+
Christian Prokop muss heute noch einen Spieler aus seinem EM-Aufgebot streichen.

Kein Favorit

Handballer wollen das Märchen wiederholen

  • schließen
  • Robin Lipke
    schließen

Das deutsche Team zählt wie beim EM-Sieg in Polen nicht zu den Favoriten der EM 2020.

Zu beneiden ist Christian Prokop wahrlich nicht. Noch nie haben so viele Nationalspieler vor einem großen Turnier verletzungsbedingt abgesagt. Für die am Donnerstag beginnende Handball-Europameisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich muss der Bundestrainer sieben Stammkräfte ersetzen, allesamt Akteure aus dem Rückraum. Dennoch blickt Prokop entschlossen auf das Turnier. Er spricht von „17 coolen Jungs“, die am Dienstag mit Flug PAV 5285 von Wien nach Trondheim abgedüst sind.

Allerdings muss Prokop bis heute Abend den Kader auf 16 Spieler reduzieren. Probleme haben die personellen Veränderungen nicht verursacht. „Wir brauchten keine Vorstellungsrunde“, sagt beispielsweise Uwe Gensheimer, der die Auswahl der Deutschen Handball-Bundes (DHB) als Kapitän aufs Feld führen wird. Nicht nur wegen der vielen Ausfälle hätte der Bundestrainer gern mehr Zeit für die Vorbereitung gehabt. Nur logisch, dass der Rückraum in den ersten Trainingseinheiten die meiste Aufmerksamkeit bekam. Außerdem die Abwehrsysteme. Prokop sagt: „Wir haben keinen Superstar im Rückraum. Wir bauen auf unsere Deckung und wollen mit Tempo zum Erfolg kommen.“

Was mit Teamgeist zu erreichen ist, wissen sechs Spieler aus dem aktuellen Kader. Andreas Wolff, Tobias Reichmann, Hendrik Pekeler, Jannik Kohlbacher, Julius Kühn und Kai Häfner gehörten zu jener Mannschaft, die vor vier Jahren in Polen den EM-Titel feierte. Zu den Erfahrenen gesellen sich junge Profis wie Johannes Golla, Timo Kastening und Marian Michalczik – sie stehen vor ihrem ersten großen Turnier. Gleiches gilt für Patrick Zieker und David Schmidt.

Zum Auftakt am Donnerstag in Trondheim bekommt es das deutsche Team mit der Auswahl der Niederlande* zu tun (18.15 Uhr/ZDF). Die Holländer hätte sich toll entwickelt, warnt Prokop: „Man darf die Niederlande nicht unterschätzen und kleinreden.“ So sieht es auch der Kapitän. Gensheimer glaubt an die Chance, ein gutes Turnier zu spielen. Mit Blick auf die jüngsten, nicht ganz so erfolgreichen Meisterschaften sagt der 33 Jahre alte Linksaußen: „Wir haben sehr oft den Fehler gemacht, zu weit vorausgeblickt zu haben.“

Klingt nach der guten, alten Devise, nur von Spiel zu Spiel schauen zu wollen. Warum auch nicht? Ähnlich wie vor vier Jahren startet die DHB-Auswahl nicht unbedingt als Favorit in diese Europameisterschaft. Das Ziel lautet dennoch Stockholm, es ist der finale Spielort am 26. Januar.

Und vor allem Gensheimer dürfte auf das Erreichen brennen. Beim märchenhaften Coup der Bad Boys vor vier Jahren musste der Routinier zuschauen. Damals in Polen fehlte der Kapitän – ebenfalls wegen einer Verletzung.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare