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Küsschen für die Weltmeisterin: Victoria Carl (rechts) herzt Maiken Caspersen Falla aus Norwegen.

Ski-WM

Wie ein gefühlter Sieg

Langläuferin Victoria Carl belegt einen ganz starken fünften Platz im Freistilsprint.

In den Minuten danach half auch Zwicken nichts. Der Moment war für Victoria Carl noch zu groß. „Ich kann das gar nicht glauben“, krähte die 23-jährige Thüringerin nach ihrem fünften Platz im WM-Sprint. Mit dem Halbfinale, den Top-12, hatte sie leise geliebäugelt. Nun lief sie auf der ganz großen Bühne des Finals. Dass sie dort mit der Entscheidung nichts zu tun hatte und nur die gestürzte Schwedin Maja Dahlquist hinter sich lassen konnte – geschenkt. „Ich habe mir jetzt schon einen Traum erfüllt“, schwärmte Carl. Und auch Bundestrainer Peter Schlickenrieder durfte sich zufrieden die Hände reiben: „Das hat sie absolut super gemacht.“

Schlickenrieder hatte ja eigentlich am ehesten Sandra Ringwald zugetraut, seiner Mannschaft bei diesem Auftaktwettbewerb ein bisschen Rückenwind für die weiteren Wettbewerbe in Seefeld zu verschaffen. Die Schwarzwälderin, die zuletzt beim allerdings nicht unbedingt erstklassig besetzten Weltcup in Italien mit Platz zwei für Aufsehen gesorgt hat, ist mit 28 Jahren ja schon die Veteranin und der Leitwolf im blutjungen deutschen Team. Doch in Seefeld verkalkulierte sich Ringwald im Halbfinale. Ähnlich wie zuletzt in Cogne suchte sie ihr Heil in der Flucht und wurde am Ende vom Feld überrollt. „Ich bin total überrumpelt worden“, sagte sie.

Auch von Victoria Carl. Die Frau aus Zella-Mehlis hatte sich in Viertel- und Halbfinale ganz nach der Empfehlung des ehemaligen Topsprinters Schlickenrieder bis zuletzt in Lauerstellung gehalten und sprintete dann im Endspurt als Viertelfinalsiegerin und Halbfinalzweite in die nächste Runde. Was für den Bundestrainer dann doch auch eine logische Entwicklung war. Schlickenrieder hatte sich zuletzt in Italien noch schwer getan, Carls sechsten Platz über die zehn Kilometer einzuordnen. Nun konnte er es doch: „Man sieht, dass die Formentwicklung bei ihr stimmt.“

Da war es auch kein wirklicher Wermutstropfen, dass die Männer nicht nachziehen konnten. Janosch Brugger und Sebastian Eisenlauer fehlten als 42. und 43. jeweils rund zwei Sekunden für den Sprung in die K.o.-Runden. Carls Auftritt war auch eine Botschaft: Bei dieser WM, die für das deutsche Langlaufteam eigentlich nur als Zwischenstation auf dem weg zur Heim-WM in 2021 in Oberstdorf eingeplant war, könnte auch mehr drin sein als die bloße Statistenrolle.

Vor allem der Teamsprint am Sonntag (9.15/11.30 Uhr) könnte interessant werden. Weil die Allgäuerinnen Laura Gimmler (20.) und Sofie Krehl (28.) im Viertelfinale hängen blieben, spricht nun natürlich viel dafür, dass sich Victoria Carl und Sandra Ringwald gemeinsam miteinander versuchen dürfen. Carl indes ist das schon fast egal. „Ob es am Samstag oder am Sonntag ist, ist mir eigentlich egal“, sagte sie, „Ich freue mich einfach auf alle Rennen, die hier noch kommen“.

Autor: Patrick Reichelt

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