Einsam auf weiter Flur: Quantez Robertson. Bild: Storch
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Einsam auf weiter Flur: Quantez Robertson.

Frankfurt Skyliners

Der einsame Kämpfer

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Skyliners-Kapitän Quantez Robertson ist der Einzige, der sich wirklich gegen die 74:87-Niederlage in der Basketball-Bundesliga gegen Oldenburg wehrt.

Quantez Robertson riss sich mit der Schlusssirene das Trikot entzwei, zog es sich über den Kopf und schleuderte es in Richtung Bank. Wenn der Kapitän der Frankfurt Skyliners einen Boxsack vor sich gehabt hätte, er hätte wie wild auf ihn eingehämmert. Diese 74:87 (44:30)-Niederlage vor 4950 Zuschauern am Samstagabend in der Ballsporthalle gegen die Baskets Oldenburg stank dem 35-Jährigen gewaltig. Wie so oft in dieser Saison war sein Team in der zweiten Halbzeit eingebrochen, wie so oft muss er sich als einsamer Kämpfer gefühlt haben, der sich als Einziger wirklich gegen die zehnte Pleite im 15. Spiel mit allem was er hatte wehrte.

„Tez war auch schon im Testspiel der Beste, wo sich ein paar junge Knaben hätten zeigen können“, hatte Cheftrainer Sebastian Gleim nach der gewonnenen Partie gegen Zweitligist Heidelberg am vergangenen Dienstag gesagt. Wenn der Rest der Mannschaft nur annähernd den gleichen Biss und die Energie wie Robertson hätte, wären die Skyliners ein ernsthafter Anwärter für die Playoffs. So sind sie als Tabellen-13. nur ein Team für das graue Mittelmaß der Basketball-Bundesliga – und wären ohne Robertson, der gegen Oldenburg 37 Minuten spielte, zehn Punkte erzielte, vier Assists verteilte und seinen Gegenspielern fünf Mal den Ball klaute, vermutlich ein Abstiegskandidat. Da die Liga diese Saison nur aus 17 statt 18 Teams besteht und der Tabellenletzte Weißenfels sechs Punkte hinter den Skyliners liegt, dürfte nach unten nichts passieren. Das ist aber auch das einzig Positive in dieser Spielzeit.

Oldenburg ist zweifelsfrei eines der Topteams der Liga, doch wenn aus einem 14-Punkte-Vorsprung zur Halbzeit eine Niederlage mit 13 Punkten wird, dann ist das nicht nur eine Frage der Qualität, sondern der Einstellung.

„Wir waren nicht aggressiv genug, sie haben mit riesigem Vorsprung das Reboundduell gewonnen und wir haben zu viele Ballverluste in der zweiten Halbzeit gehabt“, analysierte Robertson. Mickrige vier Rebounds holten die Hessen in den zweiten 20 Minuten. Oldenburg holte in der Zeit alleine zwölf Offensivrebounds. Dazu kamen 14 der 20 Ballverluste in Halbzeit zwei.

„Ich weiß, wozu das Team in der Lage ist“, sagte Robertson. Die erste Halbzeit gab dem Veteranen auch völlig recht. Da spielten die Skyliners ohne Topscorer Lamont Jones (Oberschenkelverletzung) ziemlich gut und führten völlig verdient mit 44:30 gegen den Tabellenvierten. „Dann haben wir das Rebounden und die Ballbewegung eingestellt“, ärgerte sich Gleim. Es reichte, dass die Oldenburger ein wenig die Zügel in den zweiten 20 Minuten anzogen, um den Skyliners jegliche Kontrolle über die Partie abzujagen. Baskets-Flügelspieler Armani Moore schubste in der Zone Shaquille Hines und Richard Freudenberg herum, wie er wollte. Auch Neuzugang Darius Carter „muss einfach versuchen, dem Team mehr von der kämpferischen Seite zu geben“, kritisierte Gleim. Der 27-Jährige machte in 19 Minuten eine unauffällige Partie mit fünf Zähler und zwei Rebounds.

Besonders weh tat, dass Center Leon Kratzer die zweiten 20 Minuten frisch geduscht vom Seitenrand beobachten musste. Der 2,11-Meter-Schrank hatte nach fünf Minuten das Parkett mit muskulären Problemen verlassen müssen. Ein längerer Ausfall des 22-Jährigen wäre nicht zu kompensieren.

Auffällig war, dass die Skyliners keine Lösung fanden, wenn ihr ballführender Spieler von den Oldenburger gedoppelt wurde. Alleine daraus resultierten etliche Ballverluste. Auch das ist in dieser Spielzeit schon häufiger passiert. „Anscheinend reichen zwei Wochen nicht, um sich auf das Doppeln des Gegners einzustellen“, sagte Gleim knapp angebunden. Für die nächste Partie am Sonntag in Vechta hat er ab heute sechs Tage Zeit. Das reicht zumindest, um ein neues Trikot für Quantez Robertson zu beflocken.

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