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Bundestrainer Henk Groener.

EM-Auftakt

Groener will deutsche Handball-Frauen pushen

Henk Groener soll die deutschen Handballerinnen wieder in die Weltspitze führen. Am besten schon bei der Europameisterschaft in Frankreich. Aber wer ist dieser Niederländer, der auch im Namen von Johan Cruyff unterrichtet?

Die Inspiration für seinen Trainer-Job hat sich Henk Groener von Johan Cruyff geholt.

Nach dem Vorbild des einstigen Fußball-Weltstars hat der 58 Jahre alte Niederländer die Handball-Frauen seines Heimatlandes vor einigen Jahren in die Weltspitze geführt - nun soll er dieses Kunststück auch mit der DHB-Auswahl vollbringen. Zweifel am Gelingen dieser Mission hat Groener nicht. „Es ist nicht die Frage, ob wir in der Weltspitze ankommen, sondern nur wann und wie“, sagte der Bundestrainer vor dem EM-Auftakt gegen Titelverteidiger Norwegen am Samstag (15.00 Uhr) in Brest.

Für Groener ist es das Turnierdebüt mit den deutschen Frauen, die immer noch auf den ersten kontinentalen Titel und seit Silber bei der EM-Premiere 1994 auch auf eine Medaille warten. „Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft könnte mehr aus ihrem Potenzial machen“, stellte Groener schon zu seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn fest. Den Beweis will er bei der Endrunde in Frankreich antreten.

Um gegen die hochkarätige Konkurrenz bestehen zu können, hat Groener seinen Spielerinnen vor allem eines eingeimpft: Selbstvertrauen und Lockerheit. Er gibt ihnen mehr Freiräume, spricht viel, ist ein kommunikativer Typ. Ganz so, wie er es einst bei Cryuff beobachtet hat. „Die Spieler und Spielerinnen sind immer das Wichtigste in einer Mannschaft. Das hat Cruyff so gesagt und verkörpert“, erzählte Groener unlängst.

Seit einigen Jahren ist Groener Chef der Trainerausbildung am renommierten Johan-Cruyff-Institut in Amsterdam, zu dessen Gründervätern er auch gehört. Dass er sein umfangreiches theoretisches Wissen in der Praxis umsetzen kann, bewies Groener in seiner Heimat.

2009 übernahm er die „Oranjes“, die damals höchstens Mittelmaß verkörperten. Mit einem intensiven Nachwuchsprogramm und der mittlerweile weltberühmten Handballakademie im kleinen Städtchen Papendal führte er die Niederlande 2015 zu WM-Silber und ein Jahr später ins Olympia-Halbfinale von Rio - und locker vorbei an den Frauen des Deutschen Handballbundes, die seit WM-Bronze 2007 den Anschluss an die Weltspitze verloren haben. Viele Trainer versuchten seither vergeblich, diesen wieder herzustellen.

Nervös machen lässt sich Groener davon nicht. „Druck macht man sich nur selber, ich kann damit umgehen. Ich will Europameister werden, aber das wollen 15 andere Trainer auch“, sagte er vor dem Auftakt. Seine Art kommt bei der Mannschaft gut an. „Henk redet viel mit uns, er bindet uns ein, er will unsere Meinung hören“, berichtete Kapitänin Julia Behnke.

Die Kreisläuferin gehört zu den wenigen Routiniers im Team, das nach der verpatzten Heim-WM mit dem frühen Aus im Achtelfinale einen Umbruch erlebt hat. Dennoch herrscht Optimismus, auch wenn in der Vorrunde neben Goldanwärter Norwegen mit dem EM-Fünften Rumänien und dem WM-Viertelfinalisten Tschechien weitere Brocken warten.

Fernziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, wo die deutschen Frauen erstmals seit 2008 wieder dabei sein wollen. Groener geht die Aufgabe daher offensiv an: „Das ist mein erstes Turnier in der neuen Funktion. Und da ist es wie im Handball: Der erste Angriff ist der wichtigste. In Frankreich beginnt die Jagd nach dem Olympia-Ticket.“

(Von Björn Pazen und Eric Dobias, dpa)

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