Designeressen

Functional Food

Noch klingt das alles sehr nach Raumschiff Enterprise: Essen, designed und mit den Stoffen ausgestattet, die man gerade braucht: Eine Banane, die die Angina

Noch klingt das alles sehr nach Raumschiff Enterprise: Essen, designed und mit den Stoffen ausgestattet, die man gerade braucht: Eine Banane, die die Angina heilt; der Apfel, der Brustkrebs vorbeugt; die Kirschen, die die Sehfähigkeit verbessern.

Lebensmittel mit Zusatznutzen tragen den englischen Begriff Functional food, was sich chic anhört. Die Hersteller erzielen damit heute weltweit einen Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro - vor 15 Jahren lag er noch nahe Null. In Europa sind die Deutschen mit sechs Milliarden Euro die führende Nation in Sachen ACE-Getränke, probiotische Joghurts, cholesterinsenkende Margarine und leistungssteigernde Müslis. Die Zukunftsvision, dass man anstelle des Stückchens Würfelzucker bei der Schluckimpfung in eine Gurke beißt, die dieselbe Wirkung hat, klingt verführerisch. Ein Viertel aller Arzneimittel wird durch bio- oder gentechnologische Verfahren hergestellt. Das heißt, in Zellkulturen entstehen durch Import von Genen Insulin für Diabetiker oder Knorpelmasse, die später Patienten mit verschlissenen Kniegelenken injiziert wird.

Auch aus Pflanzenzellen gewinnen Forscher heute Vorstufen von Proteinen, Impfstoffen und Antikörpern.

Forschung auf Hochtouren

Englischen Forscher gelang es, aus genmanipuliertem Pflanzenmaterial Antikörper gegen jene Streptokokken zu züchten, die beim Menschen Karies auslösen. Bei den Probanden, die mehrfach mit der Antikörperlösung spülten, war anschließend kein Erreger mehr im Mund nachweisbar. Idealerweise könnte diese Antikörperlösung nicht wie Fluor in eine Zahncreme, sondern gleich in ein Nahrungsmittel eingebaut werden, nach dem Motto: Iss diese Birne, und du bekommst kein Karies mehr.

Noch weiter gehen Forschungen, Impfstoffe in Produkte einzusetzen. Dann wären beispielsweise keine Spritzen mehr nötig, man müsste nicht für sterile Kanülen sorgen. Insbesondere in Gebieten mit schlechten hygienischen Bedingungen, wie es in den Entwicklungsländern der Fall ist, könnten mit Impfstoffen angereicherte Lebensmittel gegen Infektionskrankheiten oder Mangelerscheinungen eingesetzt werden.

Allerdings muss auf diesem Gebiet noch sehr viel geforscht werden, denn was bei einer Spritze oder Schluckimpfung möglich ist - die genaue Dosierung des Impfstoffes - ist bei Nahrungsmitteln äußerst schwierig.

Immerhin gelang es US-Forschern bereits, bei Testpersonen Antikörperbildung gegen zwei Keime zu erzielen: neben Escheria-coli-Bakterien auch gegen das Norwalk-Virus. Sie hatten ihnen einfach nur mit entsprechend veränderten und abgeschwächten Keimen versetzte Kartoffeln zu essen gegeben. R.L.

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