+
Gemeinsam stark: Die deutschen Handballer überzeugen bei der WM durch ihre Geschlossenheit.

Handball-WM

Mit maximalem Einsatz

  • schließen

Mit einer starken Defensive und den Fans im Rücken wollen die deutschen Handballer gegen Norwegen ins Finale.

Es ist eine weitsichtige Idee gewesen, dass die deutschen Handballer den größten Teil ihrer direkten Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land in Hamburg absolviert haben. In einem schicken Hotel vor den Toren der Stadt logierte die Mannschaft von Trainer Christian Prokop, ehe sie nach Berlin weiterreiste, wo sie in die WM startete, anschließend nach Köln fuhr, ehe es zurückging in die Hansestadt. Der Aufbruchsort vor dem Turnier war für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) auch der vorläufige Zielort, gestern bezogen Spieler und Trainer erneut ihr damaliges Domizil. „Es ist schön, wieder hier zu ein und es ist ein gutes Gefühl, dass wir unsere Unterkunft schon kennen“, sagte Prokop gestern Abend. Heute (20.30 Uhr/ARD) soll das wohlige Gefühl des Nach-Hause-Kommens ein kleiner Vorteil sein, wenn die Deutschen im WM-Halbfinale auf Norwegen treffen. 

Wer wegen der Rückkehr in die bekannten Gefilde glaubt, dass die deutschen Handballer die Gier verloren haben, weil das ursprünglich ausgesprochene Ziel „Halbfinale“ erreicht wurde, liegt falsch. „Wir sind nicht nach Hamburg gekommen, um den drei anderen Teams zuzuwinken“, machte Prokop klar. Das Erreichen des eigenen Vorhabens hat eher noch mehr die Lust entfacht, den nächsten Schritt zu gehen, also das Endspiel am Sonntag in Herning zu erreichen. 

Fabian Böhm, der im linken Rückraum eine der positiven Überraschungen bei der deutschen Mannschaft ist, skizzierte die Motivation bei ihm und seinen Kollegen vor dem Duell gegen die Skandinavier. „Jetzt kommen die Spiele, für die man seine ganze Karriere trainiert. Keiner von uns wird mehr eine Handball-WM in Deutschland spielen, kein Halbfinale in Hamburg vor einer ausverkauften Arena gegen Norwegen. Wir werden uns zerreißen, wir sind bereit, und wir wollen unbedingt ins Finale“, erklärte der Mann von der TSV Hannover-Burgdorf. Nicht nur für den vor dem Turnierstart weitgehend unbekannten Böhm geht ein Traum in Erfüllung, alle Akteure im Kader der Deutschen erlebt gerade einen ganz persönlichen Karrierehöhepunkt. 

Appell an die Zuschauer

Damit der zu einem glücklichen Ende kommt, sollen wie in Berlin und Köln auch in der Hamburger Arena die Zuschauer helfen. „Jeder deutsche Fan muss für drei Leute schreien“, gab DHB-Vizepräsident Bob Hanning dem Publikum vor. In der Hansestadt werden etwa 7000 Zuschauer weniger sein als in Köln, zudem haben auch viele Dänen und Franzosen Tickets für das Halbfinale erworben. Ganz so deutlich wie bisher wird das Stimmungsbild in der Halle also nicht sein, doch mit maximalem Einsatz, da sind sich alle Beteiligten sicher, wird sich das Gefühl der Kölner Arena nach Hamburg transportieren lassen. 

Die Norweger stellen sich in jedem Fall darauf ein, ein klassisches Auswärtsspiel bestreiten zu müssen. Damit haben sie bei dieser Weltmeisterschaft schon eine Erfahrung gemacht, denn in der Vorrunde spielten sie in Herning gegen Dänemark und verloren 26:30. „Das wollen wir besser machen diesmal“, sagte der norwegische Trainer Christian Berge, der mit seinem Team zum dritten Mal in den zurückliegenden vier Großturnieren in einem Halbfinale steht. Vor drei Jahren traf er dabei ebenfalls auf Deutschland und verlor in der Verlängerung knapp 33:34. „Das Spiel hat keine Bedeutung mehr für das Spiel jetzt, wir haben daraus gelernt“, erklärte der norwegische Trainer. Die Skandinavier wähnen sich in ihrer Entwicklung weiter als beim letzten Match auf der großen Bühne. 

Davon geht auch Prokop aus, doch der Bundestrainer versprühte gestern den Glauben daran, die Aufgabe lösen zu können. „So wie wir es schon ein paar Mal bei dieser WM gemacht haben“, sagte der 40-Jährige. Die vorherigen acht Partien in den vergangenen zwei Wochen haben Coach und Spielern die Gewissheit gegeben, mit jedem Gegner konkurrieren zu können. Die starke Abwehr soll wie bislang den Unterschied für die DHB-Auswahl ausmachen. „Die Orientierung auf uns ist ganz wichtig“, sagte Prokop. 

Der Bundestrainer versicherte, dass alle Spieler in seinem 16 Akteure umfassenden Kader voll einsatzfähig sein werden. Steffen Weinhold, der sich in der Vorrunde eine Muskelzerrung zuzog und seither geschont werde, sei genauso zu 100 Prozent bereit für das große Spiel wie Hendrik Pekeler, der beim 31:30-Erfolg gegen Spanien am Mittwoch in der zweiten Halbzeit angeschlagen vom Feld ging.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion