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War es das schon? Der Karlsruher Edmond Kapllani.

Tabellenschlusslicht

Gefühlter Abstieg

Karlsruher SC schafft auch im siebten von acht Rückrundenpflichtspielen kein Tor. Von Reinhard Sogl

Von REINHARD SOGL

Gedankenverloren trottete Edmund Becker im Zeitlupentempo Richtung Interviewplatz, als sich in seinem Rücken die Reihen schlossen. Was aussah wie die Abgrenzung vom Trainer, war das Gegenteil davon, nämlich der Versuch der noch nicht vom Fernsehen angeforderten Spieler des Karlsruher SC, Zusammenhalt zu demonstrieren. "Wir haben uns noch auf dem Platz geschworen, dass wir auch in den letzten zehn Spielen noch weitermachen - dann kommen wir da unten auch raus", berichtete Kapitän Christian Eichner von seiner nach dem Schlusspfiff spontan einberufenen Abteilungsversammlung am Anspielpunkt, wo die konsternierten Karlsruher Kicker einen Ring der Nibelungentreuen bildeten. Die Formation versinnbildlichte die Lage der Mannschaft: Sie dreht sich seit Wochen im Kreis.

Zum siebten Mal im achten Pflichtspiel des Jahres 2009 blieb die Elf von Ede Becker bei der wieder einmal völlig unnötigen 0:1-Heimniederlage gegen grotesk rumpelfußballernde Bielefelder Arminen ohne eigenen Treffer, zum x-ten Mal in der Saison waren die Karlsruher Torverweigerer spielerisch klar überlegen (65 Prozent Ballbesitz, 18:9 Schüsse, 53:21 Flanken), "aber die Analyse des Spiels fällt wie in den letzten Wochen immer gleich aus. Die Mannschaft versucht, Fußball nach vorne zu spielen, aber Fakt ist: Wir erzielen keine Tore", sagte Becker, der eingestand: "Es sieht düster aus. Aber es wäre fatal, wenn wir jetzt schon die Segel streichen würden."

Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Trotz der unvermeidlichen wie verständlichen Durchhalteparolen (Becker: "Der Abstand ist nicht uneinholbar"; Eichner: "Wir glauben an uns"; Manager Rolf Dohmen: "Wir werden die Mannschaft nach vorne treiben, um das Unmögliche noch zu schaffen und müssen am Samstag bei den Bayern damit anfangen") war das kollektive Empfinden nach dem verlorenen so genannten Sechs-Punkte-Spiel der gefühlte Abstieg. Der viel zu braven Mannschaft trauen die KSC-Fans nicht mehr zu, der normativen Kraft des Faktischen zu trotzen.

Ihr Unmut über manche diskussionswürdige Personalie von Becker wie der Einsatz des Alibifußballers Marco Engelhardt oder die Auswechslung des überragenden Spielgestalters Antonio da Silva hielt sich in Grenzen. In einem Anflug von Sarkasmus sagte der leichenblasse Manager Dohmen später, dass der KSC die Lizenzunterlagen für die erste Liga an diesem Montag gar nicht erst zur DFL nach Frankfurt schicken werde, ehe er klarstellte: "Natürlich werden wir sie einreichen."

Bis zum 1. April wird der designierte Absteiger dann aber auch den Finanzplan für die zweite Liga abgeben. Dohmen: "An den Vorarbeiten sitzen wir seit Januar dran." Diese Unterlagen, deren Einsatz so sicher ist wie Edmond Kapllanis Torblockade, sind ein rigoroses Sparprogramm. "In der zweiten Liga müssten wir uns brutalst nach der Decke strecken", sagte Dohmen, der für den Fall des "schweren Schritts" einen "kompletten Neuanfang" prognostizierte. Nur acht bis zehn Verträge hätten auch für Liga zwei Gültigkeit.

Trotz einer fürs Oberhaus unwürdigen Leistung sind solche Gedankenspiele in Bielefeld akut nicht nötig. "Das war ein dreckiger Sieg, den man im Abstiegskampf auch mal braucht", sagte der wieder einmal überzeugende Torhüter Dennis Eilhoff. Und auch das Quäntchen Glück, wie es Trainer Michael Frontzeck mit der Einwechslung in der 84. Minute des sonst in der fünften Liga beschäftigten Zlatko Janjic hatte.

Zwei Minuten, nachdem der Amateur für den indisponierten Torjäger Artur Wichniarek ins Spiel gekommen war, bewies Janjic die Stirn, das wieder einmal zögerliche Eingreifen von KSC-Schlussmann Markus Miller nach Freistoß von Markus Schuler zu seinem ersten Bundesligatreffer zu nutzen, der den Spielverlauf auf den Kopf stellte. Kein Umstand, der Frontzeck ein schlechtes Gewissen bereitet hätte: "Es war ein glücklicher Sieg, aber wir sind in der Vergangenheit auch oft nicht belohnt worden. Ich bin deshalb weit davon entfernt, dass ich mich heute für die drei Punkte entschuldigen muss."

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