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Geduld gefragt

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Doch Bundestrainer Werner Schuster lässt sich nicht blenden. Er macht keinen Hehl daraus, dass seine Springer in der Weltspitze nur bedingt konkurrenzfähig sind. Schuster muss es wissen, er ist schließlich Österreicher. Von Wolfgang Hettfleisch

Von Wolfgang Hettfleisch

Sie werden es womöglich nicht glauben, aber ganz so miserabel haben die deutschen Skispringer in den vergangenen Jahren bei der Vierschanzentournee gar nicht abgeschnitten. Der ewige Martin Schmitt beendete die berühmte Sprunglaufserie im vorigen Winter als Vierter und damit zumindest vorübergehend seine sportliche Durststrecke. Ein Jahr zuvor hatte Michael Neumayer die Fachwelt als Dritter der Gesamtwertung verblüfft.

Doch Bundestrainer Werner Schuster lässt sich nicht blenden. Er macht keinen Hehl daraus, dass seine Springer in der Weltspitze nur bedingt konkurrenzfähig sind. Und er erklärt recht unverblümt, dass sich die Defizite seiner Altvorderen Schmitt, Uhrmann und Neumayer bei schwierigen Bedingungen wie jenen am Dienstag in Oberstdorf wohl nicht mehr richtig beheben lassen.

Schuster muss es wissen, er ist schließlich Österreicher. Als Trainer am Skigymnasium in Stams trug er dazu bei, dass jene Grundlagen geschaffen wurden, die Team Austria nun zu Höherem, besser: zu Weiterem befähigen. Es brauchte ja den Teilzeit-Rentner Janne Ahonen, um ein rein österreichisch bestücktes Treppchen im Allgäu zu verhindern.

Das ist schön für unsere Nachbarn und weniger schön für ARD und ZDF. Die holten sich nach zwischenzeitlichem RTL-Event-Gehopse die Rechte in der Hoffnung zurück, die Fernsehnation baldmöglichst mit einem deutschen Siegspringer zu beglücken. Doch Gastarbeiter Schuster mahnt zu Geduld, wie sie nach Goldberger und Widhölzl die Österreicher aufbrachten, bis die nun so schnittig zu Tal segelnden Jungadler flügge waren.

Der ÖSV-Formationsflug mit sechs Springern in den Top Ten von Oberstdorf ist kein Wunder, sondern Ausdruck professioneller Strukturen und langjähriger harter Arbeit. Cheftrainer Alex Pointner und Sportdirektor Toni Innauer werden nicht müde, das gerade gegenüber deutschen Gesprächspartnern zu betonen. Sie hätten wohl nichts dagegen, wenn es ihrem Landsmann Schuster gelänge, eine Generation zu formen, die an die großen deutschen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen kann. Ein Piefke, der die Tournee gewinnen kann, wäre lästig - aber allemal gut fürs Geschäft.

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