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Gerad Piqué will den Davis Cup reformieren. Das kommt bei den Protagonisten weniger gut an.

Kommentar Tennis

Gerard Piqués milliardenschwerer Rohrkrepierer

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Der Fußballer aus Barcelona reformiert den Tenniswettbewerb Davis Cup, dafür reist er unentwegt in der Welt herum. Doch seine Pläne kommen nicht gut an. Ein Kommentar.

Vom Fußball bis ins Tennis sind es also 33 000 Kilometer, immer mit dem Flugzeug. Diese Distanz hat der spanische Berufskicker Gerard Piqué insgesamt in den beiden bisherigen Länderspielpausen der Saison zurückgelegt. Jener Mann, der kürzlich mit dem von ihm gegründeten Investmentunternehmen „Kosmos“ den ehrenwerten Davis Cup aufkaufte, für drei Milliarden Euro, um ihn abzureißen und nach eigenen Vorstellungen wieder aufzubauen. Eine hochkomplizierte Geschichte, weshalb der Verteidiger des FC Barcelona also für strategische Gespräche von Barcelona nach Shanghai flog und wieder zurück, von Barcelona nach New York und wieder zurück, und dann noch schnell nach Madrid, 600 Kilometer, ein Katzensprung quasi. Die Kollegen der spanischen Nationalelf, aus der Piqué nach der verkorksten WM in Russland eigentlich zurückgetreten war, um sich häufiger ausruhen zu können, legten im gleichen Zeitraum ein Drittel der Strecke zurück.

Als sein Klubtrainer in Barcelona, der trockene Ernesto Valverde, gefragt wurde, ob ihn Piqués Reiseverhalten stören würde, sagte er: „Das Einzige, was mich bei Piqué stört, ist, dass er eine brillante Idee hatte und nicht ich.“

Eine brillante Idee also, aha. In der Tenniswelt nimmt man sie etwas anders wahr, die Reformpläne Piqués, die vorsehen, dass der gute, alte Länderteamkampf Davis Cup, seit mehr als hundert Jahren in mehreren, übers Jahr verteilten Runden ausgetragen, zu einem neuen, knackigen Event-Dingens Ende des Jahres wird: Ein einziges großes Finalturnier mit 18 Teams, sonst nichts. Soll mehr Kohle bringen, weil: attraktiver für Sponsoren und Sendeanstalten.

Im Tennis, ein sehr traditionsbewusstes Metier, haben sie einigermaßen angewidert auf die längst beschlossenen Reformen Piqués reagiert. Der besonders traditionsbewusste Roger Federer, fast so alt wie der Davis Cup, hat bereits gut hörbar Richtung Piqué gefaucht, er halte das für sehr problematisch: ein Fußballer, der sich in die Belange des Tennis einmischt. Er finde, Piqué müsse da ein bisschen aufpassen. So klingt eine Warnung. Dass er selbst an der neuen, erstmals im November ausgetragenen Davis-Cup-Sache teilnehmen werde, hat der Schweizer bereits ausgeschlossen, aber Federer ist 37, er steht nicht für die Zukunft des Sports. Weitaus alarmierender für Piqué ist, dass auch der 21-jährige Alexander Zverev seinen Verzicht ankündigte. Piqués Milliardenprojekt droht ein gigantischer Rohrkrepierer zu werden.

In Wimbledon haben sie Piqué gerade vorgemacht, wie man im Tennis Änderungen herbeiführt, ohne gleich alles umzuschmeißen. Eingeführt wurde der Tiebreak im fünften Satz, beim Spielstand von 12:12. Gerard Piqué wird wohl noch einige tausend Kilometer fliegen müssen, um zu verstehen, warum das eine gute Idee ist. Und der Quatsch mit dem Davis Cup nicht.

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