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Der frühere Skispringer Sven Hannawald sieht in der Gewichtsreduzierung ein Problem.

Skispringen

Hannawald warnt vor weiterer Gewichtsreduzierung

Sven Hannawald trieb sich beim Skispringen einst selbst an die körperlichen und mentalen Grenzen. Heute analysiert er die Adler als Co-Kommentator im Fernsehen. Dass die Springer seit dieser Saison ohne Schuhe gewogen werden, findet Hannawald gut.

Von Interview: Patrick Reichardt, dpa

Sven Hannawald ist der Skisprung-Szene auch nach seiner aktiven Karriere verbunden geblieben. Bei Eurosport ist er als Co-Kommentator aktiv und hat sich langfristig bis 2022 an den Sportsender gebunden.

Der 44-Jährige ist bis heute der letzte Deutsche, der die Vierschanzentournee gewonnen hat. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Hannawald über Karl Geiger, die Chancen der Deutschen und die Sorgen um Gewichtsprobleme.

Frage: Herr Hannawald, können Sie ein Beispiel für einen Karl Geiger aus Ihrer Zeit nennen? Ein Springer, der lange gebraucht hat, bis er es in die Spitze geschafft hat.

Sven Hannawald: Ich war auch nicht der Frühstarter. Ad hoc fällt mir keiner aus meiner Zeit ein, der auch so Stück für Stück nach vorne gekommen ist. Es ist ein großer Schritt in den A-Kader. Dem einen fällt es leichter, der andere muss sich erstmal heranarbeiten. Bei dem hält es dann aber auch meistens länger an. Die, die ein Stück länger brauchen, haben etwas mehr Erfahrungen, dementsprechend ist es bei ihnen dann meist langanhaltender.

Frage: Sie kennen Karl Geiger auch länger. So wie er in der Öffentlichkeit wirkt, ist ihm das Drumherum eher lästig. Wie sehen Sie das?

Hannawald: Ich glaube, man gewöhnt sich dann lieber dran. Es ist doch schön, wenn man einen Sport ausübt, der auch Leute anzieht. Natürlich sind das am Anfang ungewohnte Dinge, die sind am Anfang vielleicht mal unangenehm. Ich denke, dass er vielleicht auch da reinwächst. Er wird nicht der sein, der die große Show macht, aber ich glaube, er wird das trotzdem genießen können, dass man mehr über ihn spricht.

Frage: Wie sehen Sie die Chancen der Deutschen bei der Tournee?

Hannawald: Aktuell sieht es so aus, dass Karl und Stephan die besten Chancen haben. Es hat sich im Sommer schon gezeigt, dass sich Leyhe und Geiger besser etablieren konnten. Sie haben eine stabilere Basis, von der sie aktuell leben. Wenn ein Karl Geiger eine Ecke im Sprung hat, kann er das deswegen besser ausgleichen. Wenn Freitag oder Wellinger eine Ecke drin haben, sind sie vielleicht auf Platz 25. Sie können die Einzelsprünge noch nicht so abrufen. Die drei hinter Geiger und Leyhe brauchen noch den einen oder anderen Sprung, um sich noch zu stabilisieren. Ich hoffe, dass sie das kleine Quäntchen finden.

Frage: Seit diesem Weltcup-Winter gibt es eine Regeländerung: Jetzt werden die Springer ohne Schuhe gewogen und haben deshalb die Wahl, entweder zuzunehmen oder einen kürzeren Ski zu nehmen. Die Trainer sind darüber froh, weil die Springer nicht weiter abnehmen. Was halten Sie davon?

Hannawald: Die Springer hätten sich zum Zunehmen entschieden, aber es funktioniert auch mit dem kürzeren Ski. Er wirkt besser, als eineinhalb Kilo zuzunehmen. Es ist positiv, dass die Springer nicht weiter abgenommen haben.

Frage: Haben Sie das Gefühl, dass das Hungern oder das Minimalgewicht noch Probleme im Skispringen sind?

Hannawald: Wir müssen schon aufpassen. In einer Sportart, in der es um Gewicht geht, wird man sich immer auf 100 Gramm herantasten, dass man sein Körpergewicht hat. Wir haben schon mal einen Punkt erreicht, wo niemand weiter abnimmt. Wenn die Ski noch kürzer werden, würde es anscheinend nicht mehr mit dem gleichen Gewicht funktionieren. Wenn doch, wird man sich weiter Wege überlegen, dass es zusätzlich einen Puffer gibt. Es hat nichts mit Magersucht zu tun, es geht im Sport um Leistung. Sobald du merkst, dass du noch weniger haben möchtest und damit Leistung verloren geht, dann bringt dir das halbe Kilo weniger nichts. Bei der FIS ist man auf einem guten Weg. In meinen Augen sollte man das ganze Feld dazu bewegen, ein Kilo draufzupacken.

ZUR PERSON: Sven Hannawald ist ein ehemaliger deutscher Skispringer und gewann in bisher 66 Jahren Vierschanzentournee als erster auf allen vier Schanzen in einem Jahr. In dieser Saison kommentiert der inzwischen 44-Jährige für den TV-Sender Eurosport die Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen.

(Interview: Patrick Reichardt, dpa)

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