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„Hätte nie gedacht, dass ich es so weit schaffe“: Georg Grozer, deutscher Ausnahmespieler.

Volleyball

Grozers große Fußstapfen

Die deutschen Volleyballer stehen nach dem Olympia-Aus vor einem großen Umbruch.

Nach dem Ende aller Olympiahoffnungen trennten sich die Wege der deutschen Volleyballer in einem Gefühl großer Enttäuschung. Schon am Samstag reisten die Spieler aus Berlin zurück zu ihren Klubs in ganz Europa. Für einige, wie Ausnahmekönner Georg Grozer, war es ein Abschied für immer aus der Nationalmannschaft.

Beim 0:3 gegen Frankreich im Finale des Olympiaqualifikationsturniers für Tokio 2020 hatte die Auswahl des Deutschen Volleyballverbandes (DVV) mehr als nur ein Spiel verloren. Der Mannschaft steht ein großer Umbruch bevor.

Etwa wegen Grozer. Der Starspieler flog nach St. Petersburg, bei Zenit wird er seine Laufbahn auf Klubebene wohl fortsetzen, die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung werden zeitnah vertieft. Angebote von anderen Vereinen liegen dem „Hammerschorsch“, der gegen Frankreich mit 20 Punkten abermals deutscher Topscorer war, ebenfalls vor. Ein Engagement in der Bundesliga schließt er aber ebenso aus wie eine Rückkehr in die Nationalmannschaft.

„Es ist an der Zeit, den Staffelstab in der Nationalmannschaft weiterzureichen“, hatte Grozer schon vor Turnierbeginn gesagt. Seine Mitspieler machten sich keine Hoffnungen, dass sich der 35-Jährige nochmals auf einen Rücktritt vom Rücktritt einlässt.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich es so weit schaffe“, bilanzierte der deutsche Topstar nach dem Verpassen der Tokio-Spiele in der „Bild am Sonntag“. Allerdings wäre in seiner Karriere noch mehr drin gewesen, räumte Grozer ein. So sei sein bitterster Moment gewesen, als er 2017 im EM-Finale gegen Russland im fünften Satz „zwei Bälle verschlug, als wir führten. Das war diese eine Chance im Leben, Gold zu holen.“

Es gibt „junge Wilde“

Eine Zeitrechnung ohne Galionsfigur Grozer ist auch für den Verband ein Problem. Der Angreifer stand für Spektakel, Emotion und dringend benötigte Aufmerksamkeit – seine Gattung ist rar. Aber: „Man hat gesehen, dass immer wieder Leute kommen, die man gerade nicht auf dem Schirm hat“, sagte Kapitän Lukas Kampa zuversichtlich. „Wir haben schon viele junge Wilde dabei, die inzwischen Erfahrung gesammelt haben und die jetzt in die Fußstapfen treten müssen“, sagte Außenangreifer Christian Fromm.

Simon Hirsch (27) war schon in der Vergangenheit Grozers Ersatzmann und dürfte künftig deutlich mehr Spielanteile erhalten. Außerdem ruhen auf Ruben Schott (25) oder auch dem für Berlin nicht nominierten Linus Weber (20) in der Offensive Hoffnungen. Im Mittelblock hat Giani mit Tobias Krick (21) und Anton Brehme (20) längst die Zukunft eingeläutet. Julian Zenger (22) war schon vor der Reaktivierung des erfahrenen Markus Steuerwald (30) der Libero Nummer eins.

Auch Kampa, 33 Jahre alt, gehört zu jenen Schlüsselspielern, deren Zukunft im Verband ungewiss ist. Mittelblocker Marcus Böhme (34) zählt ebenfalls dazu, weitere Abgänge sind nicht auszuschließen. „Ich habe zwei kleine Kinder, meine Frau ist die meiste Zeit allein“, sagte Kampa: „Das Pensum, das ich seit 2008 in der Nationalmannschaft mache, werde ich so nicht mehr schaffen.“

Ungewissheit herrscht auch auf der Trainerbank. Der Vertrag von Bundestrainer Andrea Giani läuft bis Ende 2020. Ob sich der Italiener mit Blick auf Olympia 2024 in Paris weitere vier Jahre an den DVV bindet, ist unklar. „Ich hoffe es sehr für den deutschen Volleyball. Er ist ein außergewöhnlicher Trainer, ein Riesentyp“, sagte Kampa.

Giani kündigte wie DVV-Präsident Rene Hecht Gespräche an, der Italiener ließ sich nach dem geplatzten Olympiatraum aber kein klares Bekenntnis entlocken. Man müsse den jungen Spielern jetzt die Chance geben, die neue Generation voranbringen. (sid/dpa)

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