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Die Deutsche Bank fördert den Betriebssport in einem eigenen Sportzentrum in Eschborn - hier schwitzen Mitarbeiter beim Spinning.

Gemeinsam Schwitzen schweißt zusammen

Pack den Aktenkoffer ein und die Sporttasche aus: Gemäß dieser Idee wurde vor 50 Jahren der Betriebssport-Verband Hessen gegründet.

Von PETRA MIES (ESCHBORN)

Peng. Ein As. Der Spieler lächelt. Dem Chef mal was um die Ohren gehauen zu haben, das macht ihm offenbar Freude. Unausgesprochene Botschaft: "Feierabend, Boss, nichts für ungut." Mancher Traum kann sich beim Tennis erfüllen. Oder beim Handball. Oder beim Kegeln. Oder, oder, oder.

Das Angebot des Sportzentrums Eschborn (Main-Taunus-Kreis) der Deutschen Bank ist riesig. In der eigenen Mehrzweckhalle und den anderen Sportstätten, die das Unternehmen für "Fitness und Fun" nutzt, reicht es von Aerobic über Badminton, Cardio Cross, Konditionstraining, Schwimmen, Squash bis hin zu Volleyball und Yoga - nur eine Auswahl der mehr als 30 Sportarten. Hinzu kommen Gesundheitskurse wie Anti-Stress-Programm, Shiatsu-Massage, Rückenschule oder Zen-Meditation.

Bei Teilnahmekosten von 2,60 Euro bis 12,60 Euro im Monat - nur das Klettern in einer Halle außerhalb von Frankfurt ist mit 20 Euro teurer - stellt sich die Frage, ob die Deutsche Bank als Sponsor ausgerechnet sportlicher Umtriebe nicht viele, viele Euro aus dem Fenster wirft. Aber das macht sie nicht. Jürgen Bartoscheck, Leiter Betriebssport Deutschland, lacht. Die Gesundheit. Das Klima. Er kann noch so viel mehr Vorteile aufzählen.

Pack den Aktenkoffer ein und die Sporttasche aus: Gemäß dieser Idee wurde vor 50 Jahren der Betriebssport-Verband Hessen gegründet. Anfangs gehörten Fußball, Tischtennis, Handball, Leichtathletik und Schwimmen zum Programm, da war von "Power Spinning" noch keine Rede.

Doch der Leitgedanke ist geblieben: Sich nach Dienstschluss gemeinsam der schönsten Nebensache der Welt zu widmen, dient zum einen dem individuellen Wohlbefinden und zum anderen den Firmen. Wer sich beim Kicken schon mal den richtigen Ball zuspielt, ist dann auch im Büro ein besseres Team - und das nicht nur in Nadelstreifen, sondern quer durch die Hierarchien.

Mancher will auch nur noch weg

Inzwischen hat der eingetragene Verein in Hessen mehr als 35 000 Mitglieder. Klaus Günter Gutowski, stellvertretender Vorsitzender des Landes-Verbandes, freut sich auf das Geburtstagsfest am Dienstag: "Es gibt wirklich etwas zu feiern." Auch er verweist auf die segensreichen Folgen der Körperertüchtigung in Firmen ohne Vereinsmeierei. "Es ist erwiesen, dass Ausfallzeiten in Betrieben mit Sportangebot geringer sind", erklärt er. Deutsche-Bank-Sportchef Bartoschek preist den gestärkten "Zusammenhalt" an. Er lässt nicht unerwähnt, dass Outsourcing- und Angst-vor-einer-Kündigung-Zeiten folgenreich sind. Einerseits binde der Sport, könne sich mancher dabei den Frust von der Seele rackern, "aber andere wollen nach Dienstschluss nur noch weg". Ausgebrannt sein, deprimiert, im Motivationsloch stecken: "Unterm Strich jedoch kann da Sport nur helfen, aber manche entziehen sich in der Krise."

Den Unterschied zum Vereinssport stellt der stellvertretende Verbandsvorsitzende heraus. "Betriebssport ist Hobby, Breitensport, Freizeit, der Leistungsgedanke ist im Verein oft viel ausgeprägter." Betriebssport sei überdies viel preiswerter - und zahle sich für Unternehmen, "auch wenn sie erst einmal Geld in die Hand nehmen müssen, auf lange Sicht sehr aus".

Bei der Deutschen Bank dauert die betriebssportliche Höchstzeit von 17 bis 23 Uhr, und das überwiegend montags bis donnerstags. "Am Freitag lässt es nach, weil wir viele Wochenend-Pendler haben", sagt Bartoschek. Innerhalb der Sportgemeinschaft gelte eine eigene Unfall- und Haftpflichtversicherung. Natürlich gebe es jenseits des Wunsches, "nicht jedem Trend hinterherzurennen", auch Moden. So sei mit Boris Becker und Steffi Graf das Tennis groß herausgekommen, inzwischen jedoch seien Mannschaftssportarten, Ruhe-Angebote und vor allem Golf angesagt. Jenseits dieser Attribute an den Zeitgeist "gibt es aber auch schöne vertraute Geschichten und Gruppen, die schon seit zig Jahren zusammen nach Dienstschluss Sport treiben".

Sportprogramm als Puffer

Bartoschek, der das Engagement der gut ausgebildeten Übungsleiter der Bank lobt, nennt als zentrales Thema "das Ventil" - nämlich "das Ventil, über Sport zu entspannen und zu erden, bevor es in die Familien geht". Denn: "Wer eine Dreiviertelstunde nach Hause fährt, kann sich oft doch nicht mehr aufraffen. Aber hier, direkt nach der Arbeit, dient das Sportprogramm als Puffer, um sich auszutoben und die Belastungen des Alltags positiv loszuwerden." Auch Dieter Reiter lobt den Sportsgeist made in Germany. Der hat bei Merck eine lange Tradition. Das älteste pharmazeutische Unternehmen der Welt mit Sitz in Darmstadt bietet viel Sport und Spiel. Nebenbei: Auch hier, was selten genug ist, sogar mit eigener Dreifeld-Halle und in 24 Disziplinen. Und: gänzlich kostenfrei. Von mehr als 8000 Beschäftigten machen zehn Prozent bei Badminton, Funktionsgymnastik, Volleyball, Walking & Co. mit. Andere Sportarten wie Golf oder Squash bietet Merck an anderen Trainingsstätten an.

Reiter, Leiter Soziale Dienstleistungen bei Merck, preist die "kurzen Wege". Und auch er sucht alles andere als die Konkurrenz mit städtischen Vereinen. "Betriebssport ist Freizeit, er ist Breitensport und bietet die Möglichkeit, auch mal ein privates Wort mit Kollegen zu wechseln", sagt er. "Er eröffnet Kommunikation und Integration und macht es auch neuen Kollegen einfacher, dass sich die Türen öffnen." Statt abends alleine auf der Couch in die Röhre zu gucken, "kann Sport ihnen alles leichter machen". Vielleicht auch beim Bierchen danach.

Kritik äußert er auch. Nämlich daran, dass einerseits die gesundheitliche Vorbeugung staatlich gewünscht sei, aber just jener Staat die Betriebssport-Angebote als geldwerten Vorteil steuerlich abziehe. Reiter: "Das ärgert mich."

Betriebssport ist nach Reiters Philosophie deshalb so produktiv, "weil es wunderbar ist, mit Kollegen gute Stunden zu erleben und das Ganze bei Gesprächen ausklingen zu lassen. Das verbindet und macht frei in Körper wie Seele".

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