Orlando Pirates - Trainer Zinnbauer
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Der ehemalige Hamburger Fußball-Trainer Joe Zinnbauer trainiert die Orlando Pirates in Südafrika.

Joe Zinnbauer

Joe im Glück

Ex-HSV-Trainer Zinnbauer hat bei seinem Klub in Südafrika allen Grund zu guter Laune – bisher hat er noch kein Spiel verloren.

Die Serie steht. Seit der ehemalige Hamburger Fußball-Trainer Joe Zinnbauer die Orlando Pirates in Südafrika trainiert, haben sie in acht Spielen nicht mehr verloren. „Das ist nicht allein mein Verdienst“, sagt der Fußballlehrer bescheiden mit Hinweis auf seine Mitarbeiter beim Johannesburger Traditionsklub, „die haben sich sofort mit meinen taktischen Vorstellungen eingearbeitet und das ins Team mit reingebracht.“ Der Klub kletterte von Platz sechs auf Rang zwei. Er hat Tuchfühlung zum ebenfalls in Soweto ansässigen Kultclub Kaizer Chiefs, den der ehemalige Bielefelder Ernst Middendorp trainiert. Die beiden Soweto-Klubs treffen am 29. Februar aufeinander.

Zinnbauers erklärtes Ziel ist, langfristig bei den Piraten etwas aufzubauen. „Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht; das ist natürlich umso schöner für mich – das gibt ein bisschen Schub von hinten.“ Doch das Umfeld werde nun hungrig nach Titeln, sagt er, während seine Spieler bei der Mittagspause im Klubraum den Ghettoblaster aufdrehen und ausgelassen tanzen.

Gänsehaut im Stadion

Ihr Coach könne das auch, das mit dem Tanzen, erzählen die Fußballer anerkennend – nur mit der korrekten Aussprache seines Nachnamens haben sie schwer zu kämpfen, sie nennen ihn daher der Einfachheit halber Joe. Zinnbauer, der bis zum Umzug seiner noch in Hamburg weilenden Familie Mitte März in einem Apartmenthotel wohnt, lächelt und schwärmt von seinen Spielern und auch den begeisterungsfähigen Fans. Die Stimmung in den Stadien sei großartig: „Hier herrscht ein gesunder Wettstreit, aber kein Wettkampf; das ist eine fantastische Stimmung, da bekommt man eine Gänsehaut.“

Zinnbauer sieht weitere Unterschiede. „Wenn du Deutschland 0:3 hinten liegst und du machst eine Offensivaktion, da hörst du nix im Stadion. Das ist hier anders: Hier wird jeder Ballkontakt, jede gute gelungene Aktion gefeiert.“ Mehr noch als Taktik und Disziplin stehe Individualität im Kurs. Er versuche nun, ein wenig europäisches Ballgefühl ins Team reinzubringen – „und im Moment haben wir Glück damit, dass es gut funktioniert.“ In seinem Team habe er gute Einzelspieler, die es jetzt zu einer Einheit zusammenzuschweißen gelte: „Ich glaube, dass der eine oder andere aus unseren Reihen in der Ersten oder Zweiten Bundesliga spielen könnte, wenn er sich im mannschaftstaktischen Bereich einordnet.“ Sein mittelfristiges Ziel sei der Aufbau einer Mannschaft, die im Kampf um den Titel mitspielen kann. „Wir haben sehr erfolgshungrige Spieler“, sagt er und gibt zu bedenken: „Man merkt aber auch, dass einen die Gegner jetzt jagen – sie wollen die Ersten sein, die unsere Serie an gewonnenen Spielen brechen.“

Er war bis Mai 2017 beim FC St. Gallen in der Schweiz tätig. Die Ende 2019 bekanntgegebene Verpflichtung des 49-Jährigen, der in der Spielzeit 2014/15 in 24 Pflichtspielen den damaligen Bundesligisten Hamburger SV betreut hatte, war zunächst auf einige Skepsis gestoßen. Er hat seine Kritiker längst widerlegt. 

dpa

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