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Der beste Mann: Torhüter Andreas Wolff. 

Handball-EM

Der große Frust

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Die abschließenden Spiele gegen Österreich und Tschechien sind vor allem für Bundestrainer Prokop von besonderer Bedeutung.

Christian Prokop redete nicht lange um den heißen Brei herum. Der Bundestrainer verriet am Sonntag schnell, worauf es für den Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft und seine Spieler in den kommenden Tagen ankommt. „Ich habe der Mannschaft die Frage gestellt: Was machen wir jetzt mit dieser EM?“, sagte Prokop: „Ich habe eine klare Antwort erhalten.“ Nach der bitteren 24:25-Niederlage gegen Kroatien am Samstagabend haben die Deutschen bei der Europameisterschaft schon nach zwei von vier Hauptrundenspielen praktisch keine Chance mehr, das Halbfinale zu erreichen (siehe Infobox). Dennoch steht in den Duellen am Montag gegen Österreich und am Mittwoch (jeweils 20.30 Uhr, ARD und ZDF) gegen Tschechien viel auf dem Prüfstand. Für die einzelnen Spieler, aber auch für den Bundestrainer.

„Montagabend wird sich zeigen: Was macht diese Mannschaft mit ihrem Trainer?“, sagte Bob Hanning. Der Vizepräsident des Deutsche Handballbundes (DHB) weiß, dass in der Öffentlichkeit spätestens mit einer weiteren Niederlage bei der EM eine Debatte um den Bundestrainer starten würde. Der starke Mann innerhalb des Verbandes nahm deshalb ganz bewusst öffentlich die Spieler in die Pflicht. Die hatten sich nämlich nach dem verkorksten Einstand von Prokop bei der EM 2018 nach vielen Gesprächen für eine weitere Zusammenarbeit ausgesprochen, sich verbal in den zurückliegenden knapp zwei Jahren vor ihren Coach gestellt – und bekommen jetzt die Gelegenheit, ihren Worten unter besonderen Umständen Taten folgen zu lassen.

Die Aussicht, mit zwei weiteren Siegen, die den dritten Platz in der Hauptrunde sichern würden, noch einmal eine Reise nach Stockholm auf sich nehmen zu müssen, wo das sportlich bedeutungslose Spiel um den fünften Platz warten würde, löst bei den deutschen Spielern sicher keine Jubelsprünge aus. Die Aufgabe ist also delikat, denn obwohl die Luft sportlich raus ist, steht viel auf dem Spiel.

Kapitän Uwe Gensheimer machte gestern deutlich, dass sich seine Kollegen und er dafür entschieden haben, die mentale Herausforderung anzunehmen. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir uns in der Hauptrunde anders präsentieren wollen als in der Vorrunde in Trondheim. Das ist uns zwei Spiele lang gelungen und damit wollen wir fortfahren“, sagte der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen sehr deutlich. Das klang zunächst nicht wie eine Liebeserklärung in Richtung des Bundestrainers, das war eher eine technokratische Erklärung. Aber das muss keine negativen Konsequenzen haben. Wenn die Mannschaft die nächsten zwei Partien gewinnt und dabei ein ähnliches Leistungsniveau erreicht wie beim 24:25 gegen Kroatien, wird es vermutlich keine Diskussion um Prokop geben. Fällt das Team in ein Leistungsloch, wird eine Debatte unvermeidlich sein. Letztlich befindet sich der Bundestrainer also in der Hand der Spieler.

Zweimal fünf Tore Vorsprung

„Ich habe mit der Mannschaft gesprochen und wir haben uns gesagt, dass wir noch zwei Mal Vollgas geben wollen“, erklärte Prokop gestern. Der Bundestrainer leitete die Verantwortung für den Auftritt am Montag gegen Österreich ein Stück weit an seine Spieler weiter: „Hier auf der Pressekonferenz ist so etwas leicht gesagt, entscheidend werden unsere Handlungen auf dem Platz sein.“

Gegen Kroatien war Deutschland Samstagabend besser gewesen, führte zwei Mal mit fünf Toren und wirkte beim 17:12 (37.) wie der Triumphator. Bis zum 21:18 durch den starken Philipp Weber (43.) waren die Deutschen stabil, ehe sich nach und nach ein Kräfteverschleiß bemerkbar machte. Die Kroaten glichen in der 57. Minute zum 24:24 aus und erzielten 88 Sekunden vor dem Ende den Siegtreffer. „Wir hatten alle das Feuer in den Augen, wir waren über 60 Minuten das bessere Team“, sagte Jannik Kohlbacher. Der Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen hatte in einer turbulenten Schlussphase die letzte Chance vergeben, zumindest ein Remis zu retten. Kohlbacher scheiterte zehn Sekunden vor dem Ende am kroatischen Keeper. Der emotionale Aufprall nach der Schlusssirene saugte den deutschen Spielern die letzten Energiereserven aus den Körpern.

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