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Frohen Mutes für Frankfurt: der Läufer Julius Brink.

Julius Brink

Mit großer Demut

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Der ehemalige Beachvolleyballer Julius Brink läuft in Frankfurt seinen ersten Marathon.

Der eine stellt, der andere schmettert. Der eine blockt, der andere sichert. Julius Brink und Jonas Reckermann haben nicht viel verlernt. Auch wenn der größte Erfolg des bekanntesten Duos im deutschen Beachvolleyball nächsten Sommer acht Jahre und dann zwei Olympiaden zurückliegt, scheint manchmal die Zeit stehen geblieben. Wie gerade auf der griechischen Insel Kos im Club-Urlaub, wo die beiden dieser Tage für ein Beachvolleyball-Camp zusammengekommen sind. Ansonsten, das gibt der mittlerweile 37 Jahre alte Brink unumwunden zu, „spiele ich eher wenig Volleyball“. Und mit seinem kongenialen Partner Reckermann, mit dem er 2012 in London Gold gewann, ansonsten gar nicht mehr.

Der gebürtige Münsteraner ist dessen ungeachtet sportlich geblieben, aber nicht Pritschen und Baggern, sondern das Laufen hält seinen Körper in Form. „Eigentlich stehen sich die Sportarten ein Stück weit im Wege. Das eine ist eine reine Explosivsportart. Wenn wir fürs Volleyball-Training gelaufen sind, dann nur zur Regeneration. Und maximal 20 Minuten.“ Insofern ist es allemal ein Wagnis, dass sich Brink am Sonntag beim Marathon Frankfurt an den Start traut. Zwei Freunde aus alten Volleyball-Tagen, Matthias Karger und Maarten Lammens, hatten die Idee für die Premiere über 42,195 Kilometer. Brink willigte ein, „ich möchte einfach erfahren, wie es sich anfühlt, 30, 40 Kilometer zu laufen.“

An Frodeno orientieren

Er hat sich zwar monatelang fleißig vorbereitet, aber länger als über die Halbmarathondistanz nicht trainiert. Seine Wettkampferfahrung im Laufsport beschränkt sich auf einen Charity-Lauf in München. Aber unterscheidet sich ein Beachvolleyball-Olympiasieger wirklich von anderen Erststartern am Sonntag (10 Uhr)? Brink arbeitet hauptberuflich weiter für seine Lieblingssportart, kümmert sich in einer Produktionsfirma ebenso noch um das von ihm 2012 aufpolierte Produkt Beachvolleyball wie als ARD-Experte. Dass er 2014 wegen einer Hüftverletzung die aktive Karriere im Sand beenden musste, schmerzt nicht mehr. Dass er in Frankfurt startet, „habe halt gut gepasst, den Zeitpunkt im Herbst finde ich ideal.“

Der zweifache Familienvater, der am Samstagabend aus seinem Kölner Wohnsitz in die Rhein-Main-Region reist und zunächst bei einem Freund in Wiesbaden übernachtet, wäre eigentlich auch hoffnungsvoll, ohne Einbruch die Festhalle zu erreichen, wenn ihn nicht zuletzt eine hartnäckige Erkältung geplagt hätte. Er laufe jetzt halt „mit großer Demut“. Motto: „Ich will einfach ankommen.“ Eine Zielzeit will der Umsteiger partout nicht ausgeben. „Schneller als Jan Frodeno auf Hawaii“, scherzt Brink. An der Gesamtzeit des Ironman-Weltmeisters von 7:51:13 Stunden sollte er sich aber besser nicht orientieren. Dann würde ihn unweigerlich der Besenwagen einsammeln.

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