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Stefan Luitz will um Gesamtsieg im Riesenslalom mitfahren.

Ski Alpin

Glücksgefühle ohne Felix?

Die deutschen Skirennfahrer müssen künftig ohne den „Ankerpunkt“ Felix Neureuther auskommen. Die Lücke füllen sollen Stefan Luitz und Viktoria Rebensburg.

Wolfgang Maier beschleicht in diesen Tagen Wehmut. Der Skiwinter beginnt, und Felix Neureuther fährt nicht mehr mit. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahrzehnten steht der Chef der deutschen Alpinen ohne seinen „Augenstern“ da. „Felix war nicht nur als Sportler, sondern vor allem als Mensch besonders wichtig“, sagt Maier vor dem Weltcupauftakt am Wochenende in Sölden, „darüber hinaus war er aufgrund seiner starken Persönlichkeit für das gesamte Umfeld ein Ankerpunkt.“

Sportliche Orientierung soll künftig Stefan Luitz geben. Der hat ein Jahr hinter sich, das mit turbulent noch harmlos beschrieben ist. Am 2. Dezember 2018 hatte der Allgäuer gleich nach einem Kreuzbandriss sein erstes Weltcup-Rennen gewonnen, der Internationale Skiverband (FIS) aber disqualifizierte ihn, weil er zwischen den Läufen Sauerstoff aus einer Flasche eingeatmet hatte. „Da wurde“, erinnert sich Luitz, „mein Name mit Doping in Verbindung gebracht – für mich persönlich das Schlimmste, was passieren konnte.“

Harter Kampf um den ersten Sieg

Luitz klagte gegen die Disqualifikation, erlitt aber zunächst weitere Rückschläge: Gerade, als er sich wieder etwas gefangen hatte, verletzte er sich im Januar an der Schulter. Er fuhr gehandicapt zur WM nach Are im Februar, erlitt dort bei einem Sturz im Riesenslalom einen Innenbandriss. „Es war mit die härteste Saison überhaupt“, sagt Luitz, ergänzt jedoch lächelnd: „Ich glaube, mich kann so schnell nichts mehr aus der Fassung bringen, ich habe jetzt hoffentlich alles miterlebt.“

Die vergangene Saison endete immerhin mit einem Erfolg: Luitz hatte um seinen ersten Sieg hartnäckig gekämpft, tatsächlich hob der Internationale Sportgerichtshof CAS Mitte März die Disqualifikation auf. Doch die Glücksgefühle, die der erste Triumph bei ihm zunächst ausgelöst hatte, waren nicht mehr vollkommen. „Ich bin natürlich froh, dass es jetzt so ausgegangen ist“, sagt Luitz über das ganze Hickhack, „aber die Freude über den Weltcupsieg, die hat es dann schon ein bisschen genommen.“

Und so will Luitz nun die pure Freude noch einmal erleben. Tatsächlich ist es ja so, dass nach dem Rücktritt von Dominator Marcel Hirscher (Österreich) das Feld im Riesenslalom weit offen ist – und Luitz ist allemal einer, der stets vorne mitfahren kann. „Ich erwarte mir viel von ihm“, betont sein einstiger Zimmerkollege Neureuther, „der Stefan hat sich wahnsinnig gemacht. Er ist ein Skifahrer, der mit dem Herzen fährt, in ihm steckt Leidenschaft.“ Und: „Ihm ist alles zuzutrauen.“

Das gilt zweifelsohne auch für Viktoria Rebensburg. Mit Luitz und der WM-Zweiten von Are habe der Deutsche Skiverband (DSV) „zwei der besten Riesenslalomfahrer der Welt“ in seinen Reihen, sagt Maier, daher erwartet er zumindest von Rebensburg, dass sie auch in dieser Saison um den Gesamtsieg in ihrer Spezialdisziplin mitfährt. Das wird nicht einfach werden gegen Dauersiegerin Mikaela Shiffrin, Rebensburg aber sagt kess: „Es geht wieder bei null los, und Mikaela Shiffrin kocht auch nur mit Wasser.“

Einen Felix Neureuther und dessen Bedeutung nach innen und außen werden freilich auch eine famose Rebensburg und ein großartiger Luitz nicht ersetzen können. Deshalb sagt Maier, es sei „schön, dass Felix dem Skirennsport treu bleibt“. Neureuther hat bei der ARD angeheuert, seinen Einstand als Experte gibt er am Wochenende in Sölden. Und im April wird der Rennfahrer a.D. nach wie vor sein Race Camp für die besten deutschen Nachwuchsfahrer veranstalten. (sid)

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