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Frage des Leidensdrucks

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Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer. © dpa

Nach acht Jahren merkt Rudolf Scharping, dass sich mit der Führung des Bundes Deutscher Radfahrer nicht der gewünschte Prahleffekt erzielen lässt.

Von Jörg Winterfeldt

Es hat acht Jahre gedauert. Nun bemerkt sogar Rudolf Scharping, dass sich mit der Führung des Bundes Deutscher Radfahrer nicht der gewünschte Prahleffekt erzielen lässt. Genauer: Er vermag den Angebereffekt, den er sich als tief gestürzter Politiker wohl versprochen hatte, nicht zu erzielen.

Das liegt daran, dass er die deutsche Filiale des anhaltend Doping verseuchten Radsports anführt, und dass unter seiner Herrschaft ein erkennbarer Antidopingkampf ausgeblieben ist. So wie Scharping sich einst mit den radelnden Systemdopern der Telekom um Jan Ullrich verbrüdert hat, so hat er später als Präsident die Verbandsverwalter des Dopings protegiert.

Für seine Wiederwahl hatte es immer gereicht, da seine Opposition unprofessionell vorbereitet war und weil Scharping seine Restrhetorik aus Politikerübungen genügt hat. Auch die SPD-Seilschaften dürften hilfreich gewesen sein, wenn der Politikbetrieb dem Bund radelnder Doper mal zufällig die Mittel kürzen wollte. Dass etwa der schwer belastete Sportdirektor Burckhard Bremer mit 89.000 Euro Jahresgage bis zur Rente im Amt gehalten wurde, brachte Scharpings BDR chronisch in Erklärungsnot. Nun will Scharping das Amt am 23. März freiwillig aufgeben. Endlich.

Viel Staat lässt sich mit dem Amt nicht machen. Daher herrscht kein Andrang an Nachfolgern. Dass Sylvia Schenk, Anwältin und Deutschlandchefin von Transparency International, sich ein zweites Mal an der Spitze des BDR versuchen will, wirkt beachtlich. Schon beim ersten Mal ist sie an den internen Widerständen gescheitert. Führende Köpfe aus der Hochzeit des Dopings wie Bremer haben ihre Arbeit sabotiert. Ob die Radsportfunktionäre für ihren Sauberkeitskurs bereit sind, erscheint keineswegs gesichert. Unter normalen Erwägungen müsste der Leidensdruck des diskreditierten Radsports längst groß genug sein, sich auf eine seriöse Führung einzulassen ? aber das war zu Scharpings Wahl 2005 schon genauso.

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