1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Wie früher auf dem Teich

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Perfekte Inszenierung eines ganz normalen NHL-Spiels - das Winter Classic in Philadelphia fesselte fast 50.000 Fans.
Perfekte Inszenierung eines ganz normalen NHL-Spiels - das Winter Classic in Philadelphia fesselte fast 50.000 Fans. © AFP

Fast 50.000 Eishockey-Fans sind beim Winter Classic der NHL, einem Spektakel unter freiem Himmel, live dabei. Die Gastgeber aus Philadelphia müssen sich dabei den New York Rangers trotz 2:0-Führung geschlagen geben.

Fast 50.000 Eishockey-Fans sind beim Winter Classic der NHL, einem Spektakel unter freiem Himmel, live dabei. Die Gastgeber aus Philadelphia müssen sich dabei den New York Rangers trotz 2:0-Führung geschlagen geben.

Kräftiger Wind und zwischendurch leichter Schneefall - es war fast wie früher beim Spiel auf dem zugefrorenen Teich. Knapp 50.000 Zuschauer im Baseball-Stadion von Philadelphia waren deshalb hingerissen. Auch die fünfte Auflage des „Winter Classic“ bescherte der nordamerikanischen Profiliga NHL und deren Fans ein denkwürdiges Ereignis.

Das Duell der Philadelphia Flyers mit den New York Rangers, eine der großen Rivalitäten im Eishockey, hielt auf einer der größten Bühnen des Jahres, was es versprach. Das 3:2 der Rangers bot Spektakel und war die erhoffte Werbung für den Sport. Das „Winter Classic“ ist bereits ein Klassiker. „Nicht jedes Spiel kann dem Hype standhalten, der vorher entfacht wird. Doch in dieser Hinsicht hatten wir einen großartigen Tag. Wir hätten nicht mehr verlangen können“, sagte Liga-Boss Gary Bettman.

Gerade auf dem amerikanischen Markt ist dieses Ereignis eine der wenigen Möglichkeiten der NHL, ein Millionen-Publikum zu erreichen und sich im Ringen um Einschaltquoten in Szene zu setzen - so, wie es sonst nur beim Finale um den Stanley Cup möglich ist. Da ist es gut, dass es der Amerikaner versteht, ein Event zu zelebrieren, ein eigentlich ganz normales Saisonspiel in ein festliches Gewand zu packen. „Die Fans und die gesamte Hockeywelt hatten Spaß. An die Atmosphäre werde ich mich immer erinnern“, sagte Rangers-Torjäger Marian Gaborik.

Düsenjäger über dem Ballpark

Von Jahr zu Jahr gelingt die Inszenierung perfekter, seit 2008 die Buffalo Sabres mit Jochen Hecht gegen die Pittsburgh Penguins um Superstar Sidney Crosby bei Schneegestöber im Ralph-Wilson-Stadium in Buffalo zur „Winter-Classic“-Premiere baten. Wie es gute amerikanischen Tradition ist, wurde vor dem Duell der einst ob ihrer Härte gefürchteten Broad Street Bullies aus Philly gegen die Broadway Blue Shirts aus New York City die US-Nationalhymne inbrünstig vorgetragen.

Zwei Düsenjäger donnerten über den Ballpark der Philadelphia Phillies aus der Baseball-Profiliga MLB, der Einlauf der Mannschaften kam dem von Showstars gleich. Und weil Eishockey ja „Canada's Game“ ist, gab's die kanadische Hymne noch obendrauf.

Den Flyers wurde bei ihrem zweiten Classic-Auftritt am Ende zum zweiten Mal die Party verhagelt. Hatte 2010 noch der Landshuter Marco Sturm im Bostoner Fenway Park die Bruins zum Sieg gegen Philadelphia geschossen, war diesmal Rangers-Star Brad Richards der Spielverderber. New Yorks Torhüter Henrik Lundqvist wehrte zudem 19,6 Sekunden vor dem Ende einen Penalty von Danny Briere ab.

„Es ist hart, auf dieser großen Bühne zu verlieren“, sagte Flyers-Stürmer Maxime Talbot geknickt. Zuvor hatten Brayden Schenn und NHL-Top-Scorer Claude Giroux für Hochstimmung in der „City of brotherly love“ gesorgt. Doch ausgerechnet Mike Rupp glich mit zwei Treffern aus, bevor Richards zum Partyschreck wurde.

Jagr muss verletzt raus

Im Schatten blieb dagegen Philadelphias 39 Jahre alte Weltstar Jaromir Jagr, der sich im ersten Drittel eine Beinverletzung zuzog und nicht weiterspielen konnte. Das „Winter Classic“ schmeckte wieder nach mehr - und der wetterbedingt um zwei Stunden verschobene Beginn tat zudem der Eisqualität gut, über die sich diesmal niemand beklagte. Es wurde kälter, und das Spiel kam dadurch in Tempo und Qualität dem in der Halle nahe. Der Rahmen ist so gut, dass Gary Bettman unbedingt daran festhalten wird. „Wir werden auch dafür sorgen, dass es einzigartig bleibt. Es ist die ultimative Reality-Show, der Kampf mit den Elementen“, sagte er. Rufe nach mehr Freiluftspielen wird er demnach wohl ignorieren. (sid)

Auch interessant

Kommentare