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Exzentrisch - auch beim Jubel: Kevin-Prince Boateng.
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Exzentrisch - auch beim Jubel: Kevin-Prince Boateng.

Boateng beim AC Mailand

Frischer Wind dank "Big Bang Boateng"

Kevin-Prince Boateng sorgt beim AC Mailand für Schlagzeilen. Einer Roten Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung und lange Partynächte stehen herausragende Leistungen gegenüber.

Von Oliver Birkner

Kevin-Prince Boateng sorgt beim AC Mailand für Schlagzeilen. Einer Roten Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung und lange Partynächte stehen herausragende Leistungen gegenüber.

Ein wenig besorgt war er vor der Saison schon, schließlich lag ein rasantes Jahr hinter Kevin-Prince Boateng. Die italienische Serie A hatte ihn als Mister X mit ungehobeltem Leumund empfangen und nach der Meisterschaft des AC Mailand zum vorbildlichen Spieler und besten Neuzugang geadelt. „Ich weiß, dass es nur Kleinigkeiten bedarf, um vom Top-Status herunterzufallen“, sagte der 24-Jährige Mitte August. Besonders in Italiens Medienschlund, der Mythen im Handumdrehen installiert und sie genau so flugs erlegt.

Momentan hat sich Boateng tatsächlich im Netz seiner Befürchtungen verfangen und ringt mit lästigen Nebenschauplätzen. Zunächst setzte ihn eine Verletzung außer Gefecht, kürzlich warf man dem Berliner nonchalantes Ausleben der nächtlichen Dolce Vita und Formschwankungen vor. Und bei Milans 3:2-Erfolg am vergangenen Samstag in Rom sah Boateng die Rote Karte, als er nach der Auswechslung (66.) bereits auf der Bank saß. Die Wutkanonade „Stück Scheiße“ habe laut Boateng Gegenspieler Nicolas Burdisso ob eines vorangegangenen Fouls gegolten, dummerweise passierte er während des Ausrufs gerade den Linienrichter.

Hattrick als Einwechselspieler

Einerlei, an wen die Verunglimpfung nun wirklich gerichtet war, zwei bis drei Ligaspiele wird er demnächst aussetzen. „Der IQ ist nicht auf der Höhe seiner Muskeln und Tätowierungen“, übte der Corriere della Sera gnadenlos Kritik. AC-Geschäftsführer Adriano Galliani kündigte an: „Kevin hat mir eine andere Version geschildert. Doch über den Vorfall werden wir reden müssen.“ Traditionell wird das im Hauptquartier Milanello unter Obhut der rot-schwarzen Familienbande geschehen. Nach außen gilt die bella figura seit jeher als kategorischer AC-Imperativ.

So wischte der Klub auch die angeblich langen Nächte Boatengs mit einem Lächeln beiseite. „Wenn er immer so spielt wie heute, darf er machen was er will“, sagte Galliani kürzlich, als Boateng in Lecce einen 0:3-Rückstand zur Pause mit drei Toren binnen 14 Minuten egalisierte ? erst der zweite Spieler der Serie-A-Geschichte, dem ein Hattrick als Einwechselspieler gelang. Am Ende siegte Milan 4:3. Schon Tage zuvor hatte Boateng die Kritik an seinem Privatleben mit Qualität, Zorn und seinem ersten Champions-League-Tor beim 2:0 über BATE Borissov gekontert und die Nörgler per Zeigefinger vor den Lippen ermahnt. „Das galt jenen, die an meiner Professionalität gezweifelt haben“, sagte er. „Ich denke jeden Moment nur an meinen Beruf.“

Idol der Fankurve

Die Fans haben ihm das längst abgenommen. Idol der Kurve, die ihn mit Transparenten „Big Bang Boateng“ und Sprechchören verwöhnt. Bei der Meisterfeier im Mai zierte seine Nummer 27 inflationär die Rücken der Tifosi. Trainer Massimiliano Allegri tat ihm den größten Gefallen, als er Boateng im vergangenen Jahr aus der Sechserposition freikettete und hinter die Spitzen schob. Von dort wehte er wie ein frischer Wind durch das oft phlegmatische Milan-Mittelfeld. Ein Anarchist wie Mitspieler und Freund Zlatan Ibrahimovic, denen ihr gesundes Selbstbewusstsein bisweilen als Arroganz ausgelegt wird.

Die garantierte Show der Extravaganz kommt auf den Rängen an, und überhaupt profitierte Milan im Zuge der zuletzt frappanten Defensiv-Amnesien gerade von der sprudelnden Unberechenbarkeit seines Outlaw-Trios Boateng, Ibrahimovic und Antonio Cassano. In der Liga liegt der AC nach müdem Start momentan nur noch zwei Zähler hinter Spitzenreiter Juventus. In der Champions League könnte man mit einem Sieg heute in Weißrussland bei Borissov schon vorzeitig das Achtelfinale buchen.

Zu all dem trugen auch Boatengs Dynamik samt vier Toren in sieben Partien bei. Nicht umsonst wehrt sich der AC Mailand derzeit, ihn Mitte Januar an den Afrika-Cup zu verlieren. Auch Nike entdeckte die steigenden Marketing-Qualitäten Boatengs und drehte mit ihm ein Video über Tätowierungen. „Lasst euch kein Tattoo auf die Rippen machen, das ist wahnsinnig schmerzhaft“, sagt er den Leuten am Ende. Kevin-Prince Boateng hätte hinzufügen können: Und sagt besser nichts, wenn ihr am Linienrichter vorbeilauft.

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