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Ein Friedensangebot

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Das Erstrundenspiel beim DFB-Pokal zwischen Chemnitzer FC und SG Dynamo Dresden musste für mehrere Minuten unterbrochen werden, nachdem Fans im Chemnitzer Fanblock bengalisches Feuer entzündeten.
Das Erstrundenspiel beim DFB-Pokal zwischen Chemnitzer FC und SG Dynamo Dresden musste für mehrere Minuten unterbrochen werden, nachdem Fans im Chemnitzer Fanblock bengalisches Feuer entzündeten. © dpa

Die Angst ist groß, dass Ultras in der neuen Saison verstärkt die Konfrontation suchen. Deshalb braucht es eine neue Qualität des Dialogs. Ein Kommentar.

Von Jan Christian Müller

Die Furcht ist groß, dass Ultragruppierungen in der neuen Saison der Fußball-Bundesligen und der Dritten Liga verstärkt auf Konfrontationskurs gehen. Zu viel ist in den vergangenen Monaten einerseits inhaltlich und kommunikativ falsch gelaufen vonseiten der Verantwortlichen in Sport und Politik, zu rücksichtlos und egoistisch gebärden sich andererseits kleine, nur sehr schwer erziehbare Teile der Ultraszene.

Aber es gibt Hoffnung, dass die Beteiligten sich Mühe geben, aufeinander zuzugehen und eine neue Qualität des Dialogs in Gang zu bringen. Der war Mitte Juli ins Stocken geraten, nachdem DFL und DFB es beim Sicherheitsgipfel in Berlin nicht mal für nötig befunden hatten, die in unmittelbarer Nähe tagenden Fansprecher über die Ergebnisse zu informieren, geschweige denn, in die Diskussionen einzubinden. Radikalere Kräfte, die einen Dialog immer schon ablehnten, sahen sich dadurch bestätigt. Lediglich Vertreter von Darmstadt 98, des 1. FC Köln und von Hertha BSC machten sich seinerzeit die Mühe, sich mit den beim Gipfel nicht zugelassenen Fans zu treffen.

DFL-Chef Christian Seifert hat am Mittwoch in einem Pressegespräch Fehler eingeräumt und gleichzeitig die Tür geöffnet: „Wir haben die Punkte erkannt, wo wir beginnen müssen, vor der eigenen Haustür zu kehren. Wenn die Fangruppen dies auch tun, haben wir eine Grundlage für einen Dialog.“ Noch in dieser Woche wird er sich erstmals mit Michael Gabriel, dem szenekundigen Leiter der Koordinationsstelle der Fanprojekte, treffen. Seifert macht das Thema zur Chefsache, und das ist gut so. Es zeugt aber auch von eklatanten Versäumnissen der Vergangenheit, dass ein solches Gespräch erst jetzt stattfindet.

Dass Pyrotechnik von einer großen Mehrheit der Stadionbesucher nicht goutiert wird, dürfte dabei wenig strittig sein. Es ist nur noch eine kleine, wiewohl ausdrucksstarke Minderheit, die das anders sieht. Diese Minderheit würde aber neuen Zulauf erhalten, wenn ein als Drohkulisse im Raum stehendes Verbot von Stehplätzen von DFB, DFL und Klubs nicht konsequenter abgelehnt wird, als dass bisher der Fall ist. Das ist der Profifußball den vielen friedlichen Fans schuldig, für die ein bezahlbares Bundesligaspiel die Welt bedeutet.

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