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Hannover will an den Basics arbeiten

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Von: Frank Hellmann

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Lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen: Trainer Tayfun Korkut.
Lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen: Trainer Tayfun Korkut. © imago

Warum Trainer Tayfun Korkut nach einem Jahr bei Hannover 96 gelassener geworden ist. Auch die Zielvorgaben von Präsident Martin Kind bringen den Coach nicht aus der Ruhe.

So ein Mannschaftsbus braucht ein bisschen, um aus der niedersächsischen Landeshauptstadt bis an die türkische Mittelmeerküste zu gelangen. Tatsächlich hat es drei Zwischenübernachtungen gegeben, ehe das grün lackierte Gefährt von Hannover 96 die Strecke von mehr als 3000 Kilometern überbrückt hatte. Was tut man nicht alles, damit die Ausrüstung eines Fußball-Bundesligisten unversehrt im Trainingslager ankommt und die Profis auf den gewohnten Plätzen sitzen können.

Denn anders als die Konkurrenz aus Bremen oder Mönchengladbach ist Hannovers Berufsfußballern kein Fußweg vom palastähnlichen Prunkbau am Rande von Belek bis zum „Hüseyin Aygün Football Center“ zuzumuten. Mitten zwischen den Gewächshäusern liegen drei bestens gepflegte Rasenplätze – Golfer hätten hier ihre helle Freude. „Die Verhältnisse sind ideal“, hat Tayfun Korkut gleich nach der ersten Einheit gesagt, „das soll uns nicht verleiten, dass wir denken, wir seien im Urlaub.“

Dafür sorgt der Cheftrainer schon selbst. Bläst einer kräftiger in seine Trillerpfeife als der 42-fache türkische Nationalspieler? Schreit einer lauter über die mit zahllosen Hütchen, Stangen und Markierungen abgesteckten Felder als der 40-Jährige? „Fläche machen, drei Kontakte, keine hohen Bälle“ – Korkuts Kommandos ertönen so deutlich, dass vermutlich sogar streunende Hunde sich erschrecken würden.

Der vor genau einem Jahr eingestellte Novize, der damals noch mit seinem Tross den vom Vorgänger Mirko Slomka ausgesuchten Robinson Club ganz in der Nähe bezog, will bis zum Dienstag nächster Woche vor allem „an den Basics“ arbeiten. Ihm sei aufgefallen, „dass die einfachen Sachen schnell vergessen werden“. Tatsächlich sind Tempo und Intensität aller Übungen immens – von nichts kommt nichts. Korkut sieht es mit Wohlgefallen. „Wir dürfen keine fünf Prozent nachlassen“, fordert er.

Endstation Sehnsucht: Platz 6

Im Vorjahr erreichte in Belek der Rummel um den ehemaligen Fenerbahce-Profi die Grenze der Belastbarkeit, jetzt freut sich der in Stuttgart geborene Sohn türkischer Eltern einfach, dass „ich hier mit den Hotelangestellten mein Türkisch wieder auffrischen kann“.

Korkut wirkt gereift und gelassen – auch bei der Zielvorgabe des Präsidenten Martin Kind, der immer noch Platz sechs als Endstation Sehnsucht nennt. Der ehrgeizige Unternehmer mag keinen Platz zwischen Baum und Borke einnehmen und will wieder internationalen Fußball an der Leine sehen – und zwar lieber heute als morgen.

Doch der Trainer legt im Doppelpass mit Sportdirektor Dirk Dufner die Latte niedriger. Ein Überwintern auf Platz acht sei doch eine ideale Ausgangsposition: „Das wollen wir mindestens bestätigen, aber alles andere sind Extras.“ Dafür waren in seinem ersten Jahr – mit Trainingsauftakt vor 7000 Anhängern auf der einen und Fanprotesten nach der Derbypleite in Braunschweig auf der anderen Seite – die Ausschläge zu groß. „48 Punkte im Kalenderjahr sind sehr zufriedenstellend“, urteilt Dufner von der Tribüne aus, „hier wächst was zusammen.“

Da wäre es fatal, wenn aus dem Kader der Kapitän scheidet. Bei Lars Stindl ist es weiterhin völlig offen, ob er am Saisonende von einer Ausstiegsklausel Gebrauch macht, die bei läppischen drei Millionen Euro liegt. Zu den Interessenten sollen Schalke, Mönchengladbach, Leverkusen und Wolfsburg zählen. „Natürlich kriege ich es mit, wenn so etwas geschrieben wird, aber das ist für mich nicht wichtig“, sagte der Antreiber jetzt dem „Kicker“. Den 26-Jährigen plagten anfangs Probleme an der Ferse, so dass er den ersten Tag vorsichtshalber im Hotel verbrachte.

So blieb ihm als Wortführer eine Stellungnahme zu einem Thema erspart, das unweigerlich mit an die türkische Riviera geschwappt ist. Zum Umgang nach dem Unfalltod von Junior Malanda vom VfL Wolfsburg sind die 96-Verantwortlichen vom angereisten Nachrichtensender „Sky Sport News“ direkt bei der Ankunft befragt worden. Mehr als fünf Jahre ist es jetzt her, dass sich Robert Enke das Leben nahm, und der Suizid versetzte Hannover über Monate in eine Art Schockzustand, aber nur Christian Schulz, Jan Schlaudraff oder Manuel Schmiedebach sind von damals noch dabei. Korkut schaute ernst, als er dazu eine Antwort geben sollte. „Herzliches Beileid von meiner Seite. Wir können mitfühlen. Jeder muss da selbst in sich gehen. Wir werden nicht viel darüber sprechen.“

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