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Gepanzerte Fahrzeuge

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Am Haken: Lewis Hamilton setzte seinen Silberpfeil im Training in die Streckenbegrenzung.
Am Haken: Lewis Hamilton setzte seinen Silberpfeil im Training in die Streckenbegrenzung. © afp

Nach einem Raubüberfall beim Rennen in Brasilien wurden die Polizeikräfte massiv verstärkt.

Motorrad-Polizisten patrouillierten auf der Avenida Interlagos, Wachen standen vor den Zufahrtsstraßen der Favelas. Nach dem bewaffneten Raubüberfall auf Mechaniker eines Mercedes-Teambusses verwandelten die Behörden von São Paulo das Gebiet um das Autódromo José Carlos Pace in eine Hochsicherheitszone. „Es sah aus, als sei Bürgerkrieg ausgebrochen, so viel Polizei war unterwegs, als wir zu Strecke kamen“, berichtete Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Der gesamte Rennstall stand noch unter dem Eindruck des Überfalls, der sich gegen 22 Uhr Ortszeit am Freitagabend ereignet hatte. Nachdem zuvor ein gepanzerter Wagen mit Mitgliedern des Internationalen Automobilverbandes (FIA) einem Überfall noch hatte entkommen können, wurden die acht Insassen des Mercedes-Teambusses gestoppt und mit Waffen bedroht.

Einige mussten aussteigen und sich auf den Boden legen. „Es müssen wirklich beängstigende Momente gewesen sein“, sagte Wolff. „Ich bin seit zehn Jahren in der Formel 1, und das Frustrierendste ist, dass es jedes Jahr irgendeinem im Fahrerlager passiert“, sagte Mercedes-Star und Vierfach-Weltmeister Lewis Hamilton. Nicht minder erschüttert war sein Teamkollege Valtteri Bottas – im Wagen saßen Mechaniker des Finnen. Die Poleposition holte er anschließend für sie.

Bereits vom Samstag an hatte sich die Zahl der Beamten rund um die Strecke spür- und sichtbar massiv erhöht. „Die Polizei wird mit schwerer Verstärkung für den Rest im Einsatz sein“, teilte der Automobil-Weltverband (FIA) mit. Schwarze Einsatzfahrzeuge der Zivilpolizei fuhren Streife. Gegenüber dem Eingang, den die Teams benutzen, parkten zwei Busse der Guardia civil. Praktisch allgegenwärtig waren Sicherheitsbeamte im unmittelbaren Bereich um den Kurs.

Dabei gehört São Paulo als brasilianische Wirtschaftsmetropole sogar eher wieder zu den sicheren Städten des Landes. Im Jahr 2000  lag die Mordrate in der größten Stadt Brasiliens statistisch bei 51,23 pro 100 000 Einwohnern, 2016 bei 7,25 Tötungsdelikten. Allerdings wurden im vergangenen Jahr 159 633 Raubüberfälle in São Paulo registriert, das entspricht einer Rate von 1371  je 100 000 Einwohner. Die Zahl der Überfälle war zuletzt gestiegen.

Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes heißt es unter Hinweise für São Paulo: „Auch bewaffnete Überfälle und Blitzentführungen in bevorzugten, besseren Wohngegenden haben zugenommen und führen nicht selten zu Schusswechseln mit privaten Sicherheitskräften oder Polizisten (häufig auch in Zivil), auch tagsüber, so dass erhöhte Aufmerksamkeit im gesamten Stadtgebiet angezeigt ist.“

„So sind die Umstände“

Die Formel 1 kennt das Problem. Zu den heftigsten Erlebnissen bis zum Übergriff am Freitag zählte ein Überfallversuch auf Jenson Button 2010. Im dichten Verkehr passierte es ebenfalls auf der Rückfahrt von der Strecke zum Hotel. „Dann hab ich einen Hund gesehen, der sehr putzig war. Das nächste, was ich gesehen habe, war ein Mann mit einer Waffe“, hatte Button damals erzählt. Verletzt worden war auch seinerzeit glücklicherweise niemand.

Der Fahrer des Wagens mit dem Weltmeister von 2009 hatte schnell reagiert. In den Jahren danach wurden Button und sein damaliger McLaren-Teamkollege Hamilton unter anderem in gepanzerten Wagen und mit Polizeieskorte gefahren.

Vor einem Jahr hatte der damalige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen verzichtet – trotz der vorherigen Entführung seiner Schwiegermutter. „Nein, es gibt keinen Grund ängstlich zu sein oder sich Sorgen zu machen“, hatte Ecclestone gesagt. Brasilien sei nicht so gefährlich, wie die Leute dächten. Ecclestones dritte Ehefrau ist Brasilianerin.

„Vielleicht war unsere Herangehensweise in den vergangenen Jahren ein bisschen leichtfertig, weil Brasilien einfach ein cooles Land ist“, sagte Wolff. Auch Hamilton, der via Twitter am Samstag auch von Schüssen geschrieben hatte, lobte die Energie, die Brasilien versprüht. Er machte sich für das Rennen stark, das zweifelsohne zu den Klassikern im Rennkalender zählt. Hamilton, der nach eigenen Angaben noch nie eine gefährliche Situation in Brasilien erlebt hat, forderte aber auch Sicherheit für alle im Fahrerlager.

Nur wie? „Es sollte eigentlich nicht so sein, dass wir gepanzerte Autos, Waffen und Beamte brauchen, um sicher von der Strecke zum Hotel zu kommen. So sind aber die Umstände“, sagte Wolff. (dpa)

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