Eishockey

Gewerkschaft on Ice

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Zwei deutsche Eishockey-Profis wollen die Corona-Krise nutzen und sich organisieren.

Im deutschen Eishockey soll eine Spielergewerkschaft gegründet werden, zwei aus der mit Silber dekorierten Nationalmannschaft schreiten voran: Moritz Müller von den Kölner Haien und Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers, der Rekordtorschütze der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), der seine internationale Karriere nach den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang beendet hat. Zwei prominente Vorzeigefiguren, sie sagen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

„Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, räumt Mo Müller ein. Er hat aber bereits Kontakte zu einem Ratgeber geknüpft. Einen früheren Eishockeystar mit Gewerkschaftserfahrung. Denn: Eine Eishockey-Gewerkschaft gab es in Deutschland schon einmal, die VdE (Vereinigung der Eishockeyspieler), in den 90er-Jahren war sie aktiv.

„Ich habe den Uli Hiemer angerufen und gefragt, wie es damals war“, sagt Müller. Uli Hiemer, heute 57, Betreiber mehrerer McDonald’s-Filialen im Allgäu, war in den 80er-Jahren der erste deutsche Spieler in der NHL. Dort lernte er das Gewerkschaftswesen kennen, die Players Association (NHLPA) ist ein starker Interessensvertreter der Spieler. Die Idee brachte Hiemer mit nach Deutschland. Das Interesse war groß, die VdE konnte sich sogar einen Geschäftsführer leisten, Uli Hiemers Bruder Jörg. Es gab auch einen Präsidenten, der letzte war Thomas Brandl, ein Star der damaligen Zeit.

Fußballer sollen helfen

Doch die VdE verschwand. Ganz leise und spurlos. Noch nicht einmal in den Weiten des Internet findet sich noch etwas über die deutsche Eishockeygewerkschaft. Sie hatte sich organisatorisch angelehnt an die Fußballer, die VdV (Vereinigung der Vertragsfußballer). Dort nachgefragt. Geschäftsführer Ulf Baranowsky sagt: „Ich bin seit 16 Jahren da, aber kann mich nicht an die VdE erinnern. Auch ein größerer Archivumzug, den wir kürzlich hatten, hat darüber keine Aufschlüsse gebracht.“ Durchaus kenne man aber gewerkschaftliche Organisationen im deutschen Basketball und Handball. Doch Eishockey? Nein.

Uli Hiemer hat Moritz Müller und Patrick Reimer den Tipp gegeben, sich an die VdV und Ulf Baranowsky zu wenden. Der meint: „Gerne, wir können helfen.“ Er kennt die gängigen Themen: „Kurzarbeit, Mitbestimmung, Stundungen, Teilverzichte.“

Um einiges davon geht es auch in der DEL, der in der Corona-Ungewissheit die Einnahmen wegzubrechen drohen, weswegen sie an den Kosten fürs Personal drehen will. Die Idee: Die Spieler sollen vorerst auf 25 Prozent ihres vereinbarten Gehalts verzichten, es aber nachträglich bekommen, sollten sich die Perspektiven ihres Klubs erhellen und der seinen finanziellen Planungen realisieren können. Zudem ist gewünscht, dass die Spieler in Kurzarbeitsregelungen einwilligen – Folge wäre ein Absinken der Reallöhne um in einigen Fällen bis 70 Prozent.

Moritz Müller sitzt mit Spielern anderer Klubs mit der DEL am Tisch. Er sagt: „Meinem Verein, den Kölner Haien, bei denen ich seit 17 Jahren spiele, helfe ich gerne, bin mir aber nicht sicher, dass das Modell eine Patentlösung für alle ist. Deshalb stehe ich bei diesem Thema von Beginn an mit der Vereinsführung in einem engen Austausch. Es gibt ja auch unterschiedliche Vertragsformen.“ Sein Vorschlag: individuelle Lösungen. Und: „Die Lizenzierung der DEL nach hinten schieben.“ Die beginnt kommende Woche. Die Liga will Zusagen.

Man spürt Verunsicherung unter den Spielern. Müller: „Ein Anstoß, uns zu organisieren.“

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