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Weightwatcherinnen: Beate Pauli, Sibylle Baouch, Helga Raab, Marianne Preuschhoff (mit altem T-Shirt), Brigitte Böhr, Gerda Schneider.
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Weightwatcherinnen: Beate Pauli, Sibylle Baouch, Helga Raab, Marianne Preuschhoff (mit altem T-Shirt), Brigitte Böhr, Gerda Schneider.

Gemeinsames Punktezählen als Weg zur schlanken Linie

Die Weightwatchers setzen beim Abnehmen auf Gruppendynamik / Fünf Schokolinsen schlagen mit einem "Point" zu Buche

Von ANNE LORENC

Frankfurt · 5. Mai · Gut 30 Frauen sitzen an diesem Vormittag in einem Raum des Kindergartens von St. Josef in Höchst. Frisch gewogen und hoch gestimmt für den bevorstehenden Erfahrungsaustausch. Einige Stühle sind noch frei, einer davon ließe sich mit einer fiktiven Person besetzen. Ein elfenhaftes Wesen, das im Laufe weiterer Gruppentreffs an diesem Tag richtig stattlich werden wird. Zusammengesetzt aus all den Kilos, die von den Mitgliedern in den vergangenen sieben Tagen freigesetzt wurden.

Dabei hilft ein Ernährungsprogramm, das bei wissenschaftlichen Vergleichstests stets gute Noten einfährt: viel Obst und Gemüse, Abwechslung auf dem Speisezettel, ausreichend Ballast- und Mineralstoffe. Nichts ist tabu. Auch nicht das Stück Schokolade oder das Glas Rotwein. Vorausgesetzt, man hält sich an seine "Points": eine Tabelle für den Kalorien- und Fettgehalt eines Nahrungsmittels. Wer Sport treibt, erhält Bonus-Punkte. Je nach Gewicht haben die Teilnehmer ein Tageskonto von 18 bis 28 Points. Wer mehr wiegt, darf mehr essen, um den Energie-Grundumsatz zu sichern.

Zur Orientierung gibt es Tabellen und Einkaufsführer, die regelmäßig überarbeitet werden. So wurde jetzt der Nährwert von Schokolinsen bereinigt. Nicht mehr zehn Stück schlagen mit einem Point zu Buche, sondern bereits fünf. "Eine Frechheit", findet eine Teilnehmerin. Schummeln gilt nicht. Wer den Weightwatchers beitritt, seine 15 Euro Aufnahmegebühr zahlt und zu jedem wöchentlichen Treffen 9,95 Euro mitbringt, erhält dafür nicht nur die Geborgenheit einer Gruppe, Beistand, aufeinander aufbauende Broschüren, moralische Aufrüstung und praktische Tipps, sondern verpflichtet sich auch, penibel Tagebuch zu führen über jeden Bissen, den er isst. Dies dient nur der Selbstkontrolle. Wer über seine Ausrutscher nicht reden will, kann den Mantel des Schweigens darüber breiten.

Aber Mitgefühl ist jedem sicher, der Heißhungerattacken, Frust-Essen oder psychische Rückschläge thematisiert. Abgestraft wird niemand mehr, wie es zeitweise üblich war. "Jeder kann von jedem lernen", ermuntert Brigitte Böhr die erste Gruppe dieses Tages. Zwei weitere werden noch folgen. Insgesamt betreut die Höchsterin neun Weightwatcher-Treffs.

Vor aller Augen auf die Waage

Wenn Brigitte Böhr vor dem Gruppentreffen jeweils eine halbe Stunde lang die Frauen - und ganz vereinzelten Männer - auf die Waage bittet, zuweilen ein fröhliches "super!" ausruft, trotz Gewichtsstillstands lobt und einem neu hinzugekommenen Kilo die Dramatik nimmt, weiß sie, wie es ihren Schützlingen ergeht. Böhr war, wie sie sagt, schokoladensüchtig und kam mit knapp 100 Kilo zu den Weightwatchers, weil sie im Raum Frankfurt keine "Anonymen Schokoholiker" fand. Sie arbeitete in einem Jahr 30 Kilo ab. Oder, wie sie lieber sagt, "60 Pfund".

Damit liegt sie gleichauf mit Marianne Preuschhoff. Die 55-Jährige brauchte ebenfalls ein Jahr für 30 Kilo und erntet an diesem Vormittag ungläubiges Stöhnen, als sie ein gelbes T-Shirt im XXXL-Format auspackt. Heute würde sie da zweimal hineinpassen. Mindestens. Trotz Wunschgewicht und "Goldener Mitgliedskarte" kommt sie regelmäßig zu den Treffen. Weil sie nie, nie wieder so aussehen will wie auf den Fotos, die sie zirkulieren lässt. Eine gerundete Gestalt, die nicht erahnen ließ, dass in all dem aufgeblähten Gewebe ein spitzbübisches Temperament steckte. Die Ratschläge im neuen Online-Forum, sind sich die Anwesenden einig, seien gut für zwischendurch, könnten aber die Gruppe nicht ersetzen.

Dass Frauen eben "in die Jahre" kommen und nicht mehr abnehmen können, hält auch Beate Pauli für "dummes Zeug". Die 67-Jährige hat in neun Monaten 23 Kilo abgenommen. Ernährungsumstellung, dreimal Nordic Walking pro Woche plus einmal Schwimmen mit Wassergymnastik haben sie zur drahtigen Erscheinung verdichtet.

Alle, die ihr Ziel erreicht haben und es halten wollen, haben sich an die gesunde Kost gewöhnt und dürfen stufenweise ihre Points-Anzahl erhöhen. Ein paradiesischer Zustand für alle, die noch in der Abspeck-Phase stecken und mit sinkendem Gewicht weniger Punkte verkonsumieren dürfen. "Ab 60 Kilo wird es kriminell", schwant es einer Besucherin. Gottlob ist sie noch weit von dieser Marke entfernt.

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