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Muss über Weihnachten/Neujahr zu Hause bleiben: Carina Vogt.

Skispringen

Glotze statt Schanze

Skisprung-Olympiasiegerin Carina Vogt kritisiert das Ungleichgewicht von Frauen und Männern im Wettkampfkalender.

Viele Menschen verbringen die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester am liebsten zu Hause. Carina Vogt nicht. Die Skisprung-Olympiasiegerin kann sich Besseres vorstellen, als eine Weihnachtsgans zu genießen und die besinnliche Zeit zwischen den Feiertagen in der Heimat zu verbringen. „Es ist traurig, wenn wir drei Wochen zu Hause sitzen zwischen Dezember und Januar, bis es wieder weitergeht und wir solange nur zuschauen dürfen“, sagte die 25-Jährige. Auf die Schanze statt vor der Glotze: Vogt würde liebend gerne an einer Art Vierschanzentournee teilnehmen, doch so etwas gibt es für Frauen nicht.

Zwar ist die junge Sportart seit 2014 in Sotschi olympisch, jedoch unterscheiden sich der Weltcupkalender, viele Strukturen und das Zuschauerinteresse noch immer merklich von der Wettkampfserie der männlichen Kollegen. „Das Ziel, das ich verfolge, ist, dass wir an die Männer angegliedert werden“, sagte die Springerin. Für die neue Saison, die an diesem Freitag (16.00 Uhr) in Lillehammer beginnt, gibt es immerhin einen kleinen Fortschritt: Erstmals werden bei den Frauen Teamwettkämpfe ausgetragen – einer in Hinterzarten und einer im japanischen Zao.

Wunsch nach Teamspringen

Doch während Andreas Wellinger, Richard Freitag und Co. rund um den Jahreswechsel bei der Tournee um Erfolg sowie Prestige und bei einer Tour in Skandinavien im März um viel Geld springen, wirkt der Frauen-Weltcup an vielen Stellen noch immer schmucklos. Es gibt keine Tournee, es gibt keine Skiflug-WM, und es wird meist auf Kleinschanzen gesprungen. „So richtig den Schritt auf uns zu gehen sie immer noch nicht“, sagt die Olympiasiegerin über den Weltverband FIS. Und wenn es bei Olympia in Pyeongchang leere Ränge geben sollte, sind die Skispringerinnen das schon gewohnt.

Erst 2011 wurde der Weltcup eingeführt. Während Programm und Interesse in anderen Wintersportarten deckungsgleich sind, gibt es auf der Schanze weiter große Unterschiede. Richtig in den Fokus rücken die Frauen nur bei nordischen Weltmeisterschaften oder Olympia. Bei der nächsten WM in Seefeld 2019  gibt es einen Fortschritt, wenn auch einen kleinen: Erstmals gibt es neben dem Mixed auch ein Mannschaftsspringen der Frauen. „Wir hätten gerne viel mehr Teamwettbewerbe. Ich sehe da überhaupt keine Bedenken mehr. Wir haben die Qualität“, beteuert Vogt.

Doch kleine Fortschritte sind den DSV-Frauen nicht genug. Nach Pyeongchang 2018, wo Vogt ihren Olympiasieg von Sotschi wiederholen möchte, ist vor Peking 2022. Und spätestens dann soll der Anschluss geglückt sein. „Ich hoffe, dass wir bis dahin ziemlich gleichberechtigt sind“, sagt Andreas Bauer, der Cheftrainer der Skispringerinnen.

Das passende Vorbild hat er bereits gefunden. „Im Biathlon sind die Athleten immer an einem gemeinsamen Wettkampfort. Das ist für mich auch die Zukunft des Skispringens“, sagte Bauer. Dafür müsse man aber aus logistischen Gründen dauerhaft auf der Großschanze springen.

Sportlich zeichnete sich in den vergangenen Jahren ein ähnliches Bild ab. Im Weltcup dominierte die Japanerin Sara Takanashi, bei den Großereignissen siegte stets Carina Vogt. Neben der 25-Jährigen aus Schwäbisch Gmünd sollen aber auch Katharina Althaus und Svenja Würth erneut um Top-Platzierungen kämpfen. „Ich denke schon, dass wir ähnlich in Form sein werden wie letztes Jahr“, sagte Trainer Bauer. Es gebe zwei bis vier „Mädels“, die „ganz vorne“ reinspringen könnten. Das ist auch nötig: Denn zur Qualifikation für Pyeongchang müssen Vogt und Co. zwei Platzierungen unter den besten Acht aufweisen.  (dpa)

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