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Tom Brady

Football

Nie zu alt für das Super-Ei

Footballstar Tom Brady will es noch mal wissen.

Mit Daumen und Zeigefinger formt Tom Brady eine Null. Dann muss der Footballstar loslachen, denn er weiß, nicht jeder kann die Zahl verstehen. Sie steht für die Chance, dass der Quarterback der New England Patriots nach dem Super Bowl an diesem Wochenende aufhört. „Ich sage das seit langer Zeit, ich wiederhole immer die gleiche Antwort. Aber niemand will mir glauben“, sagt Brady. Sie lautet: Es geht weiter. Auch mit 41 hat Brady noch lange nicht genug. „Ich habe mir selbst ein Ziel gesetzt, die 45“, sagt der erfolgreichste Quarterback der Geschichte im Interview mit ESPN.

Es klingt fast wie eine Drohung, und die Konkurrenz in der Profiliga NFL stöhnt bei der Vorstellung, dass Brady vielleicht auch beim Super Bowl LVII aufläuft. Der findet am 5. Februar 2023 in Glendale/Arizona statt. Bis dahin kann viel passieren, doch Brady ist entschlossen, dem Alter ein Schnippchen zu schlagen. In der Nacht zum Montag (0.30 Uhr MEZ/ProSieben und DAZN) könnte er in Atlanta/Georgia nach dem Finale gegen die Los Angeles Rams auf dem Höhepunkt abtreten. Schon wieder. Brady denkt nicht dran.

Zum dritten Mal nacheinander und zum neunten Mal insgesamt steht der Spielmacher im Super Bowl, ihm winkt der sechste Meisterring. Er ist schon jetzt erfolgreicher als Joe Montana und Terry Bradshaw (beide vier) oder Troy Aikman (drei), schlicht erfolgreicher als jeder andere. „Unfinished Business“ ist nicht seine Motivation, es geht nicht um Rekorde, es geht um Spaß und um Siege, Brady hat die Lust daran nie verloren. Sie treibt ihn an.

Im Jahr 2002 holte er seinen ersten Titel, damals ging es im Endspiel gegen die St. Louis Rams, die heute wieder wie früher in Los Angeles zu Hause sind. Es könnte sich ein Kreis schließen, doch das ist ihm völlig egal. Noch kann Brady das Spiel mit seinen Pässen dominieren, daran gibt es keinen Zweifel. Auch wenn Nickell Robey-Coleman Schwächen ausgemacht hat. „Das Alter verlangt seinen Tribut“, sagte der Cornerback der Rams Anfang der Woche, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Armkraft, davon sei einiges verloren gegangen. Es gab natürlich einen Aufschrei, einen Tag später ruderte Robey-Coleman zurück. „Ich wollte nichts Schlechtes über ihn sagen. Ich respektiere ihn als Größten aller Zeiten. Er ist die Legende“, sagte der 27-Jährige. Seine Worte seien verdreht und aus dem Kontext gerissen worden, angeblich. Brady verkniff sich einen Kommentar, derlei Attacken prallen an ihm ab. Auch das ist eine Qualität.

Bei Bradys Triumphen stand immer Bill Belichick an der Seitenlinie. Und auch der Cheftrainer denkt nicht ans Aufhören. Belichick ist 66 Jahre alt, das Rentenalter hat der kauzige Stratege damit erreicht. Doch der Erfolgscoach ist vom Spiel mindestens genauso besessen wie Brady – für einen bevorstehenden Abschied von den Patriots und vom Sport gibt es keinerlei Anzeichen.

Und so muss sich die NFL wohl noch einige Zeit mit dem Duo Brady/Belichick auseinandersetzen. Und mit Erfolgen eines Klubs, der die Idee der Liga durchkreuzt. Das Draftsystem, durch das die schwächsten Teams immer die größten Talente bekommen, soll die jahrelange Dominanz einer Franchise verhindern. Es funktioniert nicht, zumindest was New England betrifft. (sid)

Für einen 30-Sekunden-Werbespot beim übertragenden Sender NBC sind etwa 5,2 Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) fällig. Bei Sportwetten werden schätzungsweise 6 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro) gesetzt. Etwa 22,7 Millionen Amerikaner wollen mit dem Spektakel Geld verdienen.

Ein Platz direkt am Spielfeldrand auf Höhe der Mittellinie kostet für Spätentschlossene eine ordentliche Stange Geld. Bei Ticketmaster waren in der Woche vor dem Finale 22.000 Dollar fällig.

Das Bier fließt vor, während und nach dem Großereignis in Strömen. Circa 120 Millionen Liter werden die US-Bürger auch in diesem Jahr durch ihre Kehlen spülen. sid

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