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Nach einem schweren Unfall übt sich Strunz wieder in Strahlemann-Posen - doch er sagt: "Mein Leben heißt Schmerz."
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Nach einem schweren Unfall übt sich Strunz wieder in Strahlemann-Posen - doch er sagt: "Mein Leben heißt Schmerz."

Fitness-Papst

Fit fürs zweite Leben

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Unter Schmerzen lernte Jogging-Guru Ulrich Strunz, das richtige Tempo für sich zu finden.

Gehen. Trippeln. Walken. Rennen. Das "Fliegen" auf Höhe Null. Das war seine Mission. "Ich habe Deutschland zum Laufen gebracht", sagt Ulrich Strunz. Vorbei. Alles vorbei.

Strunz, 64, der einst als deutscher "Fitness-Papst" tituliert wurde, ist heute schon froh, wenn er sich vier Stunden am Tag auf den Beinen halten kann. Von Laufen, Joggen, Sprinten gar nicht zu reden. "Meine größter Wunsch wäre, mal eine Minute ganz ohne Schmerzen zu sein", sagt der Mann. Immer noch wirkt er superdrahtig; früher bewältigte er Marathon-Strecken und Ironman-Wettkämpfe in Serie. Doch heute brennt es im linken Bein wie Feuer. Irgendetwas bohrt ständig aus dem Rücken in den Kopf hinein. "Mein Leben heißt Schmerz", sagt Strunz.

Seiner Fan-Gemeinde hat der Arzt, Autor und Vortragsreisende in den vergangenen zehn Jahren erklärt, man könne "forever young" sein. "Locker, leicht, lächelnd" in "ein neues Leben" starten, indem man die Joggingschuhe ans Bett stellt und allmorgendlich losläuft. Vier Millionen mal hat das Lesepublikum ihm und seinem Verlag die Botschaft von Fitness, Fettverbrennung und dem Serotonin-gesteuerten "Flow" des Glücks abgekauft. Doch nur wenige wissen: Ihr Lauf-Vorbild muss seit zwei Jahren ein ganz anderes Leben leben.

Es passierte auf Mallorca. Strunz war mit dem Mountainbike unterwegs, kam vom Weg ab, stürzte in eine Schlucht. Feuerwehrleute retteten ihn. Sie schafften Strunz ins Inselkrankenhaus, wo man ihn äußerst unsanft behandelte, obwohl er - wie sich erst Wochen später herausstellte - drei Brustwirbel und acht Rippen gebrochen hatte. "Die haben mich im Bett rumgeschmissen wie einen Sack", erzählt er. Und: "Ich hätte querschnittsgelähmt sein können." Oder "tot". Strunz flüchtete nach Deutschland - im Flugzeug der Notrettung. Nach und nach stellte sich heraus, was in dem durch Fitness-Training gestählten Körper alles kaputt war.

Er fand irgendwo "in der Provinz" eine Medizin-Kapazität, die sich eine Operation der kaputten Wirbel zutraute und zur Stabilisierung Titanplatten einsetzte. Doch Strunz plagte sich auch mit Selbstmord-Gedanken: "Wissen Sie, ich habe einen Waffenschein. Und ein Gewehr zu Hause."

Training gegen die Lähmung

Strunz nennt sich einen "Krüppel". Er muss mehrfach täglich Schmerzmittel einnehmen, um halbwegs normal leben zu können. Doch weg sind die Schmerzen nicht, nur gedämpft. Zuerst schleifte ein Bein, Folge eines gelähmten Nervs. Heute sieht man das nicht mehr. "Ich gehe rum, ohne dass Sie es merken", sagt Strunz. Wie das? Die anderen Muskeln habe er so trainiert, dass sie den Job mit übernähmen.

Der "Forever young"-Arzt, inzwischen lang- statt kurzhaarig, um die Narbe am Schädel zu verdecken, arbeitet jetzt wieder. Er berät und behandelt Patienten in seiner Privatpraxis in Roth bei Nürnberg. Aber nur zwei pro Morgen. "Mehr schaffe ich nicht." Dann fährt er im Auto nach Hause. Er muss viel liegen, doch er liest viel und schreibt am Computer. Und er trainiert den Körper mit Geräten. Dabei hält er sich strikt an seine "Steinzeit-Diät": Morgens nur etwas zu trinken, mittags Nüsse, abends Gemüse und Obst bis zum Abwinken, Bioqualität natürlich, aber auch gutes Fleisch. "Das muss sein, obwohl ich eigentlich Vegetarier bin", sagt Strunz. Genussmittel sind tabu. Mal abgesehen von einem Tässchen Espresso, ab und an.

"Krüppel" zu sein, das sei nun halt der Normalzustand, sagt Strunz. Aber man könne "Lebensqualität draufpacken". Trotz der permanenten Schmerzen und der hochdosierten Medikamente behauptet er: "Ich bin ein fröhlicher Mensch." Und: "Ich bin stärker als früher."

Denn Strunz hat eine gewisse Distanz zum Strunz von früher entwickelt. Nicht zu seiner Lauf- und Ernährungslehre, nein, die sei ja weiter richtig. Sondern zu der Art, wie er sein Leben lebte. Als ein Magazin ihn vor dem Unfall mal einen "Besessenen" nannte, habe er sich mächtig aufgeregt. Heute sagt er: "Die hatten ja Recht." Er war ein Workaholic mit 16-Stunden-Tagen, bis zu 200 Vorträgen pro Jahr, kaum Zeit für die Familie. Er sei doch ein "Kotzbrocken" gewesen. Früher habe er die Leute Fitness gelehrt, um das Leben zu verlängern. Das sei "ein bisschen egoistisch" gewesen. Nun wisse er: Es gibt ein Leben zu zweit. In einem Interview bekannte er: "Uli Strunz hat die Liebe entdeckt".

Gefragt, wie alt er werden wolle, sagte Strunz früher: 116 Jahre, nämlich: "120 minus ein paar Sünden". Heute kommt es ihm nicht mehr so drauf an. Doch über 90 sollen es schon sein. Er hat noch so viel zu sagen. Demnächst kommt ein neues Buch von ihm raus. Es soll den Leuten zeigen, wie sie durch Essen ihr Fett wegkriegen.

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