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Hauptsache verkleidet

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Von: Benedikt Paetzholdt

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Holländische Fans beim Eisschnelllauf.
Holländische Fans beim Eisschnelllauf. © ROBERTO SCHMIDT (AFP)

Überall wird derzeit Karneval, Fastnacht und Fasching gefeiert. Der Trend zur Verkleidung hat auch die Olympischen Spiele erfasst. Unsere Kolumne.

Offensichtlich ist durch die vielen olympischen Eindringlinge nun auch in Südkorea angekommen, dass in anderen Teilen der Welt derzeit Karneval oder Fastnacht gefeiert wird. Und dass das Leben doch gleich viel schöner ist, wenn man sich ein paar ulkige Klamotten überstreifen und sich Farbe ins Gesicht pinseln kann. Dass der Trend zur Rot-Weiß-Kombination geht, mag im Fall der nordkoreanischen Cheerleader relativ leicht zu verstehen sein. Bis vor kurzem sah man in Nord und Süd ja schnell rot, wenn der Name des ungeliebten Nachbarn fiel. Das bisschen Weiß könnte man als Zeichen der Entspannung verstehen. Warum sich aber viele Koreaner bei einigen Wettkämpfen in eine österreichische Fahne wickelten, ohne auch nur ein Wort alpenländisch zu verstehen, bleibt ein Geheimnis. Vielleicht eine Geste des Mitleids, weil der Olympia-Auftakttag ohne einen alpinen Wettbewerb und ohne Skisprungmedaille zum Vergessen war. Nicht weniger angesagt, zumindest bei Frauen, sind Haarreife mit Chichi-Zusatz. Mal ganz karnevalesk mit Hasenohren, mal ganz südkoreakonform mit leuchtenden LEDs. Insgesamt lautet der Verkleidungstrend 2018: Lieber eine Fahne in der Hand, als eine Alkoholfahne aus dem Mund. Der Soju, eine wodkaähnliche Reis-Spirituose, ist den Südkoreaner in etwa so heilig wie dem Deutschen das Bier. Sich völlig hemmungslos dem närrischen Treiben hinzugeben, ist die Sache des Koreaners dann aber doch nicht. Einzige Ausnahme ist der Shorttrack: Der ist für die Gastgebernation der olympische Höhepunkt, eine Art Rosenmontagsumzug in Endlosschleife. Wer den internationalen Kamerateams auffallen will, und das treibt hier viele an, muss sich etwas einfallen lassen. Der Trend geht zum dick aufgetragenen Nationalsymbol Eum und Yang. Doch die Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen. Wo immer es auf Kufen zur Sache geht, sind auch orangefarbene Menschen nicht weit. Die machen nicht auf Müllmann, sondern unterstützen Team Niederlande.

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