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Zuvorkommend und rasend schnell: Valtteri Bottas, Mercedes-Pilot aus Finnland.

Formel 1

Der gefährlich nette Herr Bottas

Weltmeister Lewis Hamilton könnte am Teamkollegen scheitern – weil der so freundlich ist?

Nico Rosberg glaubt zu wissen, wie es geht. Nett und höflich müsse man sein, bloß nicht anecken – dann könne man Lewis Hamilton im Teamduell schlagen. Und Weltmeister werden. Das schaffte der Deutsche im Jahr 2016, und nun könnte der ewig unterschätzte Valtteri Bottas es ihm nachmachen.

Eine „interessante Dynamik“ hat Rosberg im Zweikampf bei Mercedes zumindest schon ausgemacht. Vor dem fünften Saisonrennen am Sonntag (15.10 Uhr/RTL) in Spanien führt Bottas das WM-Klassement mit einem Punkt Vorsprung auf Titelverteidiger Hamilton an. Und das, so Rosberg, ist kein Zufall.

„Valtteri hat den Dreh raus, den ich erst in meiner letzten Saison gefunden habe“, erklärt der 33-Jährige, der sich über Jahre ein ziemlich giftiges Duell mit dem Engländer geliefert hatte: „Man darf den Lewis nie ärgern. Wenn er sauer wird, dann ist er motivierter, konzentrierter, dann beißt er wie ein Terrier.“

Neutral und sympathisch solle man sich stattdessen geben, „und Valtteri macht ja auch immer einen auf bester Kumpel“. Um Hamilton zu besiegen, sollte man also bloß dessen Gleichmut nicht stören? Braucht er für Spitzenleistungen Reize von außen? Das klingt irgendwie nicht nach einem, der gerne als bester Pilot der Gegenwart und als einer der besten der Geschichte gesehen wird.

Und tatsächlich steht im Teamduell 2019 ein wenig Hamiltons Ruf auf dem Spiel. Verliert er den Titel in diesem Jahr an Bottas, dann unterliegt er schon zum zweiten Mal einem eigentlich schwächer eingeschätzten Rivalen im gleichen Auto. Nach dem netten Herrn Rosberg nun auch noch der nette Herr Bottas? Den Allergrößten sollte soetwas eigentlich nicht passieren.

Als Beleg für seine These dient Rosberg indes das vergangene Rennen in Baku. Nach dem Start zog Hamilton in der Kurve gegen den Teamkollegen zurück und verzichtete auf die Kampflinie – Bottas blieb vorne, gewann schon sein zweites Rennen in diesem Jahr und setzte sich wieder an die Spitze des Klassements.

„So zahm“, sagt Rosberg, „habe ich Lewis in einem Rad-an-Rad-Duell noch nie gesehen. Bei mir wäre das damals anders gelaufen.“ Hat Bottas den Weltmeister also erfolgreich eingelullt? Hamilton selbst erklärte die Szene später mit dem gegenseitigen Respekt zwischen dem aktuellen Silberpfeilgespann. Und das durfte durchaus auch als später Seitenhieb auf Rosberg verstanden werden.

Wie lange hält der Frieden?

„So gehen wir miteinander um. Wir besprechen Dinge vor dem Rennen, wir einigen uns als Gentlemen, und wir halten uns daran“, sagte Hamilton: „So sollte es sein.“ Fraglich ist allerdings, ob er seinem Teamrivalen derartige Erfolge auch in der heißen Phase der Meisterschaft noch durchgehen lassen würde.

Denn so langsam schien dem Briten schon in Baku zu dämmern, dass ihm aus der Garage nebenan vielleicht doch der größte Rivale in diesem Jahr erwachsen könnte. Denn Ferrari mit Sebastian Vettel und Charles Leclerc schwächelt. Und Bottas, zwar immer noch höflich und zurückhaltend im Umgang, präsentiert sich auf der Strecke stärker und energischer als zuvor.

„Wenn ich eigensinnig gewesen wäre, dann hätte ich in der Kurve härter sein können, und Valtteri hätte seine Position verloren“, merkte Hamilton dann auch an: „Ich war zu freundlich.“ Vielleicht ist schon vor dem Großen Preis von Spanien ja doch der Terrier in Hamilton erwacht. Obwohl Valtteri Bottas ein netter Kerl ist. (sid)

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