Spielt ab Freitag in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof: Dominic Thiem. dpa
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Spielt ab Freitag in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof: Dominic Thiem. 

Tennis

Gelungener Aufschlag

Tennisturnier im Hangar 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin könnte anderen Wettbewerben Vorbild sein.

Nach seinem Rasensieg beim ersten Berliner Einladungsturnier blickte Dominic Thiem schnell der nächsten Aufgabe entgegen. Das leicht veränderte Teilnehmerfeld um den Österreicher schlägt ab Freitag in der Hauptstadt im Hangar 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof auf – eine ungewöhnliche Premiere.

„Die Location ist cool, deshalb freue ich mich drauf. Vielleicht spielt man nur einmal in seinem Leben in einem Hangar, deshalb will ich jedes Detail genießen“, sagte der 26 Jahre alte Thiem, der zuvor im Steffi-Graf-Stadion den Italiener Matteo Berrettini nach über siebenstündiger Regenpause im Finale mit 6:7, 6:4 und 10:8 besiegen konnte.

Auch Frauen-Bundestrainerin Barbara Rittner freute sich auf den Umzug. „Anfangs dachte ich, das sei eine nette Idee. Aber jetzt, da ich die Location gesehen habe, muss ich sagen: Es ist eine überragende Idee, etwas ganz Besonderes“, sagte Rittner, die in Berlin auch als Turnierdirektorin fungiert, der Berliner Morgenpost.

Rasen-Finalist Berrettini wird im Hangar nicht mehr dabei sein, dafür rückt der Russe Karen Chatschanow ins Feld, zum dem auch wieder der 42 Jahre alte Altmeister Tommy Haas gehört. Julia Görges (Bad Oldesloe) ist nach ihrer Knöchelverletzung ebenfalls raus, sie wird durch Nachwuchshoffnung Alexandra Vecic (Immendingen) ersetzt.

Das Turnier im Steffi-Graf-Stadion litt unter dem frühen Aus der Deutschen und magerer Zuschauerzahlen. Für Rittner jedoch stand im Mittelpunkt, dass sich das strenge Hygienekonzept bewährt hat und das Turnier nach der Corona-Pause ohne Zwischenfall über die Bühne gehen konnte – war Berlin doch in Deutschland das erste Event mit Top-Besetzung, bei dem wieder Publikum zugelassen war.

US Open in Gefahr

„Bislang ist alles reibungslos verlaufen. Da muss man den Aktiven und ihren Teams wirklich ein Kompliment machen“, lobte Rittner. Auch von den Zuschauern sei das 59-seitige Hygienekonzept samt Desinfektionssäule und wiederholtem Fiebermessen angenommen worden. Es habe dafür aber auch seinen Preis gehabt, betonte Rittner, deshalb habe man die Ticketpreise (120 bis 150 Euro) anheben müssen.

Ob das Konzept – wie angekündigt – auch von den Weltverbänden ATP und WTA für ihren Re-Start Anfang August als Vorbild angesehen wird, blieb zunächst offen. Weiterhin fraglich scheint insbesondere der geplante Re-Start der Männer-Turniere im August in den USA – mit den US-Open vom 31. August an. Immer wieder vermelden die USA neue Rekordzahlen an Infektionen, in New York sollen laut jüngsten Medienberichten die Bewohner verstärkt die Flucht aufs Land antreten.

Auch Rittner hat ihre Zweifel, dass bald in den USA wieder gespielt wird. „Dass die Damentour wie geplant Anfang August in Europa startet, halte ich für realistisch. Aber angesichts der immens hohen Infektionszahlen in ganz Amerika sehe ich nicht, dass Ende August die US Open in New York stattfinden, vor allem weil die Reisebeschränkungen hoch sind“, sagte sie und fügte vielsagend an: „Als Spielerin würde ich nicht hinfliegen wollen.“ (sid)

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