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Alexander Zverev.

Tennis

Flasche leer

Nach seiner Niederlage gegen Stefanos Tsitsipas im ATP-Finale sieht sich Alexander Zverev mit kuriosen Schummelvorwürfen konfrontiert.

Kaum hatte Alexander Zverev vom griechischen Wirbelwind Stefanos Tsitsipas einen saftigen Denkzettel kassiert, wurde es für den deutschen Jungstar noch unangenehmer. Nach der herben 3:6, 2:6-Niederlage im zweiten Gruppenspiel bei den ATP Finals leckte der Titelverteidiger noch seine Wunden, da musste er sich plötzlich auch noch mit Schummelvorwürfen auseinandersetzen.

Eine TV-Kamera hatte Zverev eingefangen, wie er während eines Seitenwechsels mehrere Sekunden lang in seiner Sporttasche auf einem Gegenstand herumgedrückt hatte. In den sozialen Netzwerken entwickelte sich daraufhin eine Diskussion, ob Zverev möglicherweise ein Handy bedient habe. Mobiltelefone und Kommunikationsmittel jedweder Art sind jedoch während den Matches strikt verboten, weil sie die Möglichkeit zu illegalem Coaching bieten.

Weiterkommen noch drin

„Mein Handy war in der Umkleidekabine“, behauptete Zverev anschließend: „Ich weiß nicht genau, was sie da gesehen haben, aber mein Handy kann es nicht gewesen sein. Vielleicht eine leere Trinkflasche, ich weiß es nicht.“ Bereits beim ATP-Turnier in Peking Anfang Oktober hatte Zverev mit einer ähnlichen Szene für Diskussionen gesorgt.

Offizielle Konsequenzen hat er aufgrund des Vorfalls aber keine zu erwarten. Die Spielervereinigung ATP teilte am Donnerstag mit, dass Zverev „gegen keine Regel der ATP verstoßen“ habe. Den sportlichen Dämpfer gegen den starken Tsitsipas nahm Zverev hingegen zumindest äußerlich komplett gelassen hin. „Solche Tage gibt es einfach“, kommentierte Zverev achselzuckend: „Er hat ein beeindruckendes Match gespielt, ich ein sehr schlechtes. So ist das im Sport.“

Dass er zwei Tage nach seinem furiosen Auftaktsieg gegen Rafael Nadal derart chancenlos im Duell mit dem noch ein Jahr jüngeren Tsitsipas gewesen war, wollte der 22-Jährige explizit nicht als weiteren Rückschlag in dieser an Rückschlägen reichen Saison verstanden wissen. „Hier ist es so: Wenn du gutes Tennis spielst, kommst du weiter. Wenn nicht, dann nicht“, stellte er nüchtern fest: „Ich habe die Dinge noch immer in der Hand.“

Tatsächlich kann Zverev mit einem Sieg in seinem letzten Vorrundenspiel am Freitag (21 Uhr) gegen den Russen Daniil Medwedew aus eigener Kraft die K.o.-Runde erreichen. Gewinnt Tsitsipas unmittelbar zuvor im anderen Duell der Gruppe „Andre Agassi“ gegen Nadal, genügt ihm dazu sogar bereits ein Satzgewinn. Eine Ausgangslage, die bei ihm prompt Erinnerungen an den Titelcoup im Vorjahr weckte.

„Ich bin in derselben Situation wie letztes Jahr, ziemlich exakt derselben sogar“, sagte Zverev. Auch damals habe er im zweiten Spiel eine Abreibung erhalten, auch damals im Match gegen Novak Djokovic nur fünf Spiele gewonnen. Anschließend war er mit drei klaren Siegen über den US-Amerikaner John Isner, Roger Federer und Djokovic dennoch zum Turniersieg marschiert. Auch deshalb sei er nun „so entspannt“, betonte Zverev.

Seinen Fokus hat der gebürtige Hamburger aber schon weiter gestellt. „Ich blicke jetzt schon ein bisschen auf das nächste Jahr und auch, wie überhaupt ich die nächsten zehn Jahre als Tennisspieler spielen muss“, bekannte er: „2020 wird sehr interessant, nicht nur für mich.“ Eine Zweitrundenpleite beim Jahresabschluss 2019 fällt da dann auch nicht weiter ins Gewicht. (sid)

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