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Triathlet Jan Frodeno wird längst perfekt vermarktet.

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Jan Frodeno auf Hawaii: Der dritte Streich des Strahlemanns

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Jan Frodeno gewinnt den schwersten Ironman der Welt. Der frühere Rettungsschwimmer hat perfekte physische Voraussetzungen und den nötigen Willenskraft für den Triathlon. Der Kommentar.

Nachdem Jan Frodeno seinen Titel beim Ironman Hawaii ordentlich bis vier Uhr gefeiert hatte, sich mit schmerzenden Beinen und einem dicken Schädel ins Bett gelegt hatte, klingelte es nur wenig später an der Tür des gemieteten Hauses. Dopingkontrolleure kamen, die ihn splitterfasernackt entdeckten. Er gab die Probe ab und legte sich dann wieder schlafen. Die Begebenheit nach seinem ersten Triumph 2016 schildert Frodeno in seinem Buch „Eine Frage der Leidenschaft – Mit Mut und Motivation zum Erfolg“. Er nennt es die speziellste und witzigste Kontrolle seiner Laufbahn. Um dann klarzustellen: „Ich hasse es, bezwungen zu werden. Es gibt im Sport nichts Schöneres als den Sieg! Aber das muss nach Regeln geschehen, nicht um jeden Preis.“ Will heißen: ohne unerlaubte Hilfsmittel. Die prominenteste Figur der Randsportart Triathlon geht offensiv damit um, dass außergewöhnlichen Ausdauerleistungen im Schwimmen, Radfahren und Laufen zwangsläufig skeptisch beäugt werden. Wobei seine mit Titeln gepflasterte Karriere den Verdacht nicht nährt.

Mit 38 Jahren hat der Strahlemann nicht nur die Kräfteverhältnisse auf der Langdistanz mit dem Gewinn der dritten Ironman-WM gerade gerückt, er hat auch Grenzen verschoben. Streckenrekord beim härtesten Ironman der Welt bei extremsten Bedingungen. „Frodo“ scheint dafür gemacht: Körpergröße 1,96 Meter, Körperspannweite fast zwei Meter, Körpergewicht 76 Kilo, Körperfettanteil weniger als sieben Prozent. Seine Voraussetzungen für die Vorherrschaft.

Der Strahlemann wird längst perfekt vermarktet. Als sportliches Vorbild: Von seinem unbändigen Ehrgeiz und ungebrochenen Trainingsfleiß können sich neun von zehn Fußballprofis noch etwas abschauen. Mehr als 18 Jahre Leistungssport, der erste Teil der Karriere davon auf der Olympischen Distanz, sind ein einmaliger Erfahrungsschatz. Nur er kann mit seiner Aura den Konkurrenten auf dem Asphalt zurufen konnte, sich nicht zu lange in seinem Windschatten aufzuhalten. Und der frühere Rettungsschwimmer weiß im Grunde seit einigen Jahren: Wenn Knochenapparat, Sehnen, Gelenke und Muskeln mitspielen, setzt er sich das Limit nur noch selbst.

Seine Weltbestzeit in Roth, sein Streckenrekord auf Hawaii machen ihn zum König der Triathleten. Auf dem Zenit denkt er nichts ans Aufhören, dafür ist die Lust am Leiden immer noch ungebrochen. Die US-amerikanischen Legenden wie Dave Scott und Mark Allen haben sich die in den 80er und 90er Jahren je sechsmal die stachelige Krone in Kona aufgesetzt. Dass Frodeno in diese Phalanx einbricht, ist eingedenk seines Alters zwar nicht wahrscheinlich, aber nach seiner Machtdemonstration am 12. Oktober 2019 nicht mehr völlig ausgeschlossen.

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