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Klaus Augenthaler soll Unterhaching vor dem Absturz bewahren.

Klaus Augenthaler

Freund als Feuerwehrmann

Klaus Augenthaler ist zurück - nach fast dreijähriger Trainer-Auszeit: Nun will er die Spielvereinigung Unterhaching vor dem Sturz in die Viertklassigkeit bewahren.

Weltmeister Klaus Augenthaler hat sich nach fast dreijähriger Trainer-Auszeit als Feuerwehrmann beim abstiegsbedrohten Drittligisten Spielvereinigung Unterhaching zurückgemeldet. Einen Tag vor dem Kellerduell bei Holstein Kiel übernahm der 52-Jährige am Dienstag die Nachfolge des glücklosen Matthias Lust. "Ich bin sicher, dass wir die Liga halten", versprach der Weltmeister von 1990, der einen Vertrag bis zum Saisonende erhielt. "Was im Mai ist, werden wir dann sehen", sagte er. Zuletzt hatte Augenthaler den VfL Wolfsburg trainiert.

Dort war für ihn im Mai 2007 wenige Tage nach seiner denkwürdigen Kurz-Pressekonferenz das Aus gekommen. Er hatte sich selbst vier kurze Fragen gestellt, beantwortete diese knapp und beendete die Veranstaltung nach nur 42 Sekunden. Zwar schaffte Augenthaler mit den Wolfsburgern den Klassenverbleib, er musste aber dennoch dem späteren Meistertrainer Felix Magath weichen. "Es gibt zwei Dinge im Leben: Irgendwann muss man mal sterben, und wenn du Trainer bist, wirst du irgendwann entlassen", sagte Augenthaler einmal.

In Unterhaching soll der 52-Jährige den Absturz in die Bedeutungslosigkeit abwenden. "Die Situation ist prekär, aber wir haben noch elf Spiele Zeit, und ich habe bei anderen Vereinen schon schlimmere Situationen erlebt. In Leverkusen hatte ich 2003 nur zwei Spiele", sagte Augenthaler.

Der 27-malige Nationalspieler tritt die Nachfolge von Matthias Lust an, der erst vor rund vier Wochen den entlassenen Ralph Hasenhüttl beerbt hatte. Der frühere Erstliga-Profi Lust rückt wieder ins zweite Glied und wird Assistent von Augenthaler. Zudem nahm der Drittligist auch im Management einschneidende Veränderungen vor. Das Hachinger Urgestein Ralf Bucher übernimmt den Manager-Posten von Norbert Hartmann. Francisco Copado, zuletzt Profi bei Eintracht Frankfurt, in Hoffenheim und Unterhaching, wird neuer Sportlicher Leiter der Spielvereinigung.

Laut Präsident Engelbert Kupka will Unterhaching mit den neuen Strukturen "aggressiv ins Fußball-Geschäft zurückkehren". Mittelfristig ist sogar an eine Umwandlung des Vereins in eine Kapitalgesellschaft gedacht. An die Verpflichtung Augenthalers knüpft Kupka große Erwartungen: "Er ist eine große Persönlichkeit und hat im Fußball einen hervorragenden Namen. Er hat schon viele Vereine gerettet."

Kupka bezeichnete das Engagement von Augenthaler als "Freundschaftsdienst". Den Weltmeister verbindet eine langjährige Freundschaft mit Hachings Schatzmeister Anton Schrobenhauser, der den Kumpel aus gemeinsamen Bayern-Zeiten letztlich nach Unterhaching lockte.

Elf Runden vor Saisonschluss belegt sein neues Team in der Dritten Liga den 17. und damit viertletzten Platz. Seit nunmehr neun Spielen wartet der frühere Erstligist, der eigentlich die Rückkehr in die zweite Liga angepeilt hatte, schon auf einen Sieg.

Über die Gründe für die Hachinger Misere machte sich Augenthaler am Sonntag beim 0:1 gegen Werder Bremen II an der Seite von Schrobenhauser und dessen Schwiegersohn Copado bereits selbst ein Bild: "Die Körpersprache zeugte nicht von Selbstvertrauen. Ich hatte den Eindruck, als ob die Spieler Skischuhe anhätten." (dpa/sid)

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