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Brooks Koepka brachten seinen Vorsprung gerade so ins Ziel.

Golf

Triumph des Anti-Tigers

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Brooks Koepka, der große Langweiler im Golf, verteidigt seinen Titel bei der PGA Championship.

Er spiele „Golf wie in Chloroform“ schrieb mal jemand, das deutsche Magazin „Golfpunk“ sprach ihm eine „dicke Rüstung aus Lakonie“ zu, und jüngst kürte ihn eine US-Website zum drittlangweiligsten Sportler aller Zeiten. Brooks Koepka, 29, Golfprofi aus West Palm Beach in Florida, ist ein Phänomen: Er ist immer freundlich unterwegs, nach allen gängigen Mustern gut aussehend hat er Potenzial zum Ideal-Schwiegersohn oder für eine smarte Hollywoodkarriere. Und doch: Er weckt keine Emotionen.

Der Mann mit dem Körperbau eines Footballspieler samt Schulterpanzer spielt sein ungemein dynamisches Golf, gewinnt, jubelt kurz und gibt freundliche Antworten. Nicht mal Ansätze von Skandalen oder diskursiven Ansichten. Keiner, der einen zum Lachen oder Staunen bringt. Einer ohne Dramen, der immer unterm Radar unterwegs ist.

So auch am Sonntagabend im Bethpage Golfklub bei New York. Den letzten Put ohne Besonderheit versenkt, strahlendes Gesicht, ein paar Freudengesten, Kussaustausch mit der Freundin und gut ist. Stoisch wie sein Spiel. Brooks Koepka ist der Gegenentwurf zum manisch gefeierten US-Publikumsliebling Tiger Woods, von dem immer besondere Rettungssschläge (gern aus tiefen Wäldern durch schmale Schneisen) in Erinnerung bleiben. Koepka spielt erst gar nicht in die Wälder.

Es drohte die Blamage

 Dabei war der Sieg, zudem die erste erfolgreiche Titelverteidigung bei den PGA Championships seit 2007, am Ende durchaus ein spektakuläres Unterfangen. Weil Koepka vom ersten Tag an, als ihm eine rasante 63 gelang, lange das Feld mit großem Abstand angeführt hatte. Gemein von ihm, man will doch Thrill, strauchelnde Helden, Hochspannung. Ein bisschen gab es die noch, als der Riesenvorsprung durch eine Phase ungenauen Spiels vier Löcher vor Schluss auf nur einen Schlag zusammenschmolz. Da ging es nicht mehr ums gewinnen, sondern darum, die große Blamage abzuwenden. Sieben Schläge auf der letzten Runde zu verspielen, war noch keinem bei einem Major passiert.

Man sah Koepka die Verunsicherung an, aber dann machte auch der aufholende Landsmann Dustin Johnson, gefeiert von den Fans, im böigen Wind ein paar Fehler. Beide stolperten ins Ziel. Koepka, der Mann mit dem stets aufrechten und kraftvollen Gang, gewann mit zwei Schlägen Vorsprung. Es war sein jetzt schon vierter Major-Titel, bei leichteren 1b-Turnieren spielt er kurioserweise nur selten eine Rolle. Besondere Worte danach waren zunächst nicht überliefert: „unglaublich … cool … wahnsinnig ...“

Koepka wurde immer übersehen: Ein Superstart zu Amateurzeiten – er ging, völlig ungewöhnlich für einen US-Profi, nach Europa und lernte hier das Siegen. Der Golf Channel wählte ihn 2018 trotz vorherigem Major-Sieg nicht in die Liste der zehn wichtigsten zu beobachteten Spieler – Koepka korrigierte die Fehleinschätzung durch den Turniersieg bei den US Open. Er hat ganze 164 000 Follower auf Twitter, andere US-Golfer wie der Nie-Gewinner Rickie Fowler kommen auf die zehnfache Zahl, Woods hat 6,5 Millionen (aber schied in Bethpage vorzeitig aus). Koepka, der Unbeachtete. Der immer gewinnt.

Später gab Koepka interessante Einblicke in das Innenleben eines Profis bei Stresssituationen, wie er negative Stimmung drumherum in inneren Treibstoff verwandelt. „Manchmal sind deine Neider und Hasser die größten Motivatoren“, hatte er einmal erklärt. Jetzt seien es, sagte er mit üblich monotoner Stimme, die vermeintlich bitteren Anfeuerungsrufe für seinen Konkurrenten, „sie haben mir geholfen, mich wieder zu refokussieren“. Mentaldoping durch indirekte Feindseligkeit. „Ich glaube, jeder große Athlet hat eine Art Chip in sich, mit dem er sich steuern kann. Der arbeitet für mich. Ich kann Dinge innerlich steuern, in meinem Kopf, da brauche ich nichts von außen.“ Zum Lohn für seine Fokussierung auf die ganz großen Events führt Brooks Koepka jetzt auch die Weltrangliste an.

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