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Er hat schon Bundesliga-Erfahrung: Neuzugang Elias Kachunga mit Trainer Ralph Hasenhuettl.

FC Ingolstadt

Furchtlos ins Abenteuer

Aufsteiger FC Ingolstadt zieht ohne große Namen ins erste Bundesligajahr – vom Klassenverbleib ist Trainer Ralph Hasenhüttl dennoch überzeugt.

Von Maik Rosner

Ein bisschen ramponiert hat Ralph Hasenhüttl das Trainingslager in Österreich abgeschlossen. Der Trainer des FC Ingolstadt musste ein Tape am rechten Unterarm tragen. Eine Downhillfahrt mit dem Mountainbike hatte die Muskulatur und Sehnen strapaziert. Zu Scherzen war der Österreicher dennoch aufgelegt, denn er blieb der Einzige, der die intensivste Phase der Vorbereitung in Mittersill mit einer nennenswerten Blessur abgeschlossen hatte. „Wir konnten alles durchziehen. Die Woche ist schnell vergangen“, bilanzierte Hasenhüttl vergnügt.

Wie in Sachen Trainingslager sieht sich der Aufsteiger vor seiner Premierensaison in der Bundesliga auch sonst im Plan. Vier Zugänge haben die Oberbayern verpflichtet, zwingend muss nun nichts mehr passieren, finden sie. Innenverteidiger Romain Brégerie kam ablösefrei von Mitaufsteiger Darmstadt 98, Angreifer Elias Kachunga vom Bundesligaabsteiger SC Paderborn und Linksverteidiger Markus Suttner von Austria Wien. Zudem konnten die Ingolstädter den norwegischen Nationalspieler Örjan Nyland, 24, von Molde FK als Konkurrent für den bisherigen Stammtorhüter Ramazan Özcan gewinnen. Durchaus ein Coup, da auch einige Vereine aus der Premier League an Norwegens Nummer eins interessiert gewesen sein sollen.

Es sind dennoch keine großen Namen, mit denen der FC Ingolstadt in das Abenteuer Bundesliga zieht, gerade einmal elf Jahre nach der Vereinsgründung. Zu den bekanntesten Spielern zählen Kapitän Marvin Matip, der Bruder des Schalkers Joel Matip, sowie Angreifer Lukas Hinterseer. Allerdings verdankt der 24-Jährige seine mediale Beachtung vor allem seinem Onkel, dem Volksmusiker Hansi Hinterseer.

Der Schlüsselspieler ist allerdings der sehr talentierte Mittelfeldakteur Pascal Groß. An 30 Toren war er in der Aufstiegssaison beteiligt, 23 bereitete er vor, der mit Abstand höchste Wert der zweiten Liga. Vor allem als extrem gefährlicher Standardschütze ist der ebenfalls 24-Jährige aufgefallen. Allein an 21 der 23 Treffer nach ruhenden Bällen war Groß beteiligt. Diese Stärke hoffen sie auch in der Bundesliga einsetzen zu können.

Aggressiv verteidigen

Vor allem aber als funktionierende Einheit mit einer aggressiven und hohen Vorwärtsverteidigung will sich der FCI präsentieren, mit einem laufintensiven Spiel gegen den Ball und anschließenden Gegenstößen. Ein durchaus gewagter Stil vor allem gegen die Topklubs. Und eine Spielweise, die Jürgen Klopp einst in seinen erfolgreichsten Zeiten bei Borussia Dortmund perfektioniert hatte und die dessen Kumpel Hasenhüttl nun auch forsch umsetzen möchte. Zusammen mit dem ehemaligen BVB-Coach hat er den Fußballlehrer-Kurs absolviert. Später hat man ihm das Etikett „Alpen-Klopp“ angehängt. Nun soll das rasante Umschaltspiel das sportliche Image der Ingolstädter prägen. „Ich habe keine Angst, dass wir mit dieser Mannschaft zum Prügelknaben oder Punktelieferanten werden. Ich weiß schon, dass wir eine gewisse Qualität haben“, sagt Hasenhüttl selbstbewusst, „natürlich werden wir in fast alle Spiele als Außenseiter gehen, aber das ist ja eigentlich eine schöne Situation.“

Vom Klassenverbleib ist der 47-Jährige nicht nur von Amts wegen überzeugt. Er sieht die Vorzüge seiner Mannschaft in der eingespielten Formation. Und auch in dem Umstand, dass der FCI als in der Bundesliga unbekannte Elf über Überraschungspotenzial verfügt. Mal eine heftige Niederlage zu kassieren, ist durchaus einkalkuliert. Doch Hasenhüttl sieht keinen Anlass, scheu agieren zu lassen. Er sagt zuversichtlich: „Wir werden sehen, ob man mit unserem Spielstil auch in der Bundesliga bestehen kann. Wenn das der Fall ist, wird unser Selbstvertrauen noch weiter wachsen.“

Ein bisschen kritisch beäugt wird der Verein wegen der engen Anbindung an den Ingolstädter Autohersteller Audi. Doch beim FCI verweisen sie auf ihren keineswegs großspurigen Weg mit einem der kleinsten Etats der Liga. „Wir machen keine verrückten Dinge, wir investieren viel in die Infrastruktur und nicht so viel in die Spieler. Aber wir haben trotzdem gute Spieler an Bord“, sagt Hasenhüttl. Stetig und in vernünftigen Schritten zu wachsen haben sie sich vorgenommen, durch potente Geldgeber natürlich mit guten Voraussetzungen. „Wenn wir es schaffen, in der Bundesliga zu bleiben, und davon gehe ich aus, werden wir uns auf Sicht auch in Sachen Stadion vergrößern müssen“, sagt Hasenhüttl, und er findet, dass beim nachhaltig angelegten Projekt FCI „noch viel, viel mehr geht. Ich weiß nicht, wo das Limit ist.“ Die kommende Saison wird erste Aufschlüsse liefern.

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