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Freitag und Wellinger starten als Favoriten

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Von: Stephan Klemm

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Zählt zu den Favoriten der Vierschanzentournee: Weltmeister Stefan Kraft aus Österreich.
Zählt zu den Favoriten der Vierschanzentournee: Weltmeister Stefan Kraft aus Österreich. © afp

Wer sind die Favoriten? Wie stehen die Chancen der deutschen Skispringer? Fragen und Antworten zum Start der 66. Vierschanzentournee.

Viele Urlauber sind da, manchmal sind die Geschäfte sehr voll und wenn es an der Schattenbergschanze losgeht, schlängelt sich zudem eine Menschenmenge mit angereisten Zuschauern vom Bahnhof im Zentrum durch die Fußgängerzone bis zum Stadion hinauf. Und trotzdem liegt zu dieser Zeit des Jahres ein Hauch von Ruhe und Gemütlichkeit über Oberstdorf, der Marktgemeinde im Allgäu, in dem die 66. Vierschanzentournee am Freitag mit der Qualifikation für den ersten Wettkampf am Samstag beginnt. Das liegt gewiss auch an der entspannten Urlaubssituation, die die meisten dort verleben, wie überhaupt die ganze Tournee traditionell zur Weihnachtsferienzeit ausgetragen wird. In diesem Jahr dürfte der Trubel entlang der Strecke hinauf zum Schattenberg aber wieder etwas größer werden. Zwei deutsche Skispringer, Richard Freitag und Andreas Wellinger, sind gerade die Nummer eins und zwei in der Welt, das Interesse in den vier Orten sei so groß wie nie, melden die Veranstalter, denn auch Österreich, der Co-Gastgeber, stellt mit Stefan Kraft einen der Favoriten. Ein Überblick.

Welche Rolle spielt die Vierschanzentournee im Wettkampfkalender der Skispringer? Eine große. Die Skispringer genießen es, in vollen Stadien im Mittelpunkt zu stehen, im Auslauf wummert der Bass, das Fernsehen ist live dabei. Zudem die Tradition: Diese Wettkampfserie gibt es bereits seit 1953, das erste Springen gewann Asgeir Doelplads, ein Frisör aus Norwegens Hauptstadt Oslo. Die vier Tourneespringen in Oberstdorf (Samstag), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) profitieren von der besonderen Zeit des Jahres, in der Skispringen als Sportevent in Mittel- und Nordeuropa, aber auch in Japan ausnahmsweise mal im Zentrum des Interesses steht. Doch die Tournee ist in diesem Jahr nur einer von drei Höhepunkten in der Skispringersaison: Im Januar wird noch ein Skiflugweltmeister gesucht, ebenfalls in Oberstdorf, und im Februar warten die Olympischen Spiele in Pyeongchang (Südkorea).

Wie stehen die Chancen der deutschen Teilnehmer? Außergewöhnlich gut. Der letzte deutsche Gesamtsieger war Sven Hannawald, der bei seinem Coup 2001/2002 als erster und bisher einziger Springer gleich alle vier Springen gewann. 16 Jahre später reisen Richard Freitag (26) und Andreas Wellinger (22) als Führender und Zweitplatzierter der Weltcup-Wertung an. Freitag hat bisher drei von sieben Springen gewonnen, hinzu kommen zwei zweite Plätze. Wellinger hat bereits einen Saisonsieg, einen zweiten und dritten Rang geschafft. Beide gelten als enorm talentiert.

Wer gehört noch zu den Favoriten? Die Leistungsdichte im Weltcup ist hoch. Fünf verschiedene Sieger gab es schon in diesem Winter, von denen der Japaner Junishiro Kobayashi und der Slowene Jernej Damjan die überraschendsten waren. Hinter Freitag und Wellinger wiesen zuletzt aber auch der österreichische Doppelweltmeister Stefan Kraft und der polnische Vorjahressieger Kamil Stoch aufsteigende bis sehr starke Form nach. Bundestrainer Werner Schuster traut auch dem Norweger Daniel Andre Tande viel zu. Schuster sagt: „Wer weiß, wem noch was eingefallen ist über Weihnachten.“ Und Sven Hannawald, mittlerweile TV-Experte bei Eurosport, erweitert den Kreis der deutschen Hoffnungen noch um den Bayern Markus Eisenbichler (26), der sein Können bisher oft im Vorfeld eines Wettkampfes gezeigt hat. Ihm fehlte es bisher an einer gewissen Lockerheit in der Entscheidung. Im Weltcup-Ranking ist Eisenbichler aber immerhin als Achter notiert.

