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Überglücklich: Gesa Felicitas Krause.

Leichtathletik-WM 

Gesa Felicitas Krause belohnt sich für die Schinderei

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Die Frankfurterin Gesa Felicitas Krause gewinnt Bronze über 3000 Meter Hindernis – und damit die erste deutsche Medaille bei der Leichtathletik-WM in Doha.

Gesa Felicitas Krause und ihr Freund Mark hatten am Montagmorgen ein langes Gespräch im Hotel. Die 27-Jährige wollte zwar nicht ins Detail gehen, wie er sie motiviert hat, aber Krause verriet im ZDF zumindest die Quintessenz seiner Worte: „Der Wille kann alles entscheiden.“ Mit diesem Willen, einer klugen Renntaktik und einem tollen Schlussspurt hat die Frankfurterin über 3000 Meter Hindernis die erste deutsche Medaille bei der Leichtathletik-WM in Doha gewonnen.

Sie überquerte als Dritte in neuer deutscher Rekordzeit (9:03,30 Minuten) hinter Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech aus Kenia (8:57,84) und Titelverteidigerin Emma Coburn aus den USA (9:02,35) die Ziellinie. „Ich bin überglücklich. Ich kann es gar nicht in Worte fassen“, sagte die 1,67-Meter große Athletin, die für Silvesterlauf Trier an den Start geht. „Ich habe davon geträumt, ich wollte es unbedingt. Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe heute alles aus mir herausgeholt.“

Kraft gespart für die letzte Runde

Dabei fühlte sie sich zu Beginn des Rennens gar nicht gut, wie sie nach ihrem Traumlauf beschied. „Ich war überrascht, wie schlecht es mir ging.“ Chepkoech war mit Beginn des Rennens nach vorne gestürmt, eine siebenköpfige Verfolgergruppe lief in 30 Meter Abstand in einem immens hohen Tempo hinterher. Die ersten 1000 Meter absolvierte Krause in knapp drei Minuten. Dabei hatte Trainer Wolfgang Heinig ihr immer wieder versucht einzuschärfen, ihre Körner für die letzte Runde aufzusparen, wo sie ihre Stärken hat. Doch in diesem Rennen musste Krause das Tempo mitgehen, weil sie sonst keine Schlagdistanz auf die Konkurrenz gehabt hätte. Sie blieb dran und war vor der Schlussrunde Fünfte. „Mich stärkt es, wenn ich merke, dass es den anderen schwerer fällt“, sagte sie. Auf der Gegengeraden schob sie sich auf Platz vier vor, die entscheidende Attacke auf dem Weg zu ihrem Coup gelang Krause am letzten Wassergraben.

Krause hatte sich im Vorfeld im Training gequält wie noch nie, seit Ende Oktober 2018 gönnte sich die Studentin der Wirtschaftspsychologie keinen freien Tag. „Das ist für einen Außenstehenden vermutlich wirklich unvorstellbar“, hatte Krause, die für ihren Traum von der Medaille in Höhentrainingslagern in Kenia, den USA, der Schweiz und unmittelbar vor Doha noch in Südafrika schuftete, vor dem Rennen gesagt.

Flucht vor der Hitze

Alles für das ganz große Ziel: Ein Coup wie vor vier Jahren sollte her, als Krause in einem Bummelrennen in Peking die Konkurrenz düpierte. Und ebenfalls im Schlussspurt auf Rang drei stürmte. Doch seitdem hat sich das Niveau in der Weltspitze noch einmal verbessert. „Es wird nicht einfach, aber dafür ist man ja bei einer WM“, hatte Krause nach ihrem Vorlauf geahnt, aber: „Ich bin eine Wettkämpferin.“

Die Vorbereitung auf das Finale empfand sie dennoch als schwierig, weil sie kein einziges Mal aus dem Hotel raus ist, um sich nicht der glühenden Hitze Dohas auszusetzen. „Das macht ein bisschen depressiv, aber es war wichtig, die Spannung zu halten“, erklärte Krause.

Mit ihrer neuen persönlichen Bestzeit ist sie nun auch „endgültig in der Weltspitze angekommen“, wie sie mit Genugtuung feststellte. 9:11.85 Minuten waren zwei Jahre lang ihre Bestmarke, ehe sie diese im August in Zürich knackte (9:07,51 Minuten). Nun unterbot sie diese Zeit erneut um mehr als vier Sekunden.

Für ihren Trainer Wolfgang Heinig, der sich mit zitternden Händen über den Triumph freute, war es der Lohn „der harten Arbeit über die letzten zehn Jahre“. Krause bedankte sich bei ihrem Trainer, „der es immer wieder schafft, mich in Topform zu bringen“. Krause wird sich nun für die lange Saison, all die Schmerzen im Training und Bronze belohnen, der Urlaub in Griechenland ist bereits gebucht. Die nächsten vier Tage wird sie aber noch in Doha verbringen. Und danach richtet sich der Fokus schon wieder auf die nächsten Wettkämpfe und das nächste große Ziel: Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

„Ich freue mich schon auf die nächsten Trainingstage“, sagte Krause. Den Lohn dieser Schindereien darf sie sich am heutigen Dienstag bei der Medaillenzeremonie um den Hals hängen. Und es soll nicht die letzte in ihrer Karriere sein. (mit sid)

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