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Gesund ist teurer als dick

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Portion Pommes -  in New York jetzt mit gesundem Fett.
Portion Pommes - in New York jetzt mit gesundem Fett. © dpa

US-Politiker sorgen sich zunehmend darum, was ihre Bürger essen. Denn Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes bringen fast 200 000 Amerikaner im Jahr um,

Von EVA C. SCHWEITZER

US-Politiker sorgen sich zunehmend darum, was ihre Bürger essen. Denn Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes bringen fast 200 000 Amerikaner im Jahr um, weit mehr als Gewaltverbrechen. Inzwischen ist der Durchschnittsamerikaner kleiner als der Europäer, stellte der New YorkTimes-Kolumnist Paul Krugman fest. Der Grund: "Amerika ist eine Fast-Food-Nation."

Das ist keine sonderlich überraschende Erkenntnis. Warum das so ist, fand Adam Drewnowski, ein Wissenschaftler der University of Washington in einem Selbstversuch heraus. Für einen Dollar konnte er im Supermarkt 1200 Kalorien an Keksen oder Kartoffelchips erwerben, aber nur 250 Kalorien an Karotten. In Märkten der ärmeren Stadtviertel gibt es oft gar kein Gemüse, und als Obst sind allenfalls Bananen zu haben.

Aber obwohl Kekse billig sind, sind sie aufwendig verpackt, mit komplizierten chemischen Substanzen angereichert, und sie werden teuer beworben. Für den niedrigen Preis hat Michael Pollan, der ein Buch über Ernährung geschrieben hat, eine Erklärung: "Das liegt am ,Farm Bill'", sagt er. Der Farm Bill ist ein Gesetz zur Subventionierung der Landwirtschaft. Zuletzt wurde er 2002 modifiziert, in diesen Wochen wird in Washington über eine Novelle debattiert. Und der Farm Bill hat Auswirkungen auf die Ernährung.

Billig ist zum Beispiel ein Twinkie. Der Minikuchen besteht aus Soja, Weizen und Mais (plus Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker). Die Gewächse sind stark subventioniert und werden im Überfluss produziert. Allein den Anbau von Soja, Weizen, Mais, dazu Reis und Baumwolle finanziert der Steuerzahler mit 25 Milliarden Dollar im Jahr, so Pollan. Für rein organisch produzierte Lebensmittel geben die US-Verbraucher nur 15 Milliarden Dollar aus. Aus Mais wird Cornsyrup hergestellt, während Soja zu Öl verarbeitet wird. Zucker und Fett sind also künstlich verbilligt.

Das wirkt sich auf Schulen aus, die ihr Essen knapp kalkulieren - und auf Maisproduzenten wie Mexiko, deren Preise unterboten werden. "Der Fluss von Immigranten aus Mexiko nach Norden ist untrennbar mit dem Fluss von US-Mais in die umgekehrte Richtung verbunden", sagt Pollan.

Nun hat sich eine Koalition von 90 Farmerverbänden gebildet, die Nüsse, Mandeln, Himbeeren, Wein, Kirschen, Wassermelonen oder Kartoffeln anbauen. Sie legten eine Alternative vor, den "Healthy America Act" ("Gesetz für ein gesundes Amerika"). Sie werden vom US-Landwirtschaftsminister unterstützt, der dafür bis zu fünf Milliarden Dollar im Jahr von den Subventionen abzweigen will.

Auch Kommunalpolitiker machen sich Gedanken. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg verbot Restaurants die Trans-Fette, die das Herzinfarktrisiko erhöhen; sie werden für Pommes frites verwendet. Auch die Industrie übt Selbstkontrolle. Cornflakeshersteller Kellogg's will die Werbung auf kalorienarme Produkte reduzieren und Angaben zum Produktinhalt abdrucken. Das ist in den USA nicht üblich und soll einer Klage besorgter Eltern zuvorkommen. Nicht grundlos: 2002 hatten zwei Schülerinnen aus dem New Yorker Stadtteil Bronx McDonald's verklagt: Die Fritten hätten bei ihnen Fettsucht, Diabetes, Herzkrankheiten und Bluthochdruck verursacht. Sicherheitshalber hat McDonald's inzwischen sein Menü geändert. Weniger "Frankenfood", mehr Salat.

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