro Umsatz/8,2 Millionen Euro Gewinn) kam nur zustande, weil darin neben den Özil-Millionen auch noch Königsklassen-Einnahmen üppig einflossen. Dazu belastet der Stadionumbau mit explodierten Gesamtkosten von 76 Millionen Euro die Bilanzen. „Wir blicken sorgenvoller auf 2011/2012. Wenn wir keinen internationalen Wettbewerb erreichen, müssen wir sehen, dass wir das finanzieren können“, gesteht Allofs. Der Umbruch wäre unvermeidlich. Neben den Verträgen von ihm und Schaaf laufen am 30. Juni 2012 ja auch die Kontrakte von 13 Profis aus.

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