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André Lange (r) und Kevin Kuske kosten ihren Sieg im Zweier-Bob aus.

Gold für Lange im Zweier-Bob - Florschütz Zweiter

Whistler. Nach dem goldenen "Matchbox-Rennen" gönnte sich André Lange im Kufenstüberl mehrere "Hopfenkaltschalen" und richtete den Blick auf die historischen

Whistler. Nach dem goldenen "Matchbox-Rennen" gönnte sich André Lange im Kufenstüberl mehrere "Hopfenkaltschalen" und richtete den Blick auf die historischen Olympia-Läufe in der Königsklasse.

"Egal ob Gold oder eine Medaille zum Abschied im Viererbob - er macht sich unsterblich", sagte Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). Sein Vize Rainer M. Jacobus meinte sogar: "Er ist der Schumacher des Bobsports. Nur vergleichbar mit dem legendären Italiener Eugenio Monti."

Der Oberhofer selbst war nach seinem vierten Olympia-Gold und dem Aufstieg zum erfolgreichsten Bob-Piloten der Welt cool wie immer und glänzend aufgelegt: "Also ich sage mal ganz ehrlich: Ich muss immer noch die Hose runterziehen, wenn ich auf Toilette gehe, ich bin auch nur nackig auf die Welt gekommen. Es ist für den Moment einfach nur schön, und das kosten wir 24 Stunden aus", betonte Lange. Das erste Training am Montag für sein allerletztes Rennen am Wochenende im Viererbob ließ er aus.

Nervenstark wie immer ließ sich der Routinier vor den Augen von Fürst Albert II. von Monaco in den entscheidenden letzten beiden Läufen auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Whistler nicht mehr aus der Goldspur drängen. Hinter Lange und dessen Top-Anschieber Kevin Kuske jubelten der Riesaer Thomas Florschütz und sein Bremser Richard Adjei über Silber. Dritter wurde der Russe Alexander Subkow. Der Königsseer Karl Angerer verpasste dagegen als Neunter die Medaillenränge klar.

Lange bescherte der deutschen Mannschaft die sechste Goldmedaille bei den Winterspielen in Vancouver. "Jetzt ist Fasching im Kopf", sagte der Thüringer, "jetzt werden wir das Ganze erst einmal genießen und eine Hopfenkaltschale zu uns nehmen." Ein Bierchen hatte sich auch Teamkollege Florschütz redlich verdient. "Wir haben unser Bestes gegeben. Wir sind zufrieden. Es war ein richtig schöner Wettkampf", sagte der Riesaer, der erstmal das Bäuchlein seiner hochschwangeren Freundin Diane streichelte. "Als Mann kann man das sowieso nicht begreifen, wie das so alles funktioniert. Ich verfolge alles und gehe zu jedem Termin mit. Der Moment, wenn es soweit ist, wird noch größer als das Silber-Erlebnis. Das wird die schönste Zeit, die man sich als Paar vorstellen kann", sagte Florschütz, der Ende April Vaterfreuden entgegensieht.

Der Doppelsieg im kleinen Schlitten setzte die Erfolgsbilanz der Kufen-Cracks eindrucksvoll fort. "Sensationell!", jubelte BSD- Sportdirektor Thomas Schwab: "Das hab' ich mir vorher nicht träumen lassen, dass wir im Zweier so abräumen." Die Dominanz zum Auftakt der Bobrennen führte Lange vor allem auf das Klasse-Material zurück. "Die Jungs von der FES haben uns hier Bobs und Kufen bereitgestellt, die sich bei hoher Geschwindigkeit einfach klasse lenken lassen", betonte Lange. Das Duo Lange/Florschütz raste mit nagelneuen Kufen vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin so schnell wie kein anderes Gefährt durch die umstrittene Eisrinne und durchbrachen die Schallmauer von 150 Stundenkilometern. Lange kam sogar auf Tempo 151 - im Vierer soll es gar noch schneller zur Sache gehen. Vor dem Start gab es etwas Aufregung, weil die Materialkommission des Weltverbandes FIBT die neuen Kufen bei der Abnahme zunächst falsch vermessen hatte.

Auf Drängen von Schwab, der dank seiner Rodler, Skeletonis und Zweierbob-Piloten nun schon neun Medaillen im Eiskanal verbuchen konnte, wurde das Eis in der berüchtigten "Fifty-Fifty"-Kurve abermals nachgebessert. Am zweiten Wettkampftag gab es daher keine Stürze mehr. Einige Piloten hatten nach insgesamt 14 Trainingsstürzen und dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili die Ereignisse zum Start am Samstag immer noch im Hinterkopf, als sie ihre 390 Kilogramm schweren Zweierbobs bei mehr als 20 Prozent Gefälle in die schnellste Eisrinne der Welt schoben. Mitfavorit Lyndon Rush (Kanada) musste seine Medaillen-Hoffnungen nach einem Sturz im zweiten Durchgang begraben, der Schweizer Beat Hefti fiel schon nach dem Training mit Gehirnerschütterung aus. (dpa)

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