Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Einsatz von Operationsbesteck könnte in vielen Fällen vermieden werden, wenn eine rechtzeitige Diagnostik stattfände.
+
Der Einsatz von Operationsbesteck könnte in vielen Fällen vermieden werden, wenn eine rechtzeitige Diagnostik stattfände.

Gefäßchirurgen machen mobil

Durchblutungsstörungen sind Todesursache Nummer einsVerkalkte Gefäße können Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen oder zur Amputation von Gliedmaßen führen. In Deutschland sind Herz- und Gefäßerkrankungen nach Auskunft von Fachleuten immer noch Todesursache Nummer eins.

Stuttgart (ap). Verkalkte Gefäße können Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen oder zur Amputation von Gliedmaßen führen. In Deutschland sind Herz- und Gefäßerkrankungen nach Auskunft von Fachleuten immer noch Todesursache Nummer eins und werden, bedingt durch die demographische Entwicklung, vermutlich weiterhin zunehmen. Die Gefäßchirurgen schlagen Alarm: Die Behandlungsmöglichkeiten seien zwar gut, aber zu wenig bekannt.

Viele Amputationen oder Schlaganfälle ließen sich vermeiden, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG). "Studien belegen, dass etwa die Amputationsrate bei Diabetikern um mehr als 50 Prozent gesenkt werden könnte", sagt Thomas Hupp, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßkrankheiten am Stuttgarter Katharinenhospital.

Mit einer schlichten Rechnung verdeutlicht er diese Aussage: Im Jahr 2001 wurden nach Angaben der Krankenkassen 43.500 Amputationen wegen Durchblutungsstörungen durchgeführt. Es gibt jedoch in Deutschland nur 150 Spezialkliniken für Gefäßkrankheiten. "Die Experten haben also längst nicht all diese Amputationsfälle gesehen." Oft werde zu früh und unnötig amputiert. Gerade bei Diabetikern ließen sich Problemfälle frühzeitig erkennen und Amputationen dadurch vermeiden vorausgesetzt, das nötige Wissen sei vorhanden.

"Es ist eine ungute Entwicklung", bestätigt Hupps Kollege Klaus Balzer, Präsident der DGG. Von den immer noch 100 000 tödlichen Schlaganfällen pro Jahr und rund 250 000 Neuerkrankungen ließe sich mindestens ein Viertel durch rechtzeitige Diagnostik vermeiden. Doch während der Patient bei Herzproblemen selbstverständlich den Kardiologen aufsuche, sei der Gang zum Gefäßchirurg noch längst nicht üblich.

Die Spezialisten für Arterien und Venen ärgern sich denn auch über Kollegen, die in ihrem Revier wildern und Patienten nicht rechtzeitig an den Fachmann weiterleiten. "Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ein mangeldurchblutetes Bein mit Geschwüren oder übel riechenden Wunden gerne verdrängt wird", mutmaßt Balzer. Auch der Verdacht, dass Allgemeinmediziner den Zusammenhang nicht erkennen, drängt sich auf. "Die oft rein zufällige Zuweisung der Patienten zum Gefäßchirurgen sollte ein Ende haben", fordert Hupp.

Bei all diesen Erkrankungen hat es Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung gegeben, die für den Patienten immer weniger belastend sein sollen. Die Ärzte gehen davon aus, dass jeder dritte Bundesbürger über 40 Jahre verkalkte Gefäße hat. Rauchen, Bluthochdruck, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung gelten als Hauptursachen. Entsprechend weit verbreitet sind die Folgen. Bei Krampfadererkrankungen etwa wird geschätzt, dass jeder sechste Mann und jede fünfte Frau unter einer so genannten chronisch venösen Insuffizienz leidet. Das bedeutet, dass die Venenklappen in den Beinen das Blut nicht mehr richtig zum Herz transportieren, so dass es sich im Bein staut.

Vom Kompressionsstrumpf bis zur Operation

Was gemeinhin als Schönheitsfehler gilt, kann schwere Auswirkungen haben, etwa Entzündungen und Thrombosen. Gefäßchirurgen haben die Möglichkeit, bereits in einem frühen Stadium zu erkennen, inwieweit der Blutumlauf im Bein beeinträchtigt ist und in welchem Zustand sich das Venensystem befindet. Die Therapie reicht vom Kompressionsstrumpf über neuartige Verödungs-Medikamente bis hin zur Operation.

Durchblutungsstörungen in den Beinen wiederum werden häufig als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Die Betroffenen haben Schmerzen beim Gehen und bleiben deshalb immer wieder stehen, um sich Linderung zu verschaffen. Schätzungsweise vier Millionen Bundesbürger sind betroffen; ein Drittel davon hat Symptome, beim Rest wird die Erkrankung nach Angaben der Gefäßchirurgen erst durch eine Routineuntersuchung erfasst. Wie Krampfadern kann auch die Arteriosklerose schwerwiegende Folgen haben, von den Schmerzen beim Gehen über offene Beine bis hin zur Amputation. Außerdem erhöht sich bei den Betroffenen das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Vor allem die frühzeitige Diagnose sei deshalb wichtig, sagen die Ärzte. So lassen sich beispielsweise verengte Halsschlagadern säubern oder aufdehnen, bevor es zum Schlaganfall kommt. Die vorhergehende Untersuchung ist einfach genau wie bei einer krankhaften Erweiterung der Bauchschlagader, die sich zunächst durch eine schlichte Ultraschalluntersuchung feststellen lässt. Umso unverständlicher für die Gefäßchirurgen, dass verhältnismäßig wenig Vorsorge betrieben wird. Sie verweisen auf die Kosten, die sich dadurch einsparen ließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare