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Der Erstplatzierte Karl Geiger bejubelt seinen Sieg auf dem Podium beim Weltcup in Engelberg.

Skisprung-Weltcup in Engelberg

Geigers Traum-Wochenende

Der erste Sieg und plötzlich wichtig: Karl Geiger erlebt in der Idylle von Engelberg endgültig seinen Durchbruch. Für die Tournee ist der Bayer jetzt einer der deutschen Top-Kandidaten. Trainer Schuster zeigt sich erleichtert.

Für Karl Geiger war in der Stunde seines größten Erfolgs alles neu.

Plötzlich war er der gefragte Mann bei den TV-Kameras, plötzlich musste er bei der Pressekonferenz im großen Auditorium sprechen - und plötzlich blickten seine Teamkollegen um Olympiasieger Andreas Wellinger gespannt auf ihn, schließlich musste er nun Einen ausgeben. „Jetzt gibt's eine Runde Bier, das ist so Tradition. Beim ersten Weltcupsieg kommt man da nicht raus“, sagte der strahlende Geiger am Samstagabend. Nach seinem Sieg zählt er auch bei der Vierschanzentournee zum erweiterten Favoritenkreis.

In der Schweiz wurde die Bierspende für's Team zu einem teuren Vergnügen für den 25-Jährigen, doch den wunderbaren Tag konnte Geiger nichts und niemand mehr verhageln. „Ein großes Bier für uns Trainer, ein kleines für die Sportler“, präzisierte der bestens gelaunte Bundestrainer Werner Schuster.

Er beobachtet in seinem Team derzeit eine Wachablösung: Severin Freund und Richard Freitag, der 364 Tage vorher den bisher letzten deutschen Weltcup-Sieg feiern durfte, verlieren als jahrelange Weltklasse-Athleten massiv an Boden, beide holten in Engelberg keine Punkte. Geiger und Stephan Leyhe hingegen glänzen mit immer mehr Klasse und Konstanz.

Als Geiger am Samstagabend auf 141 Meter sprang und euphorisiert die Fäuste schwang, war sein Durchbruch vom Zweite-Reihe-Springer zum Weltklasse-Mann endgültig besiegelt. „Gewinnen ist halt nicht so leicht. Gewinnen ist halt gewinnen. Das ist schon toll“, sagte Schuster. Die Kulisse beim ersten Sieg hätte kaum schöner sein können als die herrliche Schanze am Fuße des Titlis-Berges mitten in der Schweizer Idylle. „Ich bin einfach nur überglücklich“, sagte der neue Siegspringer, der im ersten Moment spürbar um Fassung und auch um Worte ringen musste.

So spät wie Geiger, der schon das siebte Jahr im Weltcup springt, schaffen wenige den allerletzten Schritt in die absolute Spitze. Den Aufschwung bestätigte auch sein vierter Platz beim zweiten Springen am Sonntag. Diesmal siegte wieder der eigentliche Überflieger: Ryoyu Kobayashi aus Japan, der auf 144 und 137 Meter flog und seinen siebten Platz vom Vortag relativierte. Der 22-jährige Kobayashi fährt damit als klarer Topfavorit zur Tournee, die am 30. Dezember in Geigers Heimatort Oberstdorf beginnt.

Für die Öffentlichkeit wird der schüchterne und zurückhaltende Geiger immer präsenter. „Er hat es sich wirklich verdient, er ist ein Kämpfer. Er ist immer besser geworden. Er kann sehr gut abspringen und gut den Sprung verbinden. Er hat es sich mehr als verdient“, lobte Schuster. Der langjährige Trainer aus Österreich kennt den bodenständigen Allgäuer und weiß: Geiger ist kein Lautsprecher, Geiger ist auch kein Supertalent. Aber er ist ein harter Arbeiter, der Schwäche um Schwäche in seinem Sprung ausmerzt, mit viel Training und noch mehr Ehrgeiz.

Vor dem Saisonhöhepunkt Tournee bahnt sich im DSV-Team eine echte Wachablösung an. Während Freund, Freitag und Wellinger beim letzten Test vor Oberstdorf nicht klarkamen, demonstrierten Geiger und Leyhe ihre starke Verfassung. „Wir wollen die Tage jetzt nochmal gut nutzen“, erklärte Geiger und gab damit die Marschrichtung für die Vorweihnachtswoche aus. In den kommenden Tagen wollen die Schützlinge von Trainer Schuster noch einen Lehrgang absolvieren, am 28. Dezember wartet in Oberstdorf der erste Medientermin. Einen Tag später geht es im Allgäu mit der Qualifikation los. (dpa)

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