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Johannes Bitter jubelt mit den Fans.

Handball-EM

Fürs gute Gefühl

Deutsche Handballer messen sich zum EM-Abschluss mit Portugal in einer Fußballarena.

Beim Einmarsch in die gigantische Arena machte selbst Johannes Bitter große Augen. „Das ist schon bombastisch“, sagte der Torhüter der deutschen Handballer. Der Team-Oldie hat in seinem Sport schon fast alles erlebt, doch das spezielle Ambiente für das Spiel um Platz fünf lässt auch seinen Puls noch einmal in die Höhe schnellen. „Das sieht toll aus und fühlt sich gut an“, sagte Bitter nach dem Abschlusstraining am außergewöhnlichen Spielort in Stockholm.

Wie alle Spiele der Finalrunde wird auch die Partie des deutschen Teams am Samstag (16 Uhr/ARD One) gegen Portugal in der Stockholmer Arena ausgetragen, einem Fußballstadion mit einer Kapazität von 22 000 Plätzen. „Hoffen wir mal, dass es auch voll wird“, sagte Bitter und lächelte verschmitzt. Wie der Rest des Teams ahnt er, dass die Ränge nur spärlich besetzt sein werden.

Ihren Antrieb ziehen Bitter und Kollegen aber nicht bloß aus dem speziellen Ambiente. Die größte Motivation für den EM-Abschluss? Da muss Uwe Gensheimer nicht lange überlegen. „Mit einem guten Gefühl am Samstag feiern zu können“, sagt der Kapitän mit einem breiten Grinsen. Nach dreieinhalb gemeinsamen Wochen sehnen sich Gensheimer und seine Mitspieler nach ihrem Feierabend – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Seit dem 2. Januar hocken die Spieler von Bundestrainer Christian Prokop aufeinander, schlafen in Doppelzimmern – und stehen am Samstag zum zehnten Mal binnen 22 Tagen zusammen auf dem Feld. In anderen Sportarten kaum denkbar. „Wir hängen ja schon eine Zeit lang aufeinander rum, deswegen sind wir alle froh, wenn es am Sonntag nach Hause geht“, sagte Rückraumspieler Julius Kühn, stellte aber auch klar: „Wir müssen jetzt noch einmal alles raushauen und wollen das Spiel gewinnen, dann können wir auch zufrieden sein.“

Obwohl es sportlich praktisch um nichts mehr geht gegen Portugal, bietet der letzte EM-Auftritt tatsächlich noch einige Anreize. Das Stadion. Der Kampf um die Kaderplätze im Olympiajahr. Und nicht zuletzt der spannende Gegner. Die körperlich robusten Portugiesen sind die Überraschungsmannschaft des Turniers schlechthin und besiegten im Verlauf der Europameisterschaft sogar den Mitfavoriten Frankreich (28:25) und den Co-Gastgeber aus Schweden (35:25).

„Wenn ich ehrlich bin, bin ich seit dem Anfang ein kleiner Fan von der Art und Weise, wie sie spielen“, sagt der deutsche Kapitän Gensheimer und verweist auf „viel Leidenschaft“ und „viel Tempo“ beim Gegner, gegen den es auch in der Qualifikation für Tokio gehen könnte: „Sie haben ein gutes Gefühl für die Situation. Das wird sicherlich keine leichte Aufgabe“, so Gensheimer.

Bundestrainer Prokop denkt ähnlich, das Abschlussspiel hat für ihn eine große Bedeutung, zumindest sagt er das. Beim 41-Jährigen schwirrt längst die schwere Olympia-Qualifikation im April im Hinterkopf herum. „Für uns ist das Spiel ein ganz wichtiger Abschluss, auch mit Blick auf die Quali“, sagte Prokop am Freitag.

Kein Zweifel: Nach einem Turnier mit Licht und Schatten soll es am Samstag mit Platz fünf ein versöhnliches Ende geben. „Wir wollen die letzten Körner rausschießen“, versicherte Prokop, der allerdings erneut auf Patrick Wiencek (Knieprobleme) verzichten wird. Die womöglich geringe Auslastung des Stadions ist ihm dabei herzlich egal: „Wir spielen nicht für die Zuschauer in der Arena. Es geht um unser Gefühl für die nächsten zweieinhalb Monate.“

Und für die anschließende Abschlussparty. (sid)

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