Radsport: UCI WorldTour - Tour de France, Embrun - Valloire (208,00 km), 18. Etappe: Durch einen schmalen Korridor von begeisterten Fans fahren die Teilnehmer der Tour de France. (zu dpa "Tour de France beginnt wegen Coronavirus-Pandemie erst im August"
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Tour de France 2020 soll trotz Corona stattfinden

Pandemie in Frankreich

Tour de France startet trotz steil steigender Corona-Zahlen - dafür gibt es viel Kritik

  • Tobias Möllers
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Frankreich rüstet sich für eine verspätete Tour de France und das, obwohl die Infektionen mit dem Coronavirus nur eine Richtung kennen. Zuschauer sind eingeplant, aber eine Maske gehört in jede Tasche.

  • Corona-Zahlen in Frankreich steigen deutlich
  • Tour de France soll dennoch stattfinden
  • In diesem Jahre gelten besondere Regeln in Frankreich

Nizza - Egal, ob Schützenfeste, Rockkonzerte und wahrscheinlich bald auch den Karneval - die Corona-Pandemie hat fast alle Massenveranstaltungen weltweit zum Erliegen gebracht. Alle? Nicht ganz, ab Samstag soll in Frankreich tatsächlich die 107. Tour de France in Nizza losrollen. Zwar mit zweimonatiger Verspätung und mit vielen Einschränkungen, aber trotzdem mit Publikum. Die Tour ist schließlich ein französisches Nationalheiligtum und gehört in Frankreich zum Sommer wie der Wein zum Essen.

„Diese Tour wird ein Symbol der Wiedergeburt und des wirtschaftlichen Aufschwungs sein“, verspricht Tourchef Christian Prudhomme mit staatstragenden Worten. Diese Auflage werde in der langen Geschichte der Tour eine herausragende Rolle spielen und einen beispiellosen Wiedererkennungswert haben. Und damit angesichts wieder ansteigender Corona-Infektionszahlen - zuletzt gab es in Frankreich täglich mehr als 4000 positiv getestete Personen - nichts mehr dazwischen kommt, wählt Prudhomme eindringliche Worte an die Radsport-Fans an der Strecke. „Tragt Masken! Für die Zuschauer muss klar sein: Ich liebe das Rad, ich liebe die Tour, und der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass ich eine Maske tragen muss.“

Tour de France in Corona-Zeiten: Der nächste Superspreader-Event?

Zehn bis zwölf Millionen Fans zieht die Rundfahrt in Frankreich jedes Jahr drei Wochen lang in ihren Bann. Coronabedingt wird in diesem Jahr allerdings alles kleiner sein. Eine begrenzte Anzahl an Gästen ist an der Strecke zugelassen. Alle mit Maske, denn die ist seit letzter Woche in der Hauptstadt der Côté d‘Azur auch im Freien Pflicht - ähnlich wie in anderen Städten in Frankreich. Aber die Fans ganz auszusperren, kommt nicht in Frage. „Eine Tour hinter verschlossenen Türen macht keinen Sinn“, sagt Prudhomme.

Pharmakologe Fritz Sörgel hält das für unverantwortlich. „Die Hygienebedingungen sind da nicht einzuhalten. Wenn sich die Situation in Frankreich weiter verschlechtert, und es wird jetzt täglich schlechter, dann kann man es nicht zulassen. Die Situation ist da ja noch schwieriger als in einem Fußballstadion, weil man am Straßenrand nicht Pandemie-gerecht organisieren kann“, sagte Sörgel der Deutschen Presse-Agentur. Es drohten überall Corona-Superspreader und bei derart vielen Menschen müsse man kein Statistiker sein, dass es passieren wird.

Tour de France trotz Corona: Alles eine Nummer kleiner

Die Organisatoren sehen das naturgemäß anders. Auf den 21 Etappen bis Paris sind im Start- und Zielbereich maximal 5000 Zuschauer vorgesehen, der Zugang zu den Bergen soll stark eingeschränkt werden, und auch sonst wird der gewaltige Tross (Fahrer, Offizielle, Journalisten, Sponsoren) bei der Tour de France von 5000 auf 3000 Personen verkleinert. Die Werbekarawane, die täglich als Vorauskommando zig Millionen Artikel unter das Volk bringt, soll auch nur noch halb so lang sein. Und trotzdem: The Show must go on.

Damit alles funktioniert, sieht das Konzept strikte Corona-Regeln vor. Die Fahrer werden dreieinhalb Wochen in ihrer eigenen Blase unterwegs sein. Eine zweite Blase umfasst die Entourage, und der dritte Bereich stellt die Öffentlichkeit dar. Diese sogenannten Bubbles sollen nicht miteinander in Kontakt treten. So sieht es der Plan in Frankreich vor.

Tour de France in Corona-Zeiten: Der Sport muss weiterleben

Und natürlich wird auf Corona getestet. Zweimal vor der Tour sowie an den beiden Ruhetagen werden sich die Fahrer in Frankreich einem Covid-19-Test unterziehen. Wo einst - und auch immer noch - die Dopingfahnder an den Ruhetagen oft für unliebsame Überraschungen sorgten, könnten nun die Corona-Tests für plötzliche Ausschlüsse im Peloton sorgen. Zwei positive Tests innerhalb eines Teams - neben den acht Fahrern gehört auch der rund 20-köpfige Betreuerstab dazu - sollen zum Ausschluss der ganzen Mannschaft führen. Salopp gesagt: Sind der Busfahrer und der Masseur positiv, ist der Tour-Traum beendet.

„Es wird eine komplizierte Zeit für die Teams und die Behörden sein“, sagt Sportministerin Roxana Maracineanu, die im täglichen Austausch mit Tour-Veranstalter ASO steht. „Wir müssen uns anpassen, aber trotzdem muss der Sport weiterleben, um zu existieren.“

Tour in Frankreich: Küsschen links, Küsschen rechts ist nicht mehr

Auch die Siegerehrungen finden unter Corona-Bedingungen statt. „Küsschen links, Küsschen rechts“ ist nicht mehr. Formlos bekommen die Fahrer ihre Trikots überreicht - natürlich mit Maskenpflicht, was Teamchef Ralph Denk von Bora-hansgrohe für unsinnig hält: „Im Rennen fahren die Fahrer noch nebeneinander. Da steckt viel Politik dahinter.“ Auch die vielen wichtigen und weniger wichtigen Leute werden nicht mehr Zugang zum Podium haben.

Dazu gibt es in Frankreich eine grundlegende Änderung, ungeachtet von Corona: Die Trikotträger werden statt von zwei Hostessen nun von einem Mann und einer Frau eingerahmt. (tom mit dpa)

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