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Gott und den Ball im Herzen

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Von: Jörg Hanau

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Der für die Bayern unverzichtbare Zé Roberto ist in Gedanken schon mal weit weg - Berufswunsch: Pfarrer.

Es ist eiskalt. Die Münchner Arena mutiert zum Gefrierschrank, Frostbeulen garantiert. Die roten Wollhandschuhe mit dem FC-Bayern-Logo, die Franck Ribéry, Luca Toni oder Bastian Schweinsteiger dieser Tage nur allzu gerne überstreifen, lässt Zé Roberto unberührt in der Kabine liegen. Ein Zé Roberto braucht das nicht, er verlangte vor dem Champions-League-Spiel unter der Woche gegen Steaua Bukarest (3:0) sogar nach einem kurzärmeligen Trikot. Brrrrrr. Ungewöhnlich für einen brasilianischen Fußballprofi, der in Mitteleuropa sein Geld verdient. Noch ungewöhnlicher, dass José Roberto da Silva Junior, den alle nur kurz Zé rufen, selbst im Winter regelmäßig überragende Leistungen abzuliefern im Stande ist.

Der Ex-Stürmer ist jetzt Stratege

Seine Glanzvorstellung am vergangenen Dienstag gegen bedauernswert unterlegene Rumänen steht stellvertretend für seine Leistungen in dieser Saison. Der 34 Jahre alte Nationalspieler zählt nicht von ungefähr zu den erklärten Lieblingsspielern von Trainer Jürgen Klinsmann. Der gelernte Stürmer ist längst zum Strategen aufgestiegen, aber er kann auch Außenverteidiger spielen, wenn Not am Mann ist, wie vor wenigen Wochen, als Philipp Lahm lahmte. Am liebsten aber sieht ihn Klinsmann in der Rolle des defensiven Mittelfeldspielers, die keiner so genial interpretiert wie er. Ausgestattet mit einem fabelhaften Ballgefühl und einem intelligenten Zweikampfverhalten, ist es an ihm, das Spiel des FC Bayern zu eröffnen. Mit einer Eleganz, wie sie sonst nur der französische Zauberfuß von Franck Ribéry an den Tag legt. Blitzschnell schaltet er dann um: aus dem Balleroberer wird der Ballverteiler. Beispielhaft die Entstehung des 3:0 gegen Bukarest. Ein Muster hoher Spielkultur: Erst stoppte Zé Roberto einen Angriff der Gäste ebenso fair wie energisch. Dann sein blitzgescheiter Pass auf den davoneilenden Ribery, der zu guter Letzt Miro Klose bediente. Ein Geniestreich der beiden Kreativen, die mit Lahm ein kongeniales Trio bilden. Das magische Dreieck des FC Bayern.

Wenn wundert es, dass den Bayern-Bossen viel daran gelegen ist, Zé Roberto über die Saison hinaus zu halten. Sein Vertrag läuft aus. Manager Uli Hoeneß würde den Brasilianer am liebsten sofort unterschreiben lassen. Aber Zé Roberto ziert sich, ist wankelmütig. Mal sprich er darüber, dass das Kapitel FC Bayern am Saisonende für ihn abgeschlossen sei, er vielleicht nach Dallas in die USA wechseln möchte, dann überrascht der sehr gläubige Ex-Nationalspieler mit einem ganz anderen, nicht weniger leidenschaftlichen Berufswunsch: "Ich möchte Pastor werden." Aber vielleicht ist ja göttliche Bestimmung, dass Zé Roberto in München verlängern muss. "Wenn die gesamte Mannschaft mich darum bittet. Und auch Gott mir sagt, dass es die richtige Entscheidung ist, dann habe ich keine andere Wahl. Wenn es Gottes Wille ist, werde ich bleiben."

Was denn nun?

Uli Hoeneß wäre also gut beraten, wenigstens ein paar Kerzen in der Marienkirche anzuzünden. Noch Erfolg versprechender wäre es vermutlich, Zé Robertos Frau Luciana von den Vorzügen der bayrischen Kapitale zu überzeugen. Denn "zu Hause", verrät Zé Roberto, "bin ich nicht so oft der Chef." Seine Frau und die drei in Deutschland geborenen Kinder Endrik, Miriá und Isabelli "sind jetzt vor der Karriere die Nummer eins in meinem Leben", sagt der Südamerikaner, der mit einer kurzen Unterbrechung nun schon seit 1998 in der Bundesliga - zunächst für Bayer Leverkusen , dann für den FC Bayern - kickt. Im Februar oder März werde der Familienrat eine Entscheidung treffen, sagt Zé Roberto. Hoffentlich scheint dann wenigstens die Sonne. "Im Sommer ist für meine Familie Deutschland das beste Land der Welt", sagt Zé Roberto. "Jetzt fragen die Kinder manchmal schon: Papa, es ist kalt, wann fliegen wir?"

Zwei Wochen müssen sich die Kids noch gedulden. Die Weihnachtsferien in der Heimat sind schon gebucht. Bis dahin "müssen wir aber noch die letzten Spiele bis zur Winterpause gewinnen", sagt Zé Roberto: "Wir müssen Tabellenführer sein." Morgen gegen seinen ehemaligen Klub Bayer Leverkusen soll der nächste Dreier her. Ein Spiel auf tabellarischer Augenhöhe. Am Freitag in einer Woche steigt dann schon der nächste Knaller. Dann gastiert der aufmüpfige Dorfverein aus dem Badischen in München. "Hoffenheim holen wir uns auch noch."

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