Interview

"Fünf am Tag"

Frankfurter Rundschau: Herr Professor Pietrzik, es ist verwirrend: Auf der einen Seite warnen Forscher vor der Einnahme von zu vielVitaminpräparaten, andere

Frankfurter Rundschau:Herr Professor Pietrzik, es ist verwirrend: Auf der einen Seite warnen Forscher vor der Einnahme von zu vielVitaminpräparaten, andere hingegen sagen, wir nähmen immer noch zu wenig Vitamine aus natürlicher Nahrung zu uns.

Klaus Pietrzik: Dem Körper ist im Grunde egal, ob er die Vitamine aus einer Tablette oder aus Obst und Gemüse bekommt. Fest steht, dass wir alle der sinnvollen Empfehlung, jeden Tag vier bis fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, nicht folgen. Deswegen sind Tabletten für viele Menschen sinnvoll. Eine ausgewogene Ernährung ist aber die bessere Alternative, weil damit zusätzliche nützliche Inhaltsstoffe aufgenommen werden, zum Beispiel Isoflavone und andere sekundäre pflanzliche Inhaltsstoffe, die ebenfalls antioxidativ wirken.

Was soll man denn tun?

Nehmen wir zum Beispiel die Folsäure. Die Versorgung damit liegt in Deutschland im Keller. 400 Mikrogramm braucht der Mensch am Tag, er nimmt aber nur gut die Hälfte zu sich. Eine Folge sind Schädigungen des Kindes im Mutterleib, aber nicht nur das. In den USA gibt es 40 000 Todesfälle im Jahr weniger durch Herzerkrankungen und Schlaganfälle, seitdem die Lebensmittel dort gesetzlich vorgeschrieben mit Folsäure versetzt werden. Und ältere Menschen, die oft an Gastritis erkranken und deswegen schlechter Vitamin B12 aus ihrer Ernährung aufnehmen können, müssen dieses Vitamin zusätzlich nehmen.

Aber zu viel schadet. So wie bei den Rauchern, die Betakarotin nahmen und anschließend nicht weniger, sondern häufiger Lungenkrebs bekamen.

Diese Versuchsreihen hatten einen entscheidenden Fehler. Es gibt etwa 40 Carotionide, die der Körper aufnehmen kann. Alle werden im Darm an einer Stelle resorbiert. Gibt man den Menschen aber jeden Tag überhöhte Dosen eines einzigen Carotionids, in diesem Fall war es Betakarotin, ist die Resorptionsstelle blockiert, und die anderen nützlichen Carotionide kann man dann nicht aufnehmen. Das führte dann dazu, dass zu viel von dem einen schadete. Die Industrie hat reagiert und für Raucher entsprechende Warnhinweise formuliert.

Wie kann der Gesetzgeber die Menschen davor schützen, sich unkontrolliert mit Vitaminen voll zu stopfen? In den USA gibt es schon gesetzlich formulierte Höchstdosen, in Europa bisher noch nicht, aber das ändert sich gerade. Auch hier sollen auf Packungen Hinweise stehen oder manches nicht mehr frei verkäuflich sein. Bestimmte Vitamine in hoher Dosierung sind aber bei uns schon lange rezeptpflichtig, etwa bei Vitamin A und E.

Interview: Robert Lücke

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion