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Alte Kameraden: Miroslav Klose, Horst Eckel und Joachim Löw (von links) sind guter Laune.

Deutscher Sportpresseball

Die guten Männer vom Sportpresseball

Der Deutsche Sportpresseball huldigt den Helden des deutschen Fußballs und verbreitet auch die eilfertige Botschaft: Wir sind wieder wer beim DFB.

Von Jan Christian Müller

Es ist noch gar nicht so lange her, ein Jahr, um genau zu sein, da saßen beim Sportpresseball in der Alten Oper zu Frankfurt traurige Gestalten bedröppelt ganz vorn am Tisch 8 im großen Saal. Es waren die Abgesandten des Deutschen Fußball-Bundes. Der damalige Präsident Wolfgang Niersbach, traditionell Stammgast beim großen Event im Herzen der Stadt, war seinerzeit lieber gar nicht erschienen, ehe er nur zwei Tage nach dem Ball zurücktreten musste und einen in den Grundfesten erschütterten Verband hinterließ.

Ein Jahr später singen sie einem Kollegen pünktlich um Mitternacht fröhlich ein Geburtstagsständchen, nachdem sie ihrem neuen Präsidenten Reinhard Grindel bei dessen erfreulich kompakter Laudatio auf Joachim Löw gelauscht haben. Der Bundestrainer wurde zur Legende des Sports gekürt, er nahm die Auszeichnung mitsamt der optisch ein wenig gewöhnungsbedürftigen Trophäe mit seinem typischen, lässigen Jogi-Löw-Lächeln zur Kenntnis. Und dann ist der Mann, der auf der Leinwand als „Der Vollendete“ gefeiert wird, sichtlich erfreut, den alten Weggefährten Miroslav Klose (mit aufwendig gegelter Frisur) und den Weltmeister von 1954, Horst Eckel, als Überraschungsgäste auf der Showbühne neben sich zu sehen. Eckel ist Programm.

Die Organisatoren des 35. Sportpresseballs haben mit der Huldigung an die guten Männer des deutschen Fußballs das Ihrige dazu beigetragen, eilfertig die Botschaft im Land zu verbreiten: Wir sind wieder wer beim DFB. So böse sind sie die Sportjournalisten wohl doch nicht. Jedenfalls nicht alle.

Ansonsten gehörten die Fußballer keinesfalls zum einzigen Kernprogramm der Ballnacht, welche die Veranstalter vom Verein Frankfurter Sportpresse und Verband Deutscher Sportjournalisten gemeinsam mit der durchführenden Agentur Metropress unter das Motto „Rendezvous mit Olympia“ gestellt hatten. Insoweit wurden die tapferen deutschen Turner mit Andreas Toba, dem Mann, der mit gerissenem Kreuzband noch am Pauschenpferd turnte, Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen und Andreas Bretschneider nicht nur pflichtschuldig, sondern mit Überzeugung zu „Sportlern mit Herz“ erkoren und entsprechend gefeiert.

Es wurde dann eine lange Nacht in der Alten Oper, die beileibe nicht jeder der 2300 Ballgäste aufrecht verließ, was nicht nur damit zu tun hatte, dass erstmals die Getränke im um 40 Euro erhöhten Eintrittspreis inbegriffen waren. Flanieren ohne lästiges Kleingeld sozusagen, wenngleich hier und da aufgrund einzelner Versorgungsengpässe auch ohne Schampusglas in der Hand.

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