Sehr unzufrieden: Torsten Mattuschka.
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Sehr unzufrieden: Torsten Mattuschka.

Vorredner und Vordenker

Gegen jede Romantik

Schluss mit lustig nach dem 1:1 gegen Erzgebirge Aue. Unions Torsten Mattuschka geht mit den Kollegen hart ins Gericht.

Von Matthias Wolf

Torsten Mattuschka war verärgert. Selbst seine bekannten Späße kamen diesmal irgendwie anders rüber. Vielleicht war es auch gar nicht witzig gemeint. Was er denn mit dem Drittel jener Medaille für das Tor des Monats gemacht habe, das Silvio ihm geschenkt hat? Der Brasilianer hatte die Auszeichnung für den Titel öffentlichkeitswirksam zersägt – und so die Vorbereiter seines Seitfallziehers, Mattuschka und Patrick Kohlmann, mit einem Teil bedacht. Nun grummelte der Kapitän: „Keine Ahnung, wo das Teil ist. Das habe ich, glaube ich, verloren.“ Pause. „Das war eh nicht echt, ich habe es überprüfen lassen.“ Zwei Sätze, die dieser Aktion in Elf-Freunde-müsst-ihr-sein-Manier so ziemlich jede Romantik nehmen. Selbst für einen Mattuschka war eben Schluss mit lustig nach dem 1:1 seines 1. FC Union Berlin beim FC Erzgebirge Aue.

Warum eigentlich? Es ist ja nichts Ungewöhnliches passiert beim Zweitligisten. Der hat wieder einmal auswärts nicht gewinnen können – das ist seit dem 3. April 2011 Routine. Doch Anzeichen dafür, wie genervt der Anführer von diesen erfolglosen Auftritten in der Fremde ist, hatte es schon in den vergangenen Tagen gegeben. Er weigerte sich demonstrativ, weiter die bekannten Parolen vom Auswärtssieg zu verbreiten: „Dieses Thema kann ich überhaupt nicht mehr hören. Dabei habe ich immer versucht, offensiv ranzugehen. Es hat alles nichts gebracht. Deswegen halte ich zur Abwechslung mal meine Klappe.“ Und das ist bei ihm in etwa so, als würde ein Nonne das tägliche Gebet verweigern.

In Aue war der Vorredner und Vordenker schon wieder gesprächiger. Was er sagte, dürfte aber manchem nicht gefallen. Auch einem Silvio nicht, der freistehend das Kunststück schaffte, am Tor vorbeizuköpfen. „Es kotzt mich an, dass wir nicht unbedingt den Sieg gewollt haben“, sagte Mattuschka. Auch von fehlender Geilheit war die Rede. „Wir hätten brutaler auf das zweite Tor spielen müssen.“

Herausragende Schlagtechnik

Damit wird klar: Auswärtsschwäche ist spätestens dann nicht mehr Normalität, wenn der Gegner aufgrund eines Platzverweises dezimiert ist. „So ein Spiel müssen wir gewinnen, wenn wir 60 Minuten in Überzahl sind. Wir hatten so viele Chancen, nutzen die nicht – da sind wir selbst schuld.“ Mattuschka ist der Ansicht, Union dürfe sich „nicht immer nur auf die Heimspiele verlassen“. Offenbar gab es auch ein internes Ziel, das fürs Erste verpasst wurde: „Wir wollten nach dem Spieltag 20 Punkte haben, die Hälfte.“ Von dem, was man gemeinhin braucht. Für den Ligaerhalt.

Doch in Wahrheit geht es längst um mehr: Gäbe es nur Heimpartien, wäre Union mit 15 Zählern und Platz drei ein Anwärter für mehr – auf dem Auswärtstableau (drei Punkte) hingegen reicht es nur für Rang 15. „Ich kann nicht verstehen, warum wir diese zwei Gesichter haben“, sagte Mattuschka. Auch Trainer Uwe Neuhaus betonte, er habe anfangs „schon Angst bekommen“ ob der Zaghaftigkeit seiner Equipe; erst nach dem furiosen Freistoß-Treffer von Mattuschka und dank der numerischen Überlegenheit habe man das Spiel gedreht. Dann aber zeigte Union ein altbekanntes Problem, das wohl nur daheim überwunden scheint: „Wir haben die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor vermissen lassen“, sagte Neuhaus.

So war am Ende nur einer zu loben: Mattuschka. Obwohl unter der Woche noch von einer Erkältung geschwächt, zeigte er einmal mehr, warum er unverzichtbar ist. Am besten brachte das Aues Trainer Rico Schmitt auf den Punkt: „Mattuschka hat eine herausragende Pass- und Schlagtechnik am ruhenden Ball. Eine Sensation.“ Und das sogar auswärts.

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