Wie gehen die Deutschen mit ihrer Rolle als Favoriten um? Alles in allem sehr abgeklärt. Druck von außen? Schuster sagt dazu: „Das ist doch eine grandiose Situation. Druck haben wir sowieso die ganze Zeit. Irgendwann geht jede Serie mal zu Ende, auch so eine Unserie wie die der deutschen Springer bei der Tournee.“ Und er findet: „Wir haben gleich mit zwei Sportlern Chancen, das ist genial. Wir haben einiges erlebt und werden uns nicht mehr einschüchtern lassen.“ Freitag will alles entspannt auf sich einwirken lassen. Und er sagt: „Ich weiß, dass es keine Garantie ist, wenn du vorher gut bist. Es ist aber auch kein Hindernis, wenn du vor der Tournee gut springst.“ Wellinger ergänzt: „Ich sehe es so, dass der Druck, den man sich selbst macht, einen deutlich mehr daran hindern kann, gut zu sein als der Druck von außen. Man muss beim Skispringen nichts Besonderes machen.“ Außerdem habe er festgestellt: „Die Stimmung in der Mannschaft ist locker, und wir haben zusammen viel Spaß, Skisprungdeutschland zu repräsentieren.“ Freitag und Wellinger verstehen sich zudem gut, sie unterstützen sich und freuen sich, wenn es für den jeweils anderen klappt. „Sie respektieren und sie pushen sich gegenseitig. Das ist genau der Geist, auf den ich mein Team eingeschworen habe“, sagt Schuster. Außerdem hat Schuster die Abläufe für sein Team in den vergangenen Jahren optimiert: „Wir haben uns darüber viele Gedanken gemacht. Wir sind ziemlich nahe am Optimum. Auch mit Hotels und Reisezeiten sind wir auf einem echt hohen Niveau. Da macht uns keiner was vor.“

Wer überträgt die Vierschanzentournee? Alle Springen und auch die Qualifikation zur selben Zeit am Tag davor sind live bei ARD, ZDF (sowie auf den Internetplattformen der öffentlich-rechtlichen Sender) und bei Eurosport zu sehen. In Oberstdorf beginnt am Samstag (16.30 Uhr) die ARD mit den ersten Übertragungen. Das Neujahrsspringen in Garmisch und den dritten Wettkampf in Innsbruck (4. Januar) zeigt das ZDF jeweils ab 14 Uhr live. Das Finale in Bischofshofen ist am 6. Januar ab 17 Uhr wieder in der ARD zu sehen.

Gibt es ein besonderes Preisgeld? Der Gesamtsieger erhält 20 000 Schweizer Franken (rund 17 000 Euro) und als Trophäe eine goldenen Adler. Für einen Tagessieg gibt es – wie auch bei jedem anderen Weltcup-Springen – 10 000 Schweizer Franken. Es gab schon mal deutlich mehr zu verdienen: Sven Hannawald etwa erhielt vor 16 Jahren an Preisgeldern und Prämien des Deutschen Ski-Verbandes etwa 330 000 Euro. Und 2011/2012, zum 60. Tournee-Geburtstag, hätte ein Springer, der alle Wettkämpfe gewonnen hätte, gar eine Million Schweizer Franken erhalten. Doch diese Prämie musste nicht ausgezahlt werden.

Hat die Tournee einen besonderen Modus? Ja. 50 Springer qualifizieren sich wie immer für den ersten Durchgang. Anders als sonst springen nicht alle 50 gegeneinander um die 30 freien Plätze des zweiten Durchgangs. Sondern es ergeben sich aufgrund der Platzierung in der Qualifikation 25 K.o.-Duelle. Die 25 Sieger und die fünf besten Verlierer erreichen das Finale – ohne weitere K.o.-Springen. Für jeden Sprung erhalten die Skispringer eine aus der Weite und den Haltungsnoten ermittelte Punktzahl. Die Tournee gewinnt der Skispringer, der in allen acht Durchgängen der vier Springen die meisten Punkte gesammelt hat.

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