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Perfekte Absprungtechnik über die Hürden: Gesa Felicitas Krause.

Leichtathletik-WM in Doha

Gesa Felicitas Krause: 350 Tage Schinderei

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Die Frankfurter Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause peilt bei der Leichathletik-WM in Doha eine Medaille an.

Am frühen Donnerstagmorgen ist Gesa Felicitas Krause in Doha gelandet, die Temperaturen lagen da um 7 Uhr morgens bereits bei 34 Grad. Tags zuvor hatte die 3000-Meter-Hindernisläuferin noch ihre letzten Runden auf der Tartanbahn in Potchefstroom gedreht, bei angenehmen 23 Grad. In 1340 Höhenmeter in Südafrika hat sich Krause in den vergangenen Wochen auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar vorbereitet, dort bestreitet sie am heutigen Freitag (17.50 Uhr/ARD) den Vorlauf und dort will sie am Montag im Finale (20.50 Uhr) um eine Medaille laufen. „Es war bislang ein unglaubliches Jahr, aber ich bin noch nicht fertig“, schrieb die für Silvesterlauf Trier startende Frankfurterin auf Instagram.

Im August wurde die 27-Jährige zum fünften Mal in Folge ungefährdet Deutsche Meisterin, nach zwei Jahren der Jagd verbesserte sie vor vier Wochen in Zürich ihren Deutschen Rekord um fast vier Sekunden auf 9:07:51 Minuten. Beim Istaf im Berliner Olympiastadion stellte sie über die selten gelaufenen 2000 Meter Hindernis in 5:52,80 Minuten eine Weltbestzeit auf, entsprechend frenetisch wurde sie vom Publikum gefeiert.

Fünfte WM-Teilnahme

In der Weltjahresbestenliste liegen nur fünf Kenianerinnen, die US-Amerikanerin Emma Coburn und Winfred Mutlie Yani aus dem Bahrain vor der Achtschnellsten diesen Jahres. „Bei Meisterschaften geht es darum, sich zu behaupten. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal in ein Rennen komme, wo ich den perfekten Tag erwische und über meine Grenzen hinausgehen kann“, sagte die zweifache Europameisterin im FR-Interview vor einem Jahr. Da es in einem Endlauf keine Tempomacherinnen gibt, hofft sie bei ihrer bereits fünften WM-Teilnahme mit ihrer famosen Absprungtechnik auf einen Top-Drei-Platz, wie 2015, als sie in Peking Bronze gewann.

Gesa Krause ist eine der wenigen deutschen Athleten, die überhaupt eine Chance auf eine Medaille haben. Die 2019 noch ungeschlagene Malaika Mihambo kämpft um Gold im Weitsprung, auch die Speerwerfer um Titelverteidiger Johannes Vetter sowie Olympiasieger und Europameister Thomas Röhler sind heiße Medaillenkandidaten. Bei optimalem Verlauf können sich aber auch Konstanze Klosterhalfen (1500 oder 5000 Meter), Zehnkämpfer Niklas Kaul aus Mainz, die Sprintstaffel der Frauen um Gina Lückenkemper Hoffnungen auf Edelmetall machen. Aussichtsreiche Kandidaten wie Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt), die Zehnkämpfer Rico Freimuth und Arthur Abele sowie Kugelstoßer David Storl mussten verletzt passen und dämpftem die Hoffnungen schwer auf ein erneutes Ergebnis wie seinerzeit in London, als der Deutschen Leichtathletik-Verband fünf Medaillen errang.

Nach der WM kommt die Auszeit

In der britischen Hauptstadt erlebte Krause auch den bittersten Moment ihrer Karriere. Sie war mit großen Ambitionen an den Start gegangen, ehe sie von einer Konkurrentin zu Fall gebracht wurde, einen Schlag gegen den Kopf bekam und ihre Chance auf eine Medaille in diesem Moment begraben musste. Dennoch rappelte sich die gebürtige Ehringshausenerin auf und brachte den Lauf zu Ende. Für ihr Kämpferherz wurde die 1,67-Meter große Athletin mit Lob und Preisen für ihre Vorbildfunktion im Sport später geehrt.

Für Gesa Felicitas Krause bedeutet Laufen nämlich nicht nur, gute Resultate zu erzielen, sondern absolute Leidenschaft. „Ich habe alles auf die Karte Sport gesetzt“, sagte sie kürzlich. „Das Laufen ist ein Beruf und eine Berufung.“ Seit vergangenen Oktober hatte sie keinen freien Tag mehr. Seit ihrem EM-Triumph 2018 in Berlin war Krause in der Höhe von Davos, Kenia, Äthiopien, Arizona und in Südafrika auf der Bahn. „Ich war nie länger als drei, vier Wochen in Deutschland, also auf See-Level. Und ich bleibe bis Olympia nie länger als vier Wochen nicht in der Höhe.“

Das Trainingsjahr verlief reibungslos, obwohl es bislang das längste ihrer Karriere war. Mit ihrem Trainer Wolfgang Heinig, der sie seit 2008 betreut, konnte sie ihre Einheiten nach ihrem ganz persönlichem Gusto gestalten. „Auch wenn ich die Entwicklung gesehen habe, ging es mir nie schnell genug“, gibt Krause zu. Der Lohn mit guten Resultaten stellte sich dann innerhalb kürzester Zeit in Berlin, Zürich und wieder Berlin ein. Das soll aber noch lange nicht das Ende gewesen sein. „Ich denke, wenn man zwischen 9:00 und 9:06 Minuten läuft, dann hat man in der Welt schon was zu melden. Das ist das Ziel“, sagt sie. Der Weltrekord (8:44,32 Minuten) der Kenianerin Beatrice Chepkoech, die zudem Weltjahresbestzeit (8:55,58 Minuten) gelaufen ist, ist für die Deutsche indes ganz weit weg: „Ich bin da ganz realistisch. Den werde ich nie brechen.“

Nach der WM wird sich Krause nach über 350 Tagen der Schinderei endlich eine Auszeit gönnen. Zwei Wochen wird sie mit ihrem Freund in Griechenland die Seele baumeln lassen, ehe sie sich voll und ganz auf ihr nächstes großes Ziel konzentrieren wird: Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

